Jasmin Schmidt im Interview

Jasmin Schmidt, die Kuratorin von BEAST 2012 auf AEG © Alexander Racz, Kunstnürnberg
Jasmin Schmidt, die Kuratorin von BEAST 2012 auf AEG © Alexander Racz, Kunstnürnberg

Jasmin Schmidt studiert im zehnten Semester Malerei in der Klasse von Prof. Thomas Hartmann an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Sie ist Chefkuratorin der Veranstaltung BEAST2012, die auf dem ehemaligen AEG-Gelände (Halle 18) in Nürnberg am 22. September 2012 eröffnet.

Jasmin Schmidt – Die Kuratorin von BEAST2012 im Interview mit Kunstnürnberg

Jasmin Schmidt auf AEG ©Alexander Racz
Jasmin Schmidt auf AEG © Alexander Racz

Kunstnürnberg: Was steckt hinter dem Konzept BEAST?

Jasmin Schmidt: BEAST paart ein Ausstellungskonzept mit einem Veranstaltungskonzept, das einen Festivalcharakter vermitteln soll, wobei jedes Jahr andere Künstlerinnen und Künstler teilnehmen. Außerdem kann BEAST wandern, das heißt die Ausstellungsräumlichkeiten ändern sich von Jahr zu Jahr. Zudem wird BEAST von Studenten der AdBK Nürnberg organisiert.

Kunstnürnberg: Welche Unterschiede bestehen zwischen B:east2011 und dem diesjährigen BEAST Auf AEG?

Jasmin Schmidt: Zunächst einmal ist die diesjährige Ausstellungsfläche (12.000m2) auf dem ehemaligen AEG-Gelände viermal so groß wie 2011 im Nordostpark Nürnberg. BEAST lokalisiert nicht mehr im Osten – daher auch der ehemalige Name B:EAST – sondern ist auf die andere Stadtseite umgezogen.

Außerdem hat sich die Teilnehmergruppe gewandelt und erweitert. 2011 stellten ausschließlich Studenten und Alumni der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg aus. Dieses Jahr zeigen wir hingegen Studenten von einer Vielzahl an Hochschulen aus ganz Deutschland, gemäß unserem eigenen Status, da wir (das Kuratorenteam) alle noch studieren. Von den insgesamt 23 Akademien Deutschlands sind 19 nun auf BEAST 2012 vertreten.

Kunstnürnberg: Wie viele Künstler stellen aus?

Jasmin Schmidt: Insgesamt sollten 76 Künstlerinnen und Künstler ausstellen, wobei im Vorfeld leider zwei ihre Teilnahme zurückgezogen haben. Diese 76 wurden aus über 200 Bewerbern ausgewählt. Hinzu kommen noch 20 weitere Künstler die im Abendprogramm und Begleitprogramm ihr Können zu Beweis stellen.

Kunstnürnberg: Wer hatte die Idee zu BEAST? Gab es einen Initiator, der das Konzept BEAST an euch, die Studenten der AdBK Nürnberg, weitergereicht hat?

Jasmin Schmidt: die Idee hatte ich. 2011 bekam ich durch unseren Fachlehrer Rainer Funke [Werkstattleiter Malerei der AdBK Nürnberg, Anm. A. R.] einen Kontakt zu jemanden, der Immobilien zum Zweck vergibt, diese mit kulturellen Veranstaltungen zu füllen und damit deren Attraktivität zu steigern. Nachdem ich über die Hallen im Nordostpark verfügte, stand die Frage der Nutzung im Raum. Da eine reine Klassenausstellung den großen Räumen nicht gerecht werden konnte, trommelte ich interessierte Kommilitonen zusammen. So entwickelte sich das BEAST-Team.

Kunstnürnberg: Wie groß ist dein Team und nach welchen Kriterien hast du es zusammengestellt?

Jasmin Schmidt: Unser Team besteht, je nachdem, aus sieben bis zehn Studenten. Da gibt es Leute die koordinieren, Leute fürs eher grobe und Leute für die graphische Gestaltung, die alle – unentgeltlich – mit anpacken. Ich suchte explizit nach engagierten Leuten an der AdBK, aus den verschiedenen Arbeitsrichtungen Malerei, Bildhauerei, Videokunst, etc., die sich für die Idee begeistern konnten, eine Vielzahl an Studenten außerhalb der AdBK auszustellen.

Kunstnürnberg: Die Künstler überschreiten somit ihre Berufsgrenze und werden zu Kuratoren.

Jasmin Schmidt: Wir sehen uns weniger als Kuratoren, sondern machen einfach nur ein Angebot. Natürlich wählen wir Arbeiten aus, die gezeigt werden sollen. Die Entscheidungen, die wir hierbei treffen sind möglicherweise deshalb weniger neutral und in höherem Grade von den eigenen Vorstellungen gefärbt, als es bei unabhängigen Kuratoren der Fall ist.

Kunstnürnberg: Nach welchen Kriterien wurden 2012 die teilnehmenden Künstler ausgewählt?

Jasmin Schmidt: Die Juryphase hat insgesamt drei Wochen gedauert, wobei wir die eingereichten Arbeiten zunächst grob danach sortiert haben, ob sie uns auf irgendeine Weise ansprechen, ob sie vertretbar sind, oder nicht. Wie schon im letzten Jahr wurden hierbei Werke am Schluss doch aufgenommen, die anfangs schon selektiert worden waren. Andererseits flogen auch Arbeiten raus, die zunächst das Prädikat „super“ erhielten, aber dann doch nicht in den Gesamtzusammenhang passten.

Kunstnürnberg: Welchen Gesamtzusammenhang genau?

Jasmin Schmidt: Manche Arbeiten harmonierten einfach nicht im Raum und mit den darin bereits vorgesehen Werken. Wir stellten uns Fragen wie „kann die Arbeit hier überhaupt bestehen oder wird sie untergehen?“. Die Schwierigkeit bestand darin, dass wir nur Abbildungen und auch zum Teil bloße Ideenskizzen zu Verfügung hatten. Letztendlich haben wir uns darauf eingelassen und Vergleiche mit den eingeschickten Portfolios der Künstler angestellt, um aus diesen kleinen Einzelinformationen ein möglichst großes Gesamtbild vor unserem inneren Auge entstehen zu lassen.

Kunstnürnberg: Welche Rolle und Qualität haben die Räumlichkeiten auf dem AEG-Gelände?

Jasmin Schmidt: Die Besonderheit der Hallen und Räume ist ihre unterschiedliche bauliche Gestalt und die Tatsache, dass sie nicht als Ausstellungsflächen konzipiert worden sind. Wir haben hier keinen weißen Würfel vor uns, sondern belebte Strukturen, die viele Ansatzpunkte für genau auf die Räume abgestimmte Werke liefern. Industrielle Brachen als Ausstellungsräume zu verwenden ist heute nichts ungewöhnliches mehr und gilt als schick.

Doch im Unterschied dazu werden die Räume von BEAST nicht als bloße „coole“ Hülle verwendet, in die jeder Künstler seine fertigen Arbeiten einliefert und aufbaut. Den AEG Räumen, mit ihren verschiedenen Herausforderungen, soll von den Künstlern mit dem Risiko begegnet werden, eventuell auch zu scheitern, um etwas zu schaffen, was mehr auszusagen hat als „sieht doch ganz gut aus vor dieser rohen Wand“. Wir wünschen uns einen hohen Grad an Auseinandersetzung der Künstler mit dem Raum.

Kunstnürnberg: Hatten Sie den Eindruck, dass die Künstler den großen Platz, der ihnen zur Verfügung stand, auch ausgenutzt haben?

Jasmin Schmidt: Weniger. Manche hatte ganz sensible Ansätze die Fläche zu nutzten, was ich persönlich gut fand. Die Wenigsten sind mit viel Masse aufgefahren und haben sich gesagt, ich muss jetzt hier alles vollklotzen. Sicherlich hätte auch jemand mit dem richtigen Konzept eine gesamte Etage für sich beanspruchen können, doch dazu ist es schließlich nicht gekommen.

Kunstnürnberg: Sie unterteilen BEAST2012 in Veranstaltungen und die Ausstellung?

Die Veranstaltungen finden abends im Erdgeschoss statt, während in den oberen Etagen die Ausstellungsräumen mit den festen künstlerischen Arbeiten verortet sind. Die Veranstaltungen setzten sich aus Konzerten und Performances (die teilweise auch tagsüber in den Ausstellungsräumen stattfinden) zusammen. Die Konzerte auf den Abend zu legen ist eher eine logistische Trennung.

Kunstnürnberg: Hier kommt der Festivalcharakter von BEAST2012 durch.

Jasmin Schmidt: Ja genau! Wir wollen den Besuchern die Möglichkeit bieten hier einen ganzen Tag zu verbringen, wie auf einem Festival. Man kann die Ausstellungsräume mit ihren Arbeiten erkunden, zwischendurch ins Kaffee gehen, und den Tag am Abend mit ein paar Bieren und Musik ausklingen lassen.

Kunstnürnberg: Was wird für das Abendprogramm am Tage der Vernissage alles aufgefahren?

Jasmin Schmidt: Neben interessanter und experimenteller Musik, finden inszenierte Performances statt, die eine Art Bühnenraum fordern. Ab spätere Stunde kann man dann zu rhythmischen Beats von DJ-Sets tanzen.

Kunstnürnberg: BEAST2012 eröffnet im Rahmen von OFFEN Auf AEG 2012 (22. / 23. September 2012). Seht ihr euch hier in starker Konkurrenz zu den anderen Veranstaltungen wie Parcours II oder den Offenen Ateliers?

Jasmin Schmidt: Es war von Anfang an unsere Intention hier mit zu eröffnen und uns in diesem Zeitfenster zu bewegen. Wir wurden eingeladen bei OFFEN Auf AEG teilzunehmen und sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Teil dieser großen Veranstaltung. Als dieser Teil findet bei uns in Halle 18 auch am 22. September die offizielle Eröffnungsparty der Gesamtveranstaltung statt. Da lohnt es sich auf jeden Fall auch bei uns vorbeizuschauen.

Kunstnürnberg: Welches Rahmenprogramm wird den Besuchern im Laufe der Ausstellungsdauer, also nach dem Eröffnungstag, geboten?

Jasmin Schmidt: Wir bieten am Vernissagewochenende (22./23.09.2012) und am Finissagewochenende (05./07.10.2012) ein Begleitprogramm aus Lesungen, Jazz, Filmvorführungen und Filmperformanzen. Die Ausstellung ist selbstverständlich auch unter der Woche geöffnet. Montag sind die Räume leider geschlossen.

Kunstnürnberg: Es wird ein Publikumspreis für einen Künstler verliehen. Wie und nach welchen Kriterien wird dieser Preis verliehen und von wem wird der Preis gestiftet?

Jasmin Schmidt: Der Preisgewinner wird per Abstimmung gewählt. Es wird ein kleines Beast, also Monster, wie eine Wahlurne am Eingang aufgestellt, in das die Besucher Zettel mit dem Namen ihres Favoriten werfen sollen. Den Preis stiften zu einer Hälfte BEAST und zur anderen die Besucher selbst. Wer also eine Stimme abgibt, stiftet dazu einen ihm angemessen erscheinenden Betrag. Am Ende bekommt der Gewinner das BEAST überreicht und kann es wie ein Sparschwein schlachten.

Kunstnürnberg bedankt sich für das ausführliche Interview!

Jasmin Schmidt: Vielen Dank. Man sieht sich dann bei der Eröffnung!

Das Interview führte Alexander Racz am 05.09.2012.

  • Öffnungszeiten: Vom 22.09.2012 bis zum 7.10.2012: Dienstag bis Donnerstag 14 – 19 Uhr, Freitag bis Sonntag 11 – 20 Uhr (Sa, 22.09. 11 – 20 Uhr, So, 23.09. 11 – 18 Uhr).

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