Gerhard Hotter in Schwabach

Der Künstler Gerhard Hotter macht Konkrete Kunst und kommt aus Nürnberg
Gerhard Hotter, Foto: Robert Schmitt

Der Künstler Gerhard Hotter stellt derzeit in der Städtischen Galerie in Schwabach aus. Die Ausstellung „Begrenzt – Unbegrenzt“ zeigt Konkrete Kunst, die auf mathematische Strukturen zurückgreift.

Der Künstler Gerhard Hotter macht Konkrete Kunst und kommt aus Nürnberg
Gerhard Hotter, Foto: Robert Schmitt

Die Konkrete Kunst des Nürnberger Künstlers Gerhard Hotter

Die Konkrete Kunst beruht auf geometrischer Formsprache und mathematischer Systematik. Sie konzentriert sich ausschließlich auf die Form, die in perfekter Technik erscheinen soll, und auf die Farbe, die für sich selbst steht ohne emotionalen Hintergrund.

Am 23.01.2015 begann in der Städtischen Galerie im Bürgerhaus die Ausstellung des Nürnberger Malers, der für umfangreiche und vielschichtige Bildwerke konkreter Kunst auf mathematische Strukturen zurückgreift. Weltweit ist Gerhard Hotter der einzige Maler, der Langfordschen Zahlenreihen Form und Farbe gibt.

„Rhythmisierungen, Überlagerungen und Farbgeflechte öffnen den Blick auf eine klare Schönheit der Mathematik und kreieren einen meditativen Gegenpol zur immer deutlicher wahrgenommen Flüchtigkeit des täglichen Lebens.“

So beschreibt Hotter selbst die Essenz seiner Bilder, hinter denen sich ein mathematisches Verfahren verbirgt, das er in geometrischen Reihungen und Formen erfahrbar macht.

Farbe ist in diesen Werken gegen die klassische Forderung der Konkreten Kunst emotionale Basis und kann Tagesform und Laune des Künstlers ausdrücken. Bis zu einem gewissen Grad kann man dabei also von einer expressionistischen Äußerung sprechen. Hotters Farbigkeit besetzt eine mächtige Position in den gezeigten Werken.

Grundlage der Kombination von Quadraten oder Rechtecken ist das so genannte Langford-System, ein System, das einfach scheint, jedoch so komplex ist, dass es die Mathematiker noch nicht komplett bewiesen haben und sich daran die Zähne ausbeißen.

Alle Verbindungen der Ziffern eins bis x funktionieren nicht. Es scheinen begrenzte Zahlenreihen zu sein, die bis dato nicht in eine Formel gepackt werden konnten. Die einfachste Langford-Reihe sei kurz vorgestellt: Es sind die Zahlen eins bis drei.

Die Eins bedingt eine Zahl zwischen ihr und der nächsten Eins. Die Zwei bedingt, dass zwei Zahlen zwischen ihr und der nächsten Zwei stehen sollen, so stehen also zwischen zwei Dreien je drei Zahlen. Daraus entsteht „231213“.

Es mag kompliziert klingen, diese Ordnung findet jedoch in der Kunst Hotters eine verblüffende Vielfalt an Ausdrucksformen. Der 60-jährige hat damit ein neues Spielfeld eröffnet, um systematisch zu einer möglichst großen Varianz von Farb-Form-Konstellationen zu kommen.

Das Langford-System liegt allen ausgestellten Werken zugrunde, egal ob Hotter nun im Allover arbeitet oder eine freistehende Form behandelt. Ihm ist es allerdings nicht wichtig, dass ein Betrachter sein System dekodiert, sondern viel wichtiger ist ihm, dass die Ästhetik seiner Formen und Farben gefällt.

Nicht mehr und nicht weniger. Seine Werke funktionieren im Kleinen wie auch im Großen. Sicherlich liegt dies an der simplen, konkreten Formgabe und den kräftigen Farben.

Auffallend ist, dass der rechteckige Bildträger systemisch das Quadrat als Modul bedingt und der quadratische Bildträger das Rechteck. Aus einem kleinen Modul können horizontale, vertikale oder auch diagonale Verbindungen werden. Es entstehen an Architektur erinnernde grundriss- oder stadtplanartige Formen, in denen das einzelne Modul nach dem System vervielfacht, jedoch nicht einzeln hervorgehoben wird.

© Gerhard Hotter
© Gerhard Hotter

In welcher Weise, in welchen Proportionen und Verknüpfungen mit weiteren Spielregeln das Prinzip der Langford-Reihen angewendet wird, unterliegt Hotters individuellem Willen.

In Verbindung mit Hell-Dunkel-Werten holt er aus den Farben verblüffende räumliche Effekt heraus, die den Betrachter in verschiedene Wahrnehmungsebenen führen.

Man kann einerseits illusionistische Erhebungen und Vertiefungen erkennen, aber auch Zusammenschlüsse von bänderartigen Elementen, die vor einem Farbraum zu schweben scheinen.

Die Allovers, das heißt Bilder, die in einer kompletten Abfolge des Formsystems über und über gefüllt sind, spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters. Das irritierte Auge hat wahrlich viel zu tun.

Trotzdem keine Gegenstände erkennbar sind, findet unser Gehirn immer neue strukturelle Zusammenhänge in diesen Werken, die aus der zweiten Dimension hinaus, hinein in die Räumlichkeit gelangen möchten.

Die Sprache der Binnenformen erinnert an die Tradition von Vexierbildern, die bei der ersten Betrachtung eindeutige Abbildungen zeigen, beim zweiten Blick jedoch eine darüberliegende Darstellung mit erweiterter Bedeutung tragen.

Gerhard Hotter ist ein weltweit gefragter Künstler. Er hat bereits in Frankreich, Polen, Italien, Belgien und China ausgestellt.

Augenblicklich bereitet er eine Werkschau für Australien vor.

In der Städtischen Galerie im Bürgerhaus Schwabachs ist er nun bis 22. Februar 2015 zu sehen.

Text von Robert Schmitt

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