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Luxus in Seide. Mode des 18. Jahrhunderts

5. Juli 2018 bis 6. Januar 2019

Luxus in Seide, © Germanisches Nationalmuseum

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigt vom 5.07.2018 bis 6.01.2019 die Sonderausstellung „Luxus in Seide. Mode des 18. Jahrhunderts“. 

Im Jahr 2017 gelang dem Germanischen Nationalmuseum der Erwerb eines bemerkenswerten Objekts: eines einteiligen Seidenkleids aus der Zeit um 1760 mit zugehörigem Reifrock. Außergewöhnlich gut ist die Farbigkeit der Seide erhalten, der hellblaue Grund mit dem farbigen Blumendekor ist kaum verblichen – äußerst selten bei Textilien dieses Alters.

© Germanisches Nationalmuseum (GNM)
© Germanisches Nationalmuseum (GNM)

Jetzt ist es erstmals öffentlich zu sehen, als zentrales Exponat der Sonderausstellung „Luxus in Seide“. Zusammen mit luxuriösem Schmuck, Accessoires und „Galanteriewaren“ wie Kopfbedeckungen und Kragen, Fächern und Handschuhen, Seidenstrümpfen und Schuhe ermöglicht die Ausstellung mit rund 100 Objekten einen faszinierenden Einblick in die opulente Welt der Damenmode des 18. Jahrhunderts.

Einer Pfarrerstochter hatte das Kleid wohl einst gehört, die es im Alter von 17 Jahren bei ihrer Hochzeit trug. Die Familie verwahrte das kostbare Textil über 250 Jahre. Vergangenes Jahr wandte sie sich ans Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, da sie es fachgerecht aufgehoben wissen wollte.

„Heutzutage ist es kaum noch möglich, originale Kleidung des 18. Jahrhundertsaus dem ursprünglichen Familienzusammenhang erwerben zu können“, freut sich Generaldirektor Prof. Dr. G. Ulrich Großmann, „und dass sich die Familie an uns gewendet hat, zeugt auch von dem hervorragenden Renommee, das das Germanische Nationalmuseum im Umgang mit historischen Textilien genießt.“

Das Seidenkleid zeigt die selten erhaltene Schnittform einer Taille-Andrienne, eines bodenlangen, einteiligen Kleids mit betonter Taille und weiter Rückenfalte – eine damals hochmodische Sonderform der „Robe à la française“.

In der Ausstellung ist es allansichtig in einer vollverglasten Vitrine aufgestellt. Eine eigens angefertigte Figurine sorgt für die seitlich auf Hüfthöhe weit ausgestellte Form, eine Aufgabe, die einst ein Reifrock mit Fischbeinversteifung übernahm, der in einer zweiten Vitrine neben dem Kleid zu sehen ist.

Als modern und komfortabel erwies sich dieser mit dem Seidenkleid erworbene „kleine Reifrock“ aus rotem Seidenatlas: Er garantierte Volumen, ohne viele Stofflagen zu benötigen, hatte dadurch ein geringeres Gewicht und ließ ein wenig Luft an die Beine. Der Rock ist kurz, beim Gehen schlugen keine Reifen gegen die Knöchel. Praktisch sind zudem zwei breite Schlitze, durch die auf Innentaschen zugegriffen werden konnte.

Ergänzend veranschaulichen weitere Ausstellungssektionen, was eine modebewusste Dame damals zu und mit einem solchen Kleid trug.

Accessoires und Schuhe

Bemerkenswert ist eine reich bestickte, mit Silberfäden durchwirkte Steckergarnitur aus dem 18. Jahrhundert, bestehend aus Vorstecker, Umlegekragen und Muff. Der dreieckige Vorstecker konnte einst als zusätzliches Dekor vorne am Oberteil eines Kleides befestigt werden, der aufwendige Kragen zierte umlaufend die Halspartie. Das wohl in Nürnberg entstandene Set ist äußerst luxuriös, nur Damen gehobenen Standes konnten sich solche Pracht leisten.

© Germanisches Nationalmuseum (GNM)
© Germanisches Nationalmuseum (GNM)

Historische Schuhe haben ebenfalls die Zeit selten überdauert. Die Ausstellung zeigt gleich fünf Paar und ein Paar Überschuhe, auch Patten genannt. In solche schlüpfte man beim Verlassen des Hauses samt „normaler“ Schuhe, um diese zu schützen. Eine Unterscheidung zwischen links und rechts existierte nicht, zwei identisch geschnittene Schuhe bildeten zusammen ein Paar. Sohle, Schuhblatt und Seitenteile bestanden aus Leder, im Absatz ver- barg sich ein Holzkern, wie kunsttechnologische Untersuchungen bestätigten. Elegante Modelle wurden zudem mit einer zum Kleid passenden Seide bezogen, wovon ein sogenanntes Halbfabrikat mit Schnittformen zeugt.

Schmuck und Schirm

Im Vergleich zur durchaus aufwendigen Damenkleidung hielt sich der im
18. Jahrhundert getragene Schmuck in Größe und Farbigkeit eher zurück. In den Vitrinen überwiegen Ensembles mit farblosen Steinen wie Diamanten, Perlen oder geschliffenem Glas.

Ab den 1750er Jahren kamen außerdem bewegliche Elemente in Tropfen- oder Tränenform in Mode. Kostbar schimmern zwei Colliers und Ohrringe aus Perlmutt – ein Effekt, der sich bei Kerzenlicht zusätzlich verstärkte. Raffiniert ist der Verschluss aus einem Seidenband, der das Schmuckstück für jeden Hals passend machte.

Neu kamen in dieser Zeit auch Sonnenschirme auf. Ein seltenes und überdies außergewöhnlich gut erhaltenes Exemplar aus den 1780er Jahren ist in der Ausstellung zu sehen, dessen Stoff mit Laubwerk, Voluten, Vögeln und Sonnenblumen bedruckt ist. An der Spitze endet der Schirm in einer kunstvoll geschnitzten Blütenknospe.

© Germanisches Nationalmuseum (GNM)
© Germanisches Nationalmuseum (GNM)

Wie modisch bleiben?

Zeitgenössische Darstellungen, Auszüge aus der historischen Literatur, aber auch Modekarikaturen ergänzen in der Präsentation die erhaltenen Textilien. Schon damals informierten sie über neue Modeerscheinungen, die mitunter auch in Reiseberichten oder Wochenblättern thematisiert wurden. Daneben veranschaulichten Modepuppen in Lebensgröße oder en miniature – von Frankreich aus verschickt – in Adelskreisen detailgetreu das Bild einer „à la mode“ gekleideten Dame, wie eine kleine Anziehpuppe aus der Zeit um 1750 am Ende der Ausstellung deutlich macht.

Infobox

  • Dauer: 05.07.2018 – 06.01.2019
  • Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
  • Dienstag – Sonntag  10 – 18 Uhr, Mittwoch 10 – 21 Uhr, Montag geschlossen
  • gnm.de

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Details

Beginn:
5. Juli
Ende:
6. Januar 2019
Veranstaltungkategorien:
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Veranstaltung-Tags:
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Veranstaltungsort

Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg
Kartäusergasse 1
Nürnberg, 90402 Deutschland
+ Google Karte
Telefon:
+49 (0)911 / 1331-103
Website:
http://www.gnm.de