KRUPSKI – Lohnabhängiger, Schreihals der Postpunk Band schubsen. Krupski schreibt unter seinem Pseudonym Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte und Liedtexte für seine Bands.

Zwischen 2006 und 2011 schrieb er für das Online-Magazin sellfish.de über Musik und Filme.

2015 veröffentlichte er gemeinsam mit Bird Berlin den Gedichtband „Bitterhonig & Der Klang des Taumelns“.

Im Interview berichtet KRUPSKI über sein neuen Buch „Nach dem Autoscooter links“, die Unterschiede zwischen Prosa und Lyrik sowie die Verarbeitung seiner Texte zu Songtexten.

Nach dem Autoscooter links – Krupski im Interview zu seinem neuen Buch

Cover Krupsi Nach dem Autoscooter links, Grafik: Karin Kolb
Cover Krupski Nach dem Autoscooter links, Grafik: Karin Kolb

Kunstnürnberg: Dein zweites Buch „Nach dem Autoscooter links“ ist gerade erschienen und vereint 15 Erzählungen in einem Erzählband. Was hat dich bewogen diesen Band herauszugeben?

KRUPSKI: Ich habe begonnen Erlebnisse, die mir auf Reisen und in meinem Alltag passiert sind, aufzuschreiben. Es wurden immer mehr Texte. Zu dem zeigten mir die aktuellen Geschehnisse, wie Abgrenzung, Residenzpflicht, um nur wenige zu nennen, dass es leider nicht mehr selbstverständlich ist, dass jeder bedenkenlos leben und reisen kann, wo und wohin er will.

Ich wollte meine Geschichten und diese Zustände irgendwie zusammenbringen, wenn auch nicht in ein Verhältnis setzen und direkt verbinden, weil ich solche Repressionen am eigen Leib noch nie erlebt habe. Schlussendlich haben mich die Begegnungen mit Menschen, die in anderen Umgebungen leben als ich und meinen Beobachtungen darüber niederzuschreiben bewogen das Buch herauszubringen.

Kunstnürnberg: Die Erzählungen reißen den Leser aus seinem Alltag und verpflanzen ihn in alltägliche Situationen, jedoch in anderen Städten und Orten. Als scharfer Beobachter schaffst du es, das Alltägliche spannend zu machen. Wie hast du die Erzählungen erarbeitet?

KRUPSKI: Erarbeitet eher weniger, da alle Geschichten, bis auf eine, autobiographisch sind. „Im wackligen Sommer“, welche zum Teil im Sommer 1989 spielt, wurde mir von meiner Omi erzählt und ich beschreibe die Situation, wie sie mir die Geschichte erzählte.

Ansonsten geht es weniger um konkrete Städte, sondern mehr um Orte, Zwischenräume für Begegnungen und Situationen. Ich bin zum Beispiel bei Fußballspielen oder fahre mit dem Bus von A nach B, dabei ist es nicht zwingend wichtig wo das passiert, sondern was.

Kunstnürnberg: Das Alltägliche ist ja auch gar nicht so alltäglich. Für jemanden der von außen kommt, ist der Alltag der Einheimischen keineswegs alltäglich, sondern neu und interessant. Die Kurzgeschichten drehen sich immer um Menschen. Wie wichtig ist der Mensch in deiner Arbeit?

KRUPSKI: Die Geschichten wären alle nie so passiert, wenn ich den Menschen nicht begegnet wäre. Das waren zum Teil Menschen, die ich in Gastfamilien kennen lernte, Persönlichkeiten, die mich aufgenommen haben oder Leute denen ich beim Saufen begegnete. (lacht). Ich bin in deren Alltag reingeplatzt als Besucher.

Mit dem Buch möchte ich festhalten, dass ich nicht als Besucher empfangen wurde, sondern als Teil der Gemeinschaft in der kurzen Zeit, wo ich da war. Und das dies auch gesellschaftlich möglich sein kann. Deswegen sind für mich der Mensch und die absurden Begegnungen mit den unterschiedlichen Typen, die im Buch vorkommen, das Elementare.

Mit dem Buch möchte ich außerdem zeigen, dass gerade in Zeiten von Abschottung, geschlossenen Grenzen und den vielen Konflikten auf der Welt, offene Grenzen, Kulturaustausch und das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen wichtig sind und herausgestellt werden müssen.

Ich habe das Privileg mit meinem Reisepass überall in der Welt zu reisen. Im Buch gibt es zum Beispiel eine Erzählung mit dem Titel „Batchko“. Sie handelt von einem Typen, der in Montenegro ein Hostel betreibt und dessen Traum es ist, einmal in Deutschland auf der Autobahn mit 200 km/h zu fahren. Er war aber noch nie in Deutschland und auch nicht in den Nachbarländern. Jedoch beklagt er sich nicht darüber. Da er in einem Hostel arbeitet kommt er ständig mit Leuten in Kontakt, die ihm Geschichten über Deutschland, Frankreich oder die Türkei erzählen. Mit der Geschichte wollte ich ihm für die schöne Begegnung und seine Perspektive danken und sie teilen.

Kunstnürnberg: Man ist ja ständig in Situationen mit Menschen. Was muss sein, dass du dich entschließt eine Situation aufzuschreiben?

KRUPSKI: Es geht um besondere Momente. Ein Funke der übergesprungen oder eine Nuance die hängengeblieben ist. Es kann sich da um einen ganz normalen Konzertabend handeln oder um Situationen, die mich reizen, weil bei Ihnen etwas entsteht. Man geht unvoreingenommen und ohne Erwartungen irgendwo hin und dann passieren plötzlich ganz unerwartete Dinge, die eine Wendung nehmen und mich berühren. Einfach Momente, die mich nicht mehr loslassen.

Kunstnürnberg: Im Gegensatz zu deinem ersten Buch, dem Gedichtband „Bitterhonig & der Klang des Taumels“, den du zusammen mit Bird Berlin herausgegeben hast, ist dein zweites Buch „Nach dem Autoscooter links“ ein Erzählband. Würdest du den Schritt als Weiterentwicklung betrachten oder siehst du Poesie und Prosa gleichrangig in deinem Schaffen?

KRUPSKI: In meinem bisherigen „Schaffen“ sehe ich beides definitiv gleichrangig. Ich würde nicht sagen, dass der Erzählband einen höheren Wert für mich hätte.

Die erste Veröffentlichung habe ich nicht alleine gemacht und wir haben uns auf einen gemeinsamen Nenner, ähnliche Themen geeinigt, als wir „Bitterhonig & der Klang des Taumels“ veröffentlicht haben.

Für mich war es die logische Weiterentwicklung zu sagen, ich gehe jetzt in die „Langstrecke“. Das erste Buch war ein Gedichtband, wo ich komprimiert schreiben konnte und viel in Bildern sowie Versatzstücken schrieb.

Es war für mich eine Weiterentwicklung eine Erzählung mit einer gewissen Dramatik über zehn Seiten aufzubauen, das hatte ich vorher noch nie gemacht, geschweige denn irgendwo gelernt. Es handelt sich da auch einfach um eine andere Herangehensweise und eine andere Form.

Kunstnürnberg: Wie kam es zu „Bitterhonig & der Klang des Taumels“?

KRUPSKI: Bird Berlin und ich kennen uns seit über 10 Jahren und wir sind auf die Idee gekommen, gemeinsam Lesungen zu machen. Und da „Birdi“ bereits einen dadaistischen Gedichtband herausgegeben hatte und wusste, dass ich auch schreibe, haben wir uns zusammengesetzt. Das Resultat ist ein bunter Gedichtband. Eine Sammlung aus Gedichten, die über Jahre entstanden sind. Wir haben das Buch also herausgebracht und waren dann in ganz Deutschland auf Lesereise, wo wir unsere Texte als szenische Lesungen umgesetzt haben.

Kunstnürnberg: Als Sänger der Postpunk Band schubsen hast du bereits Songtexte verfasst. Wie unterscheidet sich das Schreiben von Geschichten bzw. welche Gemeinsamkeiten gab es zum Schreiben von Songtexten?

KRUPSKI: Wenn ich mich hinsetze und einen Text schreibe, weiß ich von Anfang an noch nicht, ob es ein Songtext oder eine Geschichte wird. Wenn es eher gesellschaftspolitischer wird, benutze ich einen Songtext, dass fällt mir leichter, da kann ich mich besser ausdrücken, abstrakter sein.

Jedoch fand ich es auch immer sehr interessant Songtext und Geschichte zu mischen, also eine Gefühlsebene mit einer gesellschaftspolitischen Ebene zu vereinen und den Hörerinnen und Hörern die Möglichkeit zu geben, sich selber Gedanken zu machen, wie man den Song interpretiert.

Kunstnürnberg: Du gehst mit deinem Buch „Nach dem Autoscooter links“ auf Lesereise. Wo kann man dich überall sehen?

KRUPSKI: Ich gehe zusammen mit dem wunderbaren Singer-Songwriter Florian Kreiner aka Angela Aux auf große Lese- und Konzertreise.

Wir sind ab Ende April in Chemnitz, Leipzig, Berlin, Hamburg, Hannover, Kassel, Offenbach und beenden die Tour dann am 4. Mai in Nürnberg im Z-Bau, wo dann auch die Releaseparty zu meinem Buch im Roten Salon gefeiert wird.

Kunstnürnberg: Hast du noch eine Literaturempfehlung für die Kunstnürnberg-Leser?

KRUPSKI: Ja, auf jeden Fall. Im letzten Jahr fand ich „Sid Schlebrowskis kurzer Sommer der Anarchie und seine Suche nach dem Glück: Ein Ausreißerroman“ von Klaus Bittermann und „Düsterbusch City Lights“ von Alexander Kühne super.

Kunstnürnberg: Vielen Dank für das Interview!

KRUPSKI: Ich habe zu danken.

KRUPSKI im Netz

Termine der Lesungen:

24.04. Chemnitz- Odradek
25.04. Leipzig- Noch Besser Leben
26.04. Berlin- Tennis Bar
27.04. Hamburg- Salon Stoer
28.04. Hannvoer- Privat
29.04. Kassel- Café Neu
30.04. Offenbach- HfG-Kapelle
04.05. Nürnberg- Z-Bau (Release-Party)

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