Julia Freisleben hat 2015 ihr Designstudium mit Schwerpunkt Illustration an der TH Nürnberg abgeschlossen und arbeitet seitdem als Illustratorin.

Julia Freisleben über ihre Illustrationen

Julia Freisleben: Guts 4, 2016
Julia Freisleben: Guts 4, 2016

Mein Medium ist die Aquarellmalerei. Diese zeichnet sich durch eine spontane Arbeitsweise aus, hat einen wie „hingeworfenen“ Charakter. Die Bilder sind nicht sorgfältig, Schritt für Schritt geplant und bis ins Detail vorgezeichnet.

Ein gewisser Kontrollverlust soll sichtbar sein, was auch die Aussage meiner Bilder wiederspiegelt. Bei der Aquarellmalerei, genauer gesagt bei der Nass-in-Nass-Technik, die ich anwende, entsteht Bewegung durch das Wasser, die Farbe verläuft fast unkontrollierbar. Nur das Wichtige, Wesentliche wird in seiner Form bestimmt, es ensteht also ein Zusammenspiel aus Kontrolle und Kontrollverlust gleichermaßen.

Thematisch beschäftige ich mich allgemein mit dem Menschen und seiner Psyche, mit seinen Instinkten, die Hauptthemen wechseln dabei phasenweise. Was die Bilder jedoch immer gemeinsam haben, ist das Symbolische, Metaphorische. Emotion und Intuition spielen eine große Rolle. Die kunterbunt-knallige Farbgebung steht dabei im Kontrast zur oft melancholischen oder unheimlichen Stimmung, was durchaus eine gewisse Irritation beim Betrachter hervorrufen soll.

Mit der Malerei versuche ich, den Zeitgeist zu verarbeiten, was untrennbar an mich als Privatperson geknüpft ist. Weil die Subjektivität hier eine so große Rolle spielt, müsste man eigentlich viel über mein Leben wissen, um zu verstehen, was mich antreibt. Privat erlebtes verarbeite ich in den Bildern ebenso, wie Themen, mit denen sich wohl die meisten Menschen, besonders Mittzwanziger, identifizieren können.

Lange Zeit habe ich mich mit soziokulturellen Themen beschäftigt, besonders im Bezug auf Jugendkultur, den Generationenwechsel und die Lebensrealität unserer Generation. Ich stelle Fragen wie: Was verändert sich in unserem Leben in dieser Zeit und warum? Was bewegt uns? Womit haben wir zu kämpfen? Aber ohne dabei selbstmitleidig oder fatalistisch zu sein. Im Gegenteil, ich feiere den Überlebenstrieb und rufe zur Unverwüstlichkeit auf.

Ebenfalls eines meiner Hauptmotive ist die Zerrissenheit des Menschen in seiner Persönlichkeit. Auf der einen Seite der bürgerlich-angepasste, auf der anderen Seite der instinkt- und triebgesteuerte, sozial- und kulturkritische Teil. Die Sehnsucht, diese beiden Aspekte konstruktiv zu vereinen, ist oft Gegenstand meiner Bilder.

Seit geraumer Zeit erkennt man in meinen Bildern eine innere Einkehr, einen „naiven“ Eskapismus. Die Motive handelten im letzten Jahr zunehmend vom Verlorensein in der technisch-rationalisierten, sich rasend verändernden Welt, und setzten dieser eine melancholische In-sich-Gekehrtheit als Ruhepol entgegen.

Bunte, wie märchenhaft verzauberte, surreale Welten, die bloß eins nicht abbilden wollen: Die Realität.

Häufig habe ich mich dort einer archaischen Symbolik bedient, stark durch den Katholizismus geprägt (diesen jedoch keinesfalls befürwortend), aber auch heidnischen Motiven, die ihren Ursprung noch weiter in der Vergangenheit haben.

Darin spiegelt sich die Sehnsucht nach Stabilität, Erklärbarkeit und Übersichtlichkeit in einer Zeit, in der nichts sicher ist, nicht einmal der Fortschritt. Gleichzeitig gebe ich diese Sehnsucht durch meine naive Darstellungsweise bewusst der Lächerlichkeit preis.

Der Zeitgeist ändert sich stetig, so auch meine Sicht auf die Dinge, und die Prioritäten die es zu setzen gilt. Mit dem Eskapismus wird es in meinen Motiven künftig wieder vorbei sein.

Julia Freisleben: Resignation, 2015
Julia Freisleben: Resignation, 2015
Julia Freisleben: Status, 2015
Julia Freisleben: Status, 2015
Julia Freisleben: The quick one, 2016
Julia Freisleben: The quick one, 2016
Julia Freisleben: Too close to see, 2016
Julia Freisleben: Too close to see, 2016
Julia Freisleben: Guts 5, 2016
Julia Freisleben: Guts 5, 2016
Julia Freisleben: Guts 3, 2016
Julia Freisleben: Guts 3, 2016
Julia Freisleben, Affe, 2016
Julia Freisleben, Affe, 2016
Julia Freisleben: Cornflower, 2016
Julia Freisleben: Cornflower, 2016
Julia Freisleben: Pick another one, 2016
Julia Freisleben: Pick another one, 2016
Julia Freisleben: Back to the wood, 2016
Julia Freisleben: Back to the woods, 2016

Vita

Julia Freisleben, Portrait
Julia Freisleben, Portrait

1989 geboren in München

2009 Abitur, Ostendorfer Gymnasium, Neumarkt i.d.OPf

2010-2015 Design-Studium mit Schwerpunkt Illustration an der TH Nürnberg

seit 2015 Freie Illustratorin

Ausstellungen

2011 Designer‘s Night, TH Nürnberg

2014 Illustrationsausstellung; TH Nürnberg

2014 SupermART; Quelle-Areal; Nürnberg

2014 Stadt.Land.Wand.; Auf AEG; Nürnberg

2014 Sommerkollektion; Quelle-Areal; Nürnberg

2015 SupermART; Quelle-Areal; Nürnberg

2015 Werkschau der Design-Absolventen; TH Nürnberg

2015 ConsumART – Kunstmesse Nürnberg

2015  Antik- und Schmuckmarkt; Hanauer Halle; Neumarkt i.d.OPf.

2016  Schwarzmarkt; Parks; Nürnberg

2016 Solo-Ausstellung; Anderland; Nürnberg

2016 Kunstvoll; Kulturzentrum E-Werk; Erlangen

2016 StijlMarkt; Auf AEG; Nürnberg

2016 Schwarzmarkt; Z-Bau; Nürnberg

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