Das Wort wird Bild in der Kunst Galerie Fürth

Benjamin Zuber: hoc est corpus meus, 2014, (Still) Videoarbeit. Foto © privat
Benjamin Zuber: hoc est corpus meus, 2014, (Still) Videoarbeit. Foto © privat

Die Kunst Galerie Fürth eröffnet das Ausstellungsjahr 2015 mit der Gruppenausstellung „Das Wort wird Bild„.

  • Vernissage: 18. Januar 2015, 11 Uhr
  • Ausstellungsdauer: 18. Januar 2015 bis 1. März 2015
  • Adresse: kunst galerie fürth, Königsplatz 1, 90762 Fürth
  • Öffnungszeiten: Mittwoch – Samstag: 13-18 Uhr, Sonntag und Feiertage: 11-17 Uhr, Montag und Dienstag (auch an Feiertagen) geschlossen
  • Webseite
Kathrin Hausel: where art thou 2, 2014, Foto: © privat
Kathrin Hausel:
where art thou 2,
2014, Foto: © privat

Gruppenausstellung das Wort wird Bild in der Kunst Galerie Fürth

Aus Anlass des bevorstehenden Gedenkens an 500 Jahre Reformation und unter dem Motto „Bild und Bibel“ zeigt die städtische Kunsthalle eine Ausstellung über das Verhältnis von Wort und Bild und Wort im Bild. Eingeladen wurden KünstlerInnen, die grundsätzlich oder gelegentlich Schrift in ihren Werken verwenden.

Schrift im Bild beschwört den Augenblick herauf, in dem Inhalt sichtbar wird, und sie verweist auf die nicht-künstlerische Umwelt.

Da es für die Auseinandersetzung mit der evangelisch-lutherischen Theologie letztlich nur die Sprache als Ort gibt, und da eine der unstrittigsten Leistungen der Reformation ihre Einwirkung auf die Entwicklung der deutschen Sprache war, erscheinen Kunstwerke, die mit Schrift arbeiten, besonders geeignet für die Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens heute, ja mit der Frage nach dem Bild des Glaubens als solchem.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler

  • Ute Bernhard, Koblenz
  • Kathrin Hausel, Fürth
  • Sarah Erath, Nürnberg
  • Jochen Flinzer, Hamburg/Nürnberg
  • Vollrad Kutscher, Frankfurt a.M.
  • Dietmar Pfister, Nürnberg
  • Ana Luisa Ribeiro, Köln
  • Linda Schwarz, Homburg a.M.
  • Julian Vogel, Nürnberg
  • Benjamin Zuber, München
Sarah Erath, „Ich bin da“, 2014, MdF, Lack, Laserschnitt, 42 x 29,7 cm
Sarah Erath, „Ich bin da“, 2014, MdF, Lack, Laserschnitt, 42 x 29,7 cm

Vor 500 Jahren wandelte sich die Bedeutung der Bilder, die zunehmend weniger die gottesdienstliche Liturgie unterstützten, sondern stattdessen mehr und mehr als Möglichkeitsraum verstanden wurden.

So darf der Besucher der Ausstellung selbstverständlich keine sakrale Kunst erwarten, keine religiöse Kunst (was immer das überhaupt sein mag).

Aber er kann vielleicht über die Ausstellung einen anderen Zugang zur Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten finden.

Lange Zeit waren Bild und Schrift getrennt. Cézanne warnte die Maler vor der Neigung zum Literarischen und forderte daher, die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel zu behandeln.

Folgerichtig lehnten die Impressionisten literarische Bezüge als das Außerkünstlerische schlechthin ab. Sie suchten die Begründung für das Bild ausschließlich im Sehen.

Aber alle Grenzüberschreitungen, alle Avantgarden der Bildenden Kunst als Folge der Krise des Wirklichkeitsverständnisses verwendeten spätestens seit den 1920er Jahren wieder Sprache.

Von der Poesie (Baudelaire, Mallarmé) hatte die Bildende Kunst gelernt, das eigene Medium und dessen Grenzen mitzudenken. Im Kubismus und im Dadaismus beginnt der Prozess, sich alle Kunstmittel für die Bildende Kunst verfügbar zu machen.

Der Surrealismus war anfangs eine literarische Bewegung. Bei Jackson Pollock assoziiert man das Schreiben als Rhythmus. Cy Twombly pflegte skripturale Malerei. Und die Konzeptkunst teilt in erster Linie Ideen über Kunst als Kunst mit (schon deren Vaterfigur Marcel Duchamps sagte, er sei an Ideen interessiert und nicht bloß an visuellen Produkten).

Was für alle Beispiele gilt: Ob lesbar oder nur als Geste – Schrift beschwört den Augenblick herauf, in dem Inhalt sichtbar wird, und sie verweist auf die nicht-künstlerische Umwelt.

Dietmar Pfister hat für die Ausstellung eine vierteilige Bildwand in skripturaler Malerei geschaffen, für die er Autographen von Luther verwendet hat. Sorgfältig ausgewählte Wendungen mit vielfältigen Anspielungen treten dem Betrachter als ein freundliches Menetekel entgegen.

Die Malerin Kathrin Hausel hat das Motiv der Vertreibung aus dem Paradies gewählt. Auf zwei Tafeln, so als kündige sich damit auch bereits die Entfremdung des Paares an, stellt sie die Frage „Bruder, wo bist du?“. Die Problematik von Flucht und Vertreibung ist virulent.

Nur Schrift, die jedoch als Bild, verwendet Sarah Erath. Der Bibelkundige wird das „Ich bin da“, das ihm als Stück konkrete Kunst entgegentritt, leicht als Übersetzung des Namens Jahwe lesen.

Interview mit Sarah Erath hier lesen.

Jochen Flinzer: Die Vorhäute der Philister, 2014 (Vorderseite) Papier, Seidenfaden, 5-teilige Arbeit, Foto: © privat
Jochen Flinzer: Die Vorhäute der Philister,
2014 (Vorderseite) Papier, Seidenfaden, 5-teilige Arbeit, Foto: © privat

Mit Humor und Ironie hat Jochen Flinzer eine Stelle aus dem Alten Testament gewählt, die er als Stick-Bild ausgeführt hat, das natürlich zwei Seiten hat, eine lesbare und eine völlig abstrakte.

Die Auswahl der Bibelstelle einzig als etwas Skurriles und von unserer Wirklichkeit Entferntes zu interpretieren, hieße seine Intellektualität zu unterschätzen. Möglich sind Assoziationen zur Beschneidungsdebatte bis hin zur Frage von Kirche und Homosexualität.

Ute Bernhard hat in ihrer Arbeitsweise unverkennbare Züge eremitischer Buchmalerei. Wir denken nicht nur an Innerlichkeit und Versenkung, wir müssen beides praktizieren, um teilhaben zu können an diesem bildgewordenen inneren Monolog. Der Text – deutsch und englisch – ist gespiegelt und in der vertikalen Darbietung ein Stück visuelle Poesie.

Ute Bernhard, „one by one the words find a home in my heart“, 2014, 36 Würfel, Acryl auf Holz (Schrift ), 200 x 150 x 150 cm
Ute Bernhard, „one by one the words find a home in my heart“, 2014, 36 Würfel, Acryl auf Holz (Schrift ), 200 x 150 x 150 cm

Ana Luisa Ribeiro geht in ihrer Arbeit häufig von schönen Büchern, auch von mittelalterlicher Buchmalerei aus. Die Bildsequenz spannt einen Bogen über die Zeit, der sprechende Titel „Book of (H)Ours“ tut ein Übriges: Stundenbuch ist immer Buch über den Schreiber und über den Leser, die sich meditativ begegnen.

Der Pfarrersohn Vollrad Kutscher wandte sich der Bildenden Kunst zu, weil er der Sprache (allein) misstraute. Sein komplexer Beitrag spielt vordergründig auf den NS-Philosophen Martin Heidegger an, aber zum „WortBruch“ kommt es ständig. Die Kirchen sind nicht frei davon.

Spielerischer tritt uns die Sprache als Steinbruch in allen Collagen von Linda Schwarz entgegen. Sie ist wortschöpferisch, wie es einst Martin Luther sein musste bei seiner Bibelübersetzung.

Der Street Artist Julian Vogel interpretiert den Dreisatz Glaube-Liebe-Hoffnung durch seine visuelle Aktualisierung neu, wirft ihn quasi an die Wand als ein Statement der jüngsten Generation: ein die Generationen verbindender Bilder-Rap.

Benjamin Zuber: hoc est corpus meus, 2014, (Still) Videoarbeit. Foto © privat
Benjamin Zuber: hoc est corpus meus, 2014, (Still) Videoarbeit. Foto © privat

Dass in dem Video von Benjamin Zuber Sprache als Sprache, nicht vorrangig als Schrift vorkommt, erscheint für das Medium beinahe zwingend. Er zeigt uns mit irritierenden Bildern die Auseinandersetzung eines jungen Künstlers mit der Religion. Aber er gibt keine Antworten, nimmt nicht Stellung, sondern belässt es bei der Demonstration der Auseinandersetzung als solcher.

(Pressemitteilung der Kunst Galerie Fürth, Text Hans-Peter Miksch)

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