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Benjamin Houlihan – Salad Days in der Kunsthalle Nürnberg

1. Juni bis 13. August

Benjamin Houlihan, o.T., 2017 Tinte, Lack auf Wand und Boden/ink, lacquer on wall and ground thin piano, 2014 Tinte, Lack auf Klavier, geschliffen/ink, lacquer on sanded piano Nürnberg; Courtesy der Künstler/the artist und/and Thomas Rehbein Galerie, Köln/Cologne; Foto/photo: Annette Kradisch

Die Ausstellung Salad Days des Künstlers Benjamin Houlihan ist vom 1.6.–13.8.2017 in der Kunsthalle Nürnberg beheimatet und lädt zum Besuch ein.

Cleaning agent, 2017 Bbb (big busty butterfly), 2017 Tusche auf Paper/ink on paper, je 170 x 130 cm Courtesy der Künstler/the artist, Thomas Rehbein Galerie Foto/photo: Annette Kradisch, Nürnberg
Cleaning agent, 2017, Bbb (big busty butterfly), 2017, Tusche auf Paper/ink on paper, je 170 x 130 cm, Courtesy der Künstler/the artist, Thomas Rehbein Galerie, Foto/photo: Annette Kradisch, Nürnberg

In seinem Bühnenstück Antonius und Cleopatra verwendet William Shakespeare 1606
die Formulierung „salad days“ als Synonym für die glückliche und unbeschwerte Zeit
der Jugend:

„My salad days, / When I was green in judgment, cold in blood …“

Unter dem Titel Salad Days präsentiert die Kunsthalle Nürnberg Werke von Benjamin Houlihan (*1975), der an der Kunstakademie Düsseldorf bei Georg Herold studierte und 2015 den Kunstpreis der Stadt Nordhorn erhielt.

Benjamin Houlihans Arbeiten sind geprägt durch ein kluges Spiel mit den traditionellen
Kategorisierungen der Kunst. Seine Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen
verweigern sich der Begrenzung eines Mediums und verwischen die klassischen
Gattungsgrenzen.

Vieles stellt sich als intermedialer Pakt dar: Malerei ist keine Kunst
der Fläche, sondern sie wächst volumenhaft in den Ausstellungsraum.

Zeichnung entwickelt eine skulpturale Dimension oder wird mit einer bildhauerischen Fragestellung verhandelt. Denn Skulptur ist bei Benjamin Houlihan nicht zwingend Masse, sondern kann auch als filigrane Zeichnung im Raum erscheinen.

So nimmt der Künstler in einer aktuellen Werkserie vertrauten Gegenständen – einer Schrankwand, einer Kaminuhr, einem Küchenstuhl oder auch einem Fenster – ihr Volumen. In aufwendiger Handarbeit werden die Möbelstücke und Alltagsobjekte so lange abgeschliffen, bis sie zur zarten Lineatur geworden sind.

Benjamin Houlihan, skinny grand piano, 2015, Flügel, geschliffen/sanded grand piano, 173 x 151 x 189cm, Sammlung/Collection Schnetkamp und im Hintergrund o.T, 2017, Graphit, Tusche auf Papier/pencil, ink on paper, 170 x 130 cm, Courtesy der Künstler/the artist, Thomas Rehbein Galerie , Foto/photo: Annette Kradisch, Nürnberg
Benjamin Houlihan, skinny grand piano, 2015, Flügel, geschliffen/sanded grand piano, 173 x 151 x 189cm, Sammlung/Collection Schnetkamp und im Hintergrund o.T, 2017, Graphit, Tusche auf Papier/pencil, ink on paper, 170 x 130 cm, Courtesy der Künstler/the artist, Thomas Rehbein Galerie , Foto/photo: Annette Kradisch, Nürnberg

Ein Konzertflügel (skinny grand piano, 2015) steht nun – jeglicher statischen Logik widersprechend – auf nur noch Millimeter starken Beinen, die den Korpus scheinbar kaum mehr tragen können. Die Stütze des Hinterdeckels biegt sich gefährlich durch und lässt befürchten, dass sie bereits im nächsten Augenblick den aussichtslosen Kampf verliert. Gänzlich hat sich der volumenhafte Körper des Konzertflügels von seiner funktionsgebundenen Existenz emanzipiert und ist zu einer entkörperten Oberfläche mit neuen Eigenschaften geworden. Fast als hätte sich eine Schlange gehäutet und die leere Hülle im Ausstellungsraum zurückgelassen.

In vielen seiner Werke spürt Benjamin Houlihan das Ungewöhnliche im Alltäglichen auf.
Unscheinbare Fundstücke, die auch wir täglich in die Hand nehmen, ohne ihnen weitere
Beachtung zu schenken, unterzieht er einem künstlerischen Übersetzungsprozess.

seine frau weiter hinten, 2005 Holz, Polyester, Glasfaser, Eisen, Holzbock, Lack/wood, polyester, fibreglass, iron, trestle, lacquer, 195 x 145 x 117 cm Der Verlorene, 2010 Polyester, ca. 104 x 92 x 211 cm Nürnberg; Courtesy der Künstler/the artist und/and Thomas Rehbein Galerie, Köln/Cologne; Foto/photo: Annette Kradisch
seine frau weiter hinten, 2005 Holz, Polyester, Glasfaser, Eisen, Holzbock, Lack/wood, polyester, fibreglass, iron, trestle, lacquer, 195 x 145 x 117 cm Der Verlorene, 2010 Polyester, ca. 104 x 92 x 211 cm Nürnberg; Courtesy der Künstler/the artist und/and Thomas Rehbein Galerie, Köln/Cologne; Foto/photo: Annette Kradisch

Die vermeintlich belanglosen Objekte wachsen zu übermenschlicher Größe an und werden zu Skulpturen mit physischer Präsenz und Autonomie. Zugleich scheinen diese Arbeiten –
wie zum Beispiel seine frau weiter hinten (2005) oder Die Fremde (2017) –, eine
narrative Dimension und eine Art Persönlichkeit zu entwickeln.

Die Skulpturen bewegen sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit: Diffus erinnern sie auch nach ihrer Metamorphose noch an die vertrauten Alltagsgegenstände, auf denen ihre Form basiert. Zugleich bleiben sie jedoch unerklärlich und sind nie konkret zu benennen. Dieser Irritationsmoment resultiert wohl auch aus dem Unvermögen des Betrachters, seine Körpergröße in ein Verhältnis zu der nun absurden Dimension des Objekts zu setzen. Unweigerlich fühlt er sich wie Gulliver unter den Riesen.

Zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit und zugleich zwischen Komposition und
Zufall bewegt sich auch die Bodeninstallation Mister E aus dem Jahr 2014. Auch ihre
Formgebung hat ihren Ursprung im Alltag: Ein Hund hatte im Atelier herumliegende
Verpackungs- und Arbeitsmaterialien angekaut, zerbissen und zerfetzt. Die daraus resultierenden deformierten Fragmente, skulpturale Formen, die ebenso absichtslos wie zufällig entstanden waren, dienten Benjamin Houlihan als Vorlage für blassgelbe Objekte
aus Polyester und Lack. Wie zersprengte Trümmer liegen diese nun auf dem Boden des
Ausstellungsraums und werden zu einem Hindernisparcour für den Besucher.
Immer wieder konterkariert Benjamin Houlihan unsere Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmuster.

Auch durch seine Eingriffe in den Raum, die er im Kontext seiner Ausstellung Salad Days in der Kunsthalle Nürnberg vorgenommen hat, verschieben sich architektonische Gesetzmäßigkeiten und menschliche Erfahrungswerte. So scheinen ganze Ausstellungsräume aus dem Lot zu geraten oder durch ein Bad aus matrizenblauer
Farbe gezogen worden zu sein.

Im Kettler Verlag ist der umfassende Katalog Benjamin Houlihan. Salad Days erschienen,
der Texte von Friedrich Wolfram Heubach, Gregor Jansen und Thomas Niemeyer sowie
zahlreiche Werkabbildungen enthält (256 Seiten, ISBN 978-3-86206-608-7, 28 Euro).

Parallel zur Ausstellung von Benjamin Houlihan präsentiert die Kunsthalle Nürnberg
im Projektraum die Ausstellung von Mona Ardeleanu, der 12. Stipendiatin des
Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums.

English Version

In his stage play Antony and Cleopatra dating from 1606, William Shakespeare used
the expression “salad days„ as synonymous with the happy, untroubled time of youth:

“My salad days, / When I was green in judgment, cold in blood …„

In a presentation entitled Salad Days, Kunsthalle Nürnberg is showing works by Benjamin Houlihan (*1975), who studied under Georg Herold at the Kunstakademie Düsseldorf and
received the City of Nordhorn Art Prize in 2015.

Benjamin Houlihan‘s works are characterized by ingenious play with art‘s traditional
categorizations. His paintings, drawings and sculptures evade restriction to a single
medium and blur the classic genre boundaries. Much presents itself as a pact
between media: Painting is not an art of flat surfaces but develops voluminously
into the exhibition space. Drawing acquires a sculptural dimension or is subjected
to sculptural questioning in its presentation form. Sculpture is not necessarily mass
but may also appear as filigree drawing in space. For example, in one current series
of works the artist subtracts the volume from familiar objects – a fitted cupboard,
a mantelpiece clock, a kitchen chair, or even a window. In painstaking work by hand,
the items of furniture and everyday objects are pared away until they have become
no more than a set of delicate lines. A grand piano (skinny grand piano, 2015) now
stands – contradicting any logic of statics – on legs only millimetres thick, which
scarcely seem capable of still carrying the body. The support at the back of the lid
bends dangerously, awakening our anxiety that it will lose its hopeless struggle any
minute now. The voluminous body of the grand piano has liberated itself entirely
from its previous, function-bound existence and turned into a disembodied surface
with new qualities. Almost as if a snake had shed its skin and left the empty casing
behind in the exhibition space.

thin grand cabinet, 2017 Schrank, geschliffen/cabinet, sanded, 165 x 213 x 55 cm Courtesy der Künstler/the artist und/and Thomas Rehbein Galerie, Köln/Cologne; Foto/photo: Annette Kradisch, Nürnberg
thin grand cabinet, 2017, Schrank, geschliffen/cabinet, sanded, 165 x 213 x 55 cm, Courtesy der Künstler/the artist und/and Thomas Rehbein Galerie, Köln/Cologne; Foto/photo: Annette Kradisch, Nürnberg

In many of his works, Benjamin Houlihan tracks down the unusual in the everyday. He
subjects unremarkable found objects, ones we may pick up every day without paying
them any particular attention, to an artistic process of translation. The apparently banal
objects grow to super-human size and become sculptures with a physical presence and autonomy. At the same time these works – e.g. seine frau weiter hinten (his wife
further back, 2005) oder Die Fremde (the strange woman, 2017) – seem to assume a
narrative dimension and a kind of personality.

The sculptures move between abstraction and representation: after their metamorphosis they are still reminiscent, in a diffuse way, of the familiar everyday objects on which their form is based.

At the same time, however, they remain inexplicable and can never be identified as anything concrete.

This aspect of irritation surely results from the viewer‘s inability to relate his body size to
the object‘s now absurd dimensions. Inevitably, he feels like Gulliver among the giants.

The floor installation Mister E dating from 2014 also moves between abstraction and
representation, as well as between composition and chance. Its formation also originated
in everyday life: a dog gnawed, chewed and tore up the packaging and working materials
lying around in the studio. The resulting deformed fragments, sculptural forms that
emerged both unintentionally and by chance, served Benjamin Houlihan as a pattern
for his pale yellow objects made from polyester and varnish. Like exploded ruins, these
now lie on the floor of the exhibition space and form an obstacle course for visitors.
Repeatedly, Benjamin Houlihan counteracts our viewing habits and patterns of
perception. Architectural laws and values of human experience are also subjected to
a shift by his spatial interventions undertaken in the context of the exhibition Salad
Days in Kunsthalle Nürnberg: entire exhibition rooms seem off-kilter or appear to
have been dipped into a bath of matrix-blue paint.

The comprehensive catalogue Benjamin Houlihan. Salad Days is published by
Kettler Verlag and contains texts by Friedrich Wolfram Heubach, Gregor Jansen
and Thomas Niemeyer as well as numerous illustrations of the works (256 pages,
ISBN 978-3-86206-608-7, 28 Euros).

Parallel to the exhibition of Benjamin Houlihan and on the occasion of the 12th
Marianne Defet Painting Fellowship the Kunsthalle Nürnberg shows in the Projektraum
the exhibition of Mona Ardeleanu.

Infobox – Benjamin Houlihan – Salad Days

  • Ausstellungsdauer: 1.6.–13.8.2017
  • Kunsthalle Nürnberg, Lorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg
  • Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 – 18 Uhr, Mittwoch 10 – 20 Uhr, Montag geschlossen
  • Mehr Infos auf der Webseite der Kunsthalle Nürnberg

(Pressetext KunstKulturQuartier)

Titelbild: o.T., 2017, Tinte, Lack auf Wand und Boden/ink, lacquer on wall and ground
thin piano, 2014, Tinte, Lack auf Klavier, geschliffen/ink, lacquer on sanded piano
Nürnberg; Courtesy der Künstler/the artist und/and Thomas Rehbein Galerie, Köln/Cologne; Foto/photo: Annette Kradisch

Details

Beginn:
1. Juni
Ende:
13. August
Veranstaltungskategorien:
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Veranstaltung-Tags:
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Veranstaltungsort

Kunsthalle Nürnberg
Lorenzer Straße 32
Nürnberg, Bayern 90402 Deutschland
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