KUNSTNÜRNBERG präsentiert einen Exkurs in die Musikrichtung Hip Hop: Der Rapper Kuchenmann aus Erlangen spricht über seine Musik und sein neues Video.

Der Rapper Kuchenmann im Interview

Der Kuchenmann
Der Kuchenmann

Kunstnürnberg: Du rappst seit einigen Jahren. Wie kamst du zum Hip Hop und was fasziniert dich an dieser Musikrichtung?

Kuchenmann: Ich höre Rap seitdem ich ein kleines Kind bin, so seit ich sieben bin. Shout outs an Sahin und Teile der Yavuz Familie dafür. War halt im wahrsten Sinne „fresh“ für mich damals, sowas lief ja nicht im normalen Autoradio, diese Musik, die Ästhetik und die Attitüde – jedenfalls der kleine Teil den ich davon aufschnappen konnte – war komplett neu für mich.
Ich hab dann halt mit Bausteinen in meinem Zimmer gespielt und dabei so Sachen wie Naughty by Nature oder Public Enemy gehört.
„89‘s the number, another summer…“ Naja, ich bin ja selbst erst 20, das war also nicht 1989 sondern eher 2002, der Track hatte damals also schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Aktiver wurde ich dann so in den ausklingenden Nuller-Jahren. Da hab ich angefangen rumzutaggen und mich sehr viel mit Graffiti und der Kultur dahinter zu beschäftigen. Anschließend hab ich angefangen Beats zu machen. Angefangen Raps regelmäßig aufzunehmen , hab ich so ab 2010, erste Show war im Dezember 2011 und wirklich viel recorded habe ich so seit 2012.

http://www.youtube.com/watch?v=zNT5d0gdu38

Kunstnürnberg: Welche Künstler sind deine Vorbilder und welchen Einfluss hat ihre Musik auf deine Texte?

Kuchenmann: „Vorbilder“ ist meiner Meinung nach zu viel gesagt, da schwingt zu viel Wille zur Kopie mit, finde ich. Aber klar gibt es ne große Menge an Künstlern, die mich beeinflussen, zum großen Teil aber eher was den Sound angeht.
Kool Keith war besonders am Anfang sehr wichtig, ebenso wie Huss und Hodn und viele Duck Down Sachen Mitte der 90er, Smif N Wessun & Black Moon besonders. Das waren so die Sachen, die mich mit 16 wohl am meisten musikalisch beeinflusst haben. Madlib. Dilla. MF Doom. A Tribe Called Quest. Taktlo$$. Frühe Savas Sachen, so Royal Bunker Label Zeug.
Später dann Leute wie z.B. Curren$y. Bone Thugs-N-Harmony. Kendrick Lamar. Fleur Earth. Der Jazzmusiker Sun Ra. Waka Flocka. Big K.R.I.T.. UGK, Pimp C bekommt meiner Meinung nach nicht genug Respekt als Producer, R.I.P. DJ Screw, R.I.P.
Viel Zeug aus dem Süden, Westen und Osten, ebenso wie einiges aus dem mittleren Westen der USA. Lance Carvell, Laca aus Nürnberg. Die Leute mit denen ich selbst regelmäßig Musik mache natürlich auch, Smilingstreet Crew. Robanzee. Santa. Beatinyo. Emrou. Mavie. Physical Graffiti. Henry Quester.

Der Kuchenmann
Der Kuchenmann

Kunstnürnberg: Welche Ziele verfolgst du mit deinem Rap und welche Themen verarbeitest du?

Kuchenmann: Musik ist vermutlich erstmal Selbstzweck, l’art pour l’art sozusagen, auf eine bestimmte Agenda kann ich meine Musik nicht herunterbrechen. Ignoranz ist so’n Thema, das ich anspreche und kritisiere. Die Deutsche Szene an sich ist ebenfalls des öfteren Objekt von Kritik, weil ich die zu großen Teilen w.a.c.k. finde, weißt?

Kunstnürnberg: Du hast Zeit in New York verbracht. Wie unterscheidet sich aus deiner Sicht der Amerikanische Rap vom Deutschen?

Kuchenmann: Yup, ich war in New Jersey und in New York bei Sessions @ The P.M., ein Verbund aus Rappern und allgemein Künstlern, zu dem ich mich ebenfalls zählen darf. Peace an Physical Graffiti und Henry Quester.
In den USA gibt es auch viel trashiges Zeug, allerdings ist da Rap irgendwie oft ungezwungener. Nicht so leicht zu erklären, es fühlen sich da einige Dinge wohl einfach natürlicher an. Zudem ist es nach wie vor zu großen Teilen so, dass Trends, die in den USA generiert werden, mit ziemlicher Sicherheit 2 – 4 Jahre später in Deutschland „adaptiert“ werden, sobald sie groß genug werden. Eigentlich werden sie meistens nur wack kopiert, siehe Dipset 2005 oder jetzt grade so A$AP Zeug oder Drake. Meine Meinung.

Kunstnürnberg: Mit deinem Kleidungsstil beziehst du klar Stellung zur Amerikanischen Hip Hop Kultur. Wirst du oft von der Polizei am Nürnberger Hauptbahnhof kontrolliert?

Kuchenmann: Öh, gestern erst. Kein Plan, kann schon sein, dass das an Klamotten liegt. Der eine hatte gestern jedenfalls ne New Era Cap auf, auf so‘n Zivi Shit.
Am Erlanger Hauptbahnhof ist es allerdings intensiver. Da kann man denen nicht ausweichen, die warten unten an den Treppen wenn man vom Gleis runterkommt oder vor der Rolltreppe, die müssen sich nicht mal verkleiden. „Schon mal gekifft?“ Die haben ohne Scheiß mein Textbuch mitgenommen, weil da paar Tags drin waren.
Fürth soll auch abgehen. Ich schrei jetzt nicht „Fuck the Police“ oder so, das finde ich zu verallgemeinernd. Diese Kontrollen sind allerdings schon uncool, wenn nicht mal ein begründeter Verdacht auf irgendwas besteht. Recht oberflächliche Angelegenheit anscheinend. Und besonders freundlich sind die oft auch nicht…

Kunstnürnberg: Vor Kurzem erschien dein neues Musikvideo zum Track Waka Flocka Flame. Um was geht es?

Kuchenmann: Ja, das ist jetzt etwas länger als nen Monat draußen. Beat vom Track produziert von Vertiqua, heftig talentiert, 15 Jahre alt. Mit dem kommt in absehbarer Zeit eine gemeinsame EP.
Der Track ist im Prinzip eine Hommage an einen Einfluss von mir, wie oben erwähnt, Waka Flocka Flame, das wird vor allem in der Hook deutlich. Gedreht wurde es von zwei Homies aus der Gegend, Lucien und Flo. Lucien hat das dann auch geschnitten. Smilingstreet Funk Alder.

Kunstnürnberg: Du hast regelmäßig Auftritte. Wann kann man dich das nächste mal live rappen hören und sehen?

Kuchenmann: Im Sommer war ich recht unterwegs, grad hab ich keine neuen Termine. Bucht mich mal für was cooles, ja?

Peace Peace

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