Kunstnürnberg sprach mit dem Kölner Künstler Daniel Sabranski über Geisterfotografie, die Unsterblichkeit guter Ideen und seine neue Ausstellung Phenomena, die vom 26.11. bis 23.12.2017 im Kunstverein Kohlenhof e.V. in Nürnberg läuft.

Daniel Sabranski: Video, Fotografie, Collage, digitale Malerei

Kunstnürnberg: Vor 3 Jahren war im Rahmen des Projekts VIDEOworkCASE deine superspannende Videoprojektion „Kaleidoskop“ zu sehen. Die Arbeit hatte schon etwas Magisches und auch Rätselhaftes an sich. Deine Ausstellung im Kunstverein Kohlenhof Nürnberg e.V. trägt den Titel >Phenomena<. Um was geht es inhaltlich? Und wie kam es eigentlich zu dieser Themenwahl?

Daniel Sabranski: Das Magische und Rätselhafte interessiert mich schon lange. Bereits 2007, noch zu Studienzeiten an der Udk in Berlin, habe ich begonnen mich mit dem Thema der Geister-Fotografie zu beschäftigten. Die Geister-Fotografie bzw. das fotografische Festhalten von Erscheinungen oder sogenannter „Phenomena’s“ hatte ihre Blütezeit als die Fotografie gerade erfunden, und somit ihre technische Manipulierbarkeit nicht jedermann bekannt war. Mit einfachsten Mitteln wie z.B. bemalten Gazen, unscharf aufgenommen oder montierten Bildelementen oder Doppelbelichtungen wurde versucht Erscheinungen vorzutäuschen, die den Wunsch, verstorbenen Angehörigen nahe zu sein, erfüllen sollten.

Kunstnürnberg: Was hat Dich daran fasziniert?

Das Offensichtliche, Trickreiche und Absurde daran interessiert mich besonders -da doch in unserer heutigen, von manipulierten Bildern dominierten Welt, das Geheimnisvolle verloren gegangen zu sein scheint. Besonders bei fotografischen, zumeist digitalen Abbildern, wird ja die Authentizität in Frage gestellt und sollte auch vielmehr in Frage gestellt werden. Auf Grund dieser Überlegung habe ich meine eigenen Erscheinungen erschaffen und die Geisterfotografie sozusagen einem Update unterzogen. Die Video-Arbeit >Phenomena< 2017, die ich speziell für die gleichnamige Ausstellung produziert habe, ist auch ein gutes Beispiel für meine Art, die Idee der Flüchtigkeit der Seele zu visualisieren und soll als Einstimmung am Eingang zur Ausstellung fungieren.

Daniel Sabranski, Titelbild/Still aus dem Video Phenomena, 2017
Daniel Sabranski, Titelbild/Still aus dem Video Phenomena, 2017

Kunstnürnberg: Die neue Videoarbeit >Phenomena< ist in Kooperation mit Michael Blendow and Thomas Warham entstanden. Man sieht ineinanderfließende Farben und hört neben verschiedenen Geräuschen wie fließende, gluckernde Flüssigkeit, eine Stimme (Thomas Warham?). Sie spricht in einem ganz bestimmten Klang in englischer Sprache über die Existenz des Göttlichen. Stammt der Text von Dir?

Daniel Sabranski: Der Text welcher in der Tat von dem in London beheimateten Grafiker und Performer Thomas Warham interpretiert wird, basiert auf den Erfahrungsberichten von Nahtot-Patienten, die ich bei meinen Recherchen im Internet fand. Als Kameramann und Cutter hat Michael Blendow, Art Direktor aus Köln, zusammen mit mir versucht den Text zu visualisieren ohne ihn zugleich zu illustrieren. >Phenomena< handelt unter anderem von der Untrennbarkeit aller Dinge und Lebewesen.

Daniel Sabranski, Epena, Collage, 2016, 25x20 cm
Daniel Sabranski, Epena, Collage, 2016, 25×20 cm


Kunstnürnberg: Man wird als Betrachter sogartig angezogen, ins Bild hineingezogen, vielleicht gerade deshalb, weil spürbar ist, dass es um ein existentielles Thema geht, um Schöpfung, Leben und Tod. Du sagtest, dass Du die Geisterfotografie sozusagen einem Update unterzogen hast, ein Beispiel?

Daniel Sabranski: Die Arbeit Erscheinungen auf der Treppe 2017, ist ein direkter Versuch eine solche alte Geister-Fotografie nachzuempfinden. Jedoch anders als bei dem Baryte-Abzug von 2007 spiele ich hier nicht das Medium bzw. die Medien, sondern werde selber zum Geist.

Kunstnürnberg: Bereits in Deinen früheren Video- und Foto-Arbeiten wie Homo-Holon, bist Du selbst, bzw. Dein Körper ein Motiv in Deiner Kunst, ähnlich einem Musiker auf der Bühne, der sich immer wieder neu erfindet wie David Bowie. Du sagtest, Du wirst im Bild selbst zum Geist, wie kann man sich das formal vorstellen?

Daniel Sabranski: Mein eigener Körper ist für mich, genau wie vieles was mich täglich umgibt oder interessiert, Material zur Bildfindung. Es geht mir nicht darum ein Image oder gar mich selbst immer wieder neu zu erfinden. In der Fotografie Erscheinung auf Treppe werden die multiplen Abdrücke meines Gesichtes durch das Verschmelzen mit der Aufnahme einer Treppe zum Zitat eines historischen Geisterfotos.

Kunstnürnberg: „Zitate“ spielen in Deinen Arbeiten immer wieder eine Rolle. Auch in den Collagen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Eine große Auswahl davon ist ebenfalls in der Ausstellung im Kunstverein Kohlenhof zu sehen. Es finden sich Verweise zu Piranesi, Memphis oder Picasso. Die Collage ist eine Deiner bevorzugten Arbeitsweisen. Was reizt Dich an dem Medium besonders?

Daniel Sabranski: Einer der Hauptgründe ist nicht zuletzt die in unserem Zeitalter nahezu unbegrenzte Manipulierbarkeit digitaler Bilder. Deren ständige Präsenz bei gleichzeitiger Flüchtigkeit lässt die analoge Fotomontage, bzw. Fotocollage mit ihrer quasi archaischen Handwerklichkeit für mich als eine besonders reizvolle künstlerische Form erscheinen.

Daniel Sabranski, An Idea of Beauty, 2016, Collage,40 cm x 30 cm
Daniel Sabranski, An Idea of Beauty, 2016, Collage,40 cm x 30 cm

Kunstnürnberg: Und wo findest Du das Ausgangsmaterial für Deine Collagen?

Daniel Sabranski: das Ausgangsmaterial finde ich in Publikationen aller Art und aus den unterschiedlichsten Epochen. Sie stammen einerseits aus dem Material was andere wegwerfen oder auch aus öffentlichen Bücherschränken, oft auch von Floh- oder Büchermärkten. Mich interessiert dabei das Zusammenführen ganz verschiedener Bildinhalte und Texturen zu einer neuen Komposition. Die bildnerischen Fragmente ordne ich häufig zu optischen Analogien an und flechte dabei spielerisch auch mal Kunst-oder kulturgeschichtliche Versatzstücke mit ein. So entstehen absichtsvolle Irritationen zwischen Ähnlichkeit und Verschiedenheit zwischen bereits Bekanntem und Unbekanntem.

Daniel Sabranski, Shift, 2016, Collage, 40 cm x 20 cm
Daniel Sabranski, Shift, 2016, Collage, 40 cm x 20 cm

Kunstnürnberg:. Das macht die Arbeiten letztlich ja auch so spannend. Brandneu und in diesem Jahr entstanden, ist die Werkreihe „Deconstruction“.Du experimentierst neuerdings auch mit Programmen, so dass sozusagen ganz eigenwillige digitale abstrakte Malerei entsteht. Wie kam es dazu?

Daniel Sabranski: Bei dem Ausgangsmaterial für die 8 teilige Werkgruppe Deconstructions handelt es sich um Fotografien unterschiedlicher Herkunft. Mit Hilfe eines speziell in Zusammenarbeit mit mir entwickelten Programms habe ich diese Bilder so in ihre Bestandteile zerlegt und anschließend per Zufall neu zusammen gefügt, dass sie die Anmutung von informeller Malerei bekommen.

Daniel Sabranski, Deconstruction 16, 2017, Lichtpause, 80 cm x 60 cm
Daniel Sabranski, Deconstruction 16, 2017, Lichtpause, 80 cm x 60 cm

Kunstnürnberg:. Und bei „The Wave“, das ist eine ähnliche, neue Reihe, die auf einem Programm basiert?

Daniel Sabranski: Bei der Serie „The Wave“ bin ich ähnlich vorgegangen. Nur in diesem Fall habe ich mit Farbverschiebungen gearbeitet.

Kunstnürnberg:. Als Frage zum Schluss: Wenn Du Deine Arbeit auf einen Nenner bringen müsstest, was würdest Du sagen, worum geht Dir im Allgemeinen bei Deiner Kunst?

Daniel Sabranski: Mir geht es darum, gefundenes und angeeignetes, ganz verschiedenartiges Material auf alchemistische Art und Weise zu neuer Bedeutung innerhalb eines anderen bildnerischen Kontextes zu verhelfen. So entsteht eine ganz persönliche Ikonographie in deren Mittelpunkt die Transformation als ein wiederkehrendes Motiv steht. Mich interessieren übergeordnete Themen wie Schöpfung und Utopie, aber auch Sexualität und Vergänglichkeit. Im Schaffensprozess vertraulich letztlich stärker auf die Unsterblichkeit einer guten bildnerischen Idee als auf ihre kunsthistorische oder kulturelle Bedeutung.

Kunstnürnberg: Was für ein schöner Schlusssatz! Herzlichen Dank für das Interview!

Das Interview führte die Kunsthistorikerin Eva Schickler M.A. für Kunstnürnberg.

 

>>> Mehr Infos zur Ausstellung im Kunstnürnberg Kalender

 

 

Daniel Sabranski, Deconstruction, 16 2017, Lichtpause, 80x60 cm
Daniel Sabranski, Deconstruction, 16 2017, Lichtpause, 80×60 cm

Infobox zur Ausstellung

  • VERNISSAGE:  Samstag, 25. November 19 Uhr, 19.00 Uhr
  • AUSSTELLUNGSDAUER:  26. November –  23. Dezember 2017
  • ÖFFNUNGSZEITEN:  Do, Fr, Sa 14.00 – 19.00 Uhr
  • ORT: Kunstverein Kohlenhof Nürnberg e.V., am Germanischen Nationalmuseum, Grasersgasse 15/21, 90402 Nürnberg
  • Eintritt frei!

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