BODY / LANGUAGE – wrestling with gestures and words in Berlin

Performance vom 30. - 31. Mai 2015 im centrum in Berlin

Ach du heilige Scheiße (Oh holy shit!) single channel video, 1 min 52 sec. ©2012, video still courtesy of the artist
Ach du heilige Scheiße (Oh holy shit!) single channel video, 1 min 52 sec. ©2012, video still courtesy of the artist

BODY / LANGUAGE – wrestling with gestures and words wird von Yvonne Scheja kuratiert und findet vom 30. – 31. Mai 2015 im centrum in Berlin statt.

  • Eröffnung mit Performances: 30. Mai, 19 Uhr
  • Performances beginnen um 19.15 Uhr
  • Screening und Künstlergespräch: 31. Mai, 17 Uhr
  • Adresse: centrum Berlin, Reuterstr. 7-8, 12053 Berlin

BODY / LANGUAGE – wrestling with gestures and words – ein zweitägiges Projekt in Berlin von der Kunstnürnberg Autorin Yvonne Scheja, M. A.

Rizki Resa Utama, "Heute (Today), 26.06.2013", Performance Documentation, 2013, C-Print on Paper, Copyright beim Künstler
Rizki Resa Utama, „Heute (Today), 26.06.2013“, Performance Documentation, 2013, C-Print on Paper, Copyright beim Künstler

BODY / LANGUAGE – wrestling with gestures and words ist ein zweitägiges Projekt, das die Performance als künstlerisches Medium in den Fokus rückt. Dabei spiegelt der Titel zum einen wesentliche Komponenten performativer Werke wider, zum anderen die Kommunikationsmittel, die maßgeblich zu unserer Identitätsbildung beitragen: den Körper, die Sprache und die Körpersprache. Doch was passiert, wenn diese bewusst unterlaufen oder gestört werden oder es am Wissen bestimmter Codes und Rituale eines Kulturkreises mangelt, sodass eine Kommunikation nur eingeschränkt oder gar unmöglich wird?
Ausgehend von diesen Gedanken sind die Künstler Lucie Mercadal, kate hers RHEE und Rizki Resa Utama der Einladung gefolgt, sich am ersten Tag mit einer Performance dem vielschichtigen Begriff BODY / LANGUAGE anzunähern. Am zweiten Tag diskutieren die drei Künstler nach einem Screening jeweils einer ihrer Videoarbeiten gemeinsam über den „Kampf um Wörter und Gesten“.

In ihrer neusten Performance „1, 2, 3 – Liebelei“ spielt Lucie Mercadal mit der Erwartungshaltung von Kommunikationspartnern und konfrontiert sie bewusst mit diesen. So versucht sie per Mobiltelefon, einen poetischen Liebestext ihr unbekannten Personen vorzutragen. Die Reaktion dieser kann jedoch nur durch Mercadals eigener erahnt werden und bleibt dem Zuschauer verborgen. Dabei entpuppt sich die intime Geste einer Liebeserklärung als eine bewusst ironische Entmystifizierung einer klischeehaften Vorstellung romantischer Liebe, die aufgrund Mercadals französischen Akzents noch betont wird: Nicht einer bestimmten Person ist der Vortrag gewidmet, sondern unzählig vielen, die zufällig ausgewählt werden. Auch im Video „Kind regards“ (2012) mangelt es an einem bestimmten Adressaten. Mercadal steht am Straßenrand einer typisch amerikanischen Wüstenlandschaft und winkt unaufhörlich den vorbeifahrenden Autos, obwohl keiner der Insassen ihre Gebärde erwidert. Der Versuch einer Kommunikation läuft ins Leere und bekommt auf diese Weise etwas Absurdes.

kate-hers RHEE, 7 Drawings, 28 Kisses, performance ©2013 photo credit: Aleks Slota
kate-hers RHEE, 7 Drawings, 28 Kisses, performance ©2013 photo credit: Aleks Slota

In ihrem jüngsten performativen Werk „Asians are the new Jews“ (2015) setzt sich kate hers RHEE mit der Problematik von Asiaten und Juden als sogenannte Modellminderheiten in der Geschichte der USA auseinander. Zentrales Element ist der Monolog des Juden Shylock aus Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“ (1600), in dem er sowohl die Problematik des „Andersseins“ als auch der Integration thematisiert. RHEE rezitiert diesen auf Jiddisch und verweist so auf die Komplexität von gesellschaftlichen Rollenbildern. Wie häufig in ihren Arbeiten erfolgt dabei eine kritische Befragung des Begriffs Identität und vermittelt, dass Sprache nicht nur ein gesellschaftliches Bindeglied, sondern auch ein Trennungs- und Störungsfaktor sein kann. Bereits in „Ach du heilige Scheiße“ (2010) offenbart sich, wie Wörter auf negative Weise eine Gruppenzugehörigkeit definieren können: In diesem Karaoke-Video können deutsche Schimpfwörter erlernt werden.

Rizki Resa Utama geht in „Heute/Today“ (2013) der Frage nach, inwieweit die zeitgleiche Anwendung von mehreren Sprachen zu einer eigenen Ausdrucksweise führt, die durchsetzt ist von verschiedenen kulturellen Prägungen. So schreibt der Künstler bei dieser Performance seine Gedanken mit einer Hand auf Deutsch (die Sprache seines Wohnortes), mit der anderen auf Indonesisch (seiner Muttersprache) auf eine Tafel. Diese simultane Übertragung seiner Gefühle in Schriftform veranschaulicht die Überlappung beider Sprache in Utamas alltäglicher Anwendung. Trotz Rechtschreib- und Grammatikfehler offenbart sich aber auch, dass Sprache letzten Endes immer ein Hybrid persönlicher Interpretation ist. In dem Zwei-Kanal-Video „Kembali ke sekolah (Back to school)“ (2014) rückt die Idee des (Wieder-)Lernens einer Sprache ins Zentrum: Nachdem er für einige Jahre im Ausland gelebt hat versucht Utama mit Hilfe eines Pantomimen, sich seiner Muttersprache, dem Indonesischen, und dessen richtiger Verwendung erneut anzunähern.

Die beteiligten Künstler – BODY / LANGUAGE – wrestling with gestures and words in Berlin

Lucie Mercadal

Kind Regards  2013 | video performance - 3:00  loop - HD 1080p 16/9 - stereo sound, ©  Lucie Mercadal
Kind Regards 2013 | video performance – 3:00 loop – HD 1080p 16/9 – stereo sound, © Lucie Mercadal

Lucie Mercadal (*1987 in Besançon, Frankreich) lebt und arbeitet Braunschweig. Sie studierte von 2005 bis 2010 an der Ecole Nationale Supérieure d’Art de Dijon, Frankreich, und anschließend von 2011 bis 2013 an der HBK Braunschweig, wo sie auch Meisterschülerin bei Corinna Schnitt war. Neben ihrer ersten Einzelausstellung am Kunstverein Schwerin 2014 war sie an etlichen Gruppenausstellungen beteiligt: „Im Anfang ist das Spiel“, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden (2014), „The Logographers“, Contemporary Art Gallery, Opole, Polen, und bei der Wanderausstellung „Looking at the big sky“ des Goethe Instituts (2013-2017). Zudem wurden ihre Arbeiten auf verschiedenen Filmfesten gezeigt wie Traverse Video – Festival de vidéos actuelles et contemporaines, Toulouse, Frankreich (2015), oder den Flensburger Kurzfilmtage (2012).

kate hers RHEE

Ach du heilige Scheiße! (Oh holy shit) 2012 estherka
Ach du heilige Scheiße! (Oh holy shit) 2012 estherka

kate hers RHEE (*o.A. in Seoul, Korea, aufgewachsen in den USA) lebt und arbeitet in Berlin. Sie erlangte ihren Bachelor of Fine Arts an der School of the Institute of Chicago bevor sie ihren Master in Fine Arts an der University of California absolvierte. kate hers RHEE hat bereits zahlreiche Stipendien und Preise erhalten, u.a. den 1. Preis des Visual Arts Competition Award, AHL Foundation in New York (2014), oder das New Media Residency Fellowship der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen (2013). Sie hat an verschiedenen Gruppenausstellungen teilgenommen wie „The Archive of Korean- American Artists, Part 3 / 2015“, Korean Cultural Service in New York City, „Food Waste Money“, Entretempo Kitchen Gallery, Berlin (2015), der „12×12 IBB-Videolounge“ in der Berlinischen Galerie (2014) sowie „Works on Paper,“ MOMENTUM während des Month of Performance Art, Berlin (2013).

Rizki Resa Utama

Rizki Resa Utama, "Heute (Today)", Performance Documentation, 2013, Video Still, Copyright beim Künstler
Rizki Resa Utama, „Heute (Today)“, Performance Documentation, 2013, Video Still, Copyright beim Künstler

Rizki Resa Utama (*1982 in Bandung, Indonesien) lebt und arbeitet in Braunschweig. 2006 schloss er seinen Bachelor of Arts in Kommunikationsdesign an der Padjajaran Universität, Bandung in Indonesien ab. 2013 erhielt er sein Diplom in Freier Kunst und 2014 war er Meisterschüler von Candice Breitz an der HBK Braunschweig. Er hat an Gruppenausstellungen wie „Not in Kansas anymore / Klasse Candice Breitz“ im Mönchehaus Goslar Museum (2015) oder „Between the lines“, Michaelis Gallery Cape Town, Südafrika (2013), teilgenommen und hatte Einzelpräsentation wie „re-“ im Kunstverein Junge Kunst, Wolfsburg (2015). Zudem wurden seine Arbeiten u.a. beim Visio – Lo schermo dell’arte film festival, Villa Romana, Florenz, Italien oder dem 25. Images Festival, Independent and experimental film and Video in Toronto, Kanada (2012), gezeigt.

Rizki Resa Utama, "Kembali ke Sekolah (Back to School)", 2- Channel Video Installation, 2014, Video Stills, Copyright beim Künstler
Rizki Resa Utama, „Kembali ke Sekolah (Back to School)“, 2- Channel Video Installation, 2014, Video Stills, Copyright beim Künstler

(Text: Yvonne Scheja, M. A.)

Hier können Sie einen Kommentar hinterlassen:

Please enter your comment!
Please enter your name here