Macht es für Künstler Sinn, in einem Restaurant, einem Café oder einer Bar auszustellen? Oder sollte man lieber versuchen, seine Werke in kunstspezifischen Räumen von Kunstvereinen, Offspaces und selbstverständlich Galerien zu zeigen?

Eine Diskussion mit der Sängerin Sabine Seide zu diesem Thema hat mich veranlasst, in aller Kürze die Vor- und Nachteile der Künstler wie auch der Gastronomen zusammen zu fassen und zu bewerten.

„Wir stellen kostenlos Räume zur Verfügung“ – ein MusikerInnen bekanntes Beispiel, das die Problematik auf den Punkt bring.

ANFRAGE

WIR SIND EIN KLEINES RESTAURANT UND SUCHEN AUF DIESEM WEGE MUSIKER, DIE BEI UNS SPIELEN WOLLEN, UM BEKANNT ZU WERDEN.

WIR KÖNNEN ZWAR KEINE GAGE ZAHLEN, ABER WENN DIE MUSIK BEI UNSEREN GÄSTEN ANKOMMT, KÖNNEN WIR AUCH AN DEN WOCHENENDEN TANZVERANSTALTUNGEN ANBIETEN.

WENN SIE ALSO BEKANNT WERDEN MÖCHTEN, MELDEN SIE SICH BITTE BEI UNS.

ANTWORT

WIR SIND EINE GRUPPE MUSIKER, DIE IN EINEM RECHT GROSSEN HAUS WOHNT.

WIR SUCHEN EIN RESTAURANT, DAS GELEGENTLICH BEI UNS CATERING MACHT, UM BEKANNT ZU WERDEN.

WIR HABEN ZWAR KEIN GELD, ABER WENN IHR ESSEN SCHMECKT, KÖNNEN WIR DAS GERN REGELMÄSSIG MACHEN.

DAS WÄRE EINE GUTE REKLAME FÜR IHR RESTAURANT. BITTE, MELDEN SIE SICH BEI UNS.

(Quelle/Autor unbekannt)

Auch bildende KünstlerInnen bekommen oft die Frage, ob sie nicht kostenlos in den Räumen eines Restaurants oder Cafés ausstellen möchten. Gerne gezeigt werden Malerei, Fotografien, Zeichnungen aber auch Skulpturen.

Die Kunstwerke füllen die leeren Wände, die Gäste speisen im regelmäßig wechselnden Ambiete und haben Zeit, die Kunst anzusehen und gegebenenfalls zu kaufen.

Betrachtet man die Situation genauer, wird schnell deutlich, dass der Gastronom bei dieser Konstellation im unausgewogenen Vorteil ist, während der KünstlerIn das Nachsehen hat.

Die Vor- und Nachteile für die KünstlerInnen:

Sicherlich ist es für KünstlerInnen gut, ein neues Publikum auf die eigene Kunst aufmerksam zu machen. Gerade hoch frequentierte Restaurants und Cafés ziehen Massen an potenziellen Käufern an.

Nichtsdestotrotz gibt es nur einige Gastronomien im Großraum Nürnberg, die seit Jahren Ausstellungen mit namhaften KünstlerInnen veranstalten und wo dann tatsächlich neben Speis und Trank auch Kunst gekauft wird.

Ein bekanntes Beispiel ist die Creperie Yechet Mad in Nürnberg, wo auch KünstlerInnen und SammlerInnen gerne essen.

Entschließt man sich, in einem Gastronomiebetrieb auszustellen, so muss Folgendes bedacht werden.

  • ausstellungstypischer Zeitaufwand für das Einrichten der Ausstellung
  • Kosten für Transport, etc.
  • während der Ausstellung im Lokal kann der Künstler / die Künstlerin nicht auf die Kunstwerke zugreifen und sie woanders zeigen (relevant bei mehrmonatigen Ausstellungen)
  • Schäden an den Kunstwerken durch im Umgang mit Kunstwerken ungeschultem Personal oder durch unvorsichtige Gäste
  • unzureichende Beleuchtung
  • nicht optimale Präsentation

Die Vor- und Nachteile für die Gastronomie:

Der Gastronom ermöglicht dem Künstler eine Ausstellung und stellt ihm seine Räumlichkeiten zur Verfügung.

Dafür bekommt er kostenlos eine neue künstlerische Ausstattung für einen gewissen Zeitraum, muss also weniger Geld in die Ausstattung und Dekoration des eigenen Lokals investieren und hat ein ständig wechselndes Kunstprogramm, was die Gäste freut. Außerdem präsentiert er sich und sein lokal kunstinteressiert und als Förderer der Künstler, was gut für das Image ist.

Die Vernissage bringt neue Gäste aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des Künstlers und falls die Presse über die Ausstellung berichtet, bekommt der Gastronom eine sehr wirksame Publicity.

Dem Gastronomen bleibt auch die Möglichkeit, für den Verkauf von Kunstwerken eine Provision zu verlangen, wie zum Beispiel ein Galerist.

Es ist also für eine Gastronomie wirtschaftlich sinnvoll, Kunstausstellungen zu machen. Wirkliche finanzielle Risiken bestehen nicht.

Es könnte natürlich sein, dass man so schlechten Geschmack an den Tag legt und Kunstwerke ausstellt, die den Gästen beim Essen Augenschmerzen bereiten. ?

Das wäre dann schlecht.

Das Argument mit den kostenlosen Räumen, die „bespielt “ werden dürfen:

Wie in dem Beispiel mit den Musikern wird den KünstlerInnen angeboten, kostenlos die Räumlichkeiten der Gastronomie nutzen zu können, um bekannter zu werden.

Andererseits haben KünstlerInnen die Möglichkeit, in Kunstvereinen, Offspaces oder Galerien auszustellen.

Hier treffen sie auf kunst- und kulturinteressierte BesucherInnen, die diese Orte gerade wegen der Kunst aufsuchen und um Kunst zu kaufen.

Es besteht ein großer psychologischer Unterschied zwischen dem Kunstkauf in einem dafür geschaffenen Raum und der Tätigung eines Spontankaufs beim Kaffeetrinken. Zweites passiert bei geringeren Summen und seltener. Kunstvereine, Offspaces und Galerien übernehmen auch Pressearbeit und laden das Kunstpublikum über ihre Verteiler zur Ausstellung ein.

Kunstinstitutionen und -räume schlagen Restaurants um Längen, wenn es darum geht, Kunst bekannt zu machen. Das sollte der Gastronom wissen.

Was KünstlerInnen bei der Verhandlung mit einem Restaurant, Café oder einer Bar beachten sollten:

Bevor eine Ausstellung beschlossen wird müssen zunächst die Konditionen verhandelt werden, damit KünstlerInnen UND Gastronom profitieren und kein Ungleichgewicht entsteht.

Als KünstlerIn sollte man selbstbewusst sein und seine Kunst nicht unter Wert, also zum Beispiel kostenlos, anbieten. Wünscht sich der Gastronom für sein Lokal Kunstwerke, so muss er dafür genauso eine Leistung erbringen wie für die übrige Ausstattung.

Was bietet sich an?

KünstlerInn und Gastronom können aushandeln, dass ein Kunstwerk aus der Ausstellung vom Restaurant selbst angekauft wird. Dafür ist dann die Ausstellung im zu definierenden Zeitraum für den Gastronomen kostenlos.

Die beiden Parteien handeln eine Gage für die Ausstellung aus. Der Gastronom mietet also die Kunstwerke für den Ausstellungszeitraum vom/von der KünstlerIn.
Als KünstlerIn sollte man verlangen, dass der Gastronom die Ausstellung aktiv bewirbt und seine Gäste über den/die KünstlerIn und die Preise informiert.

Möchte der Gastronom eine Provision beim Verkauf eines Kunstwerkes, muss im Einzelfall abgewogen werden. Das hebt den Preis (bzw. verringert den Verdienst) und macht einen Verkauf noch schwerer. Der Gesamterlös der Kunstwerke sollte dem Künstler zu Gute kommen, denn er ist der Produzent der Werke.

Auf den Punkt gebracht:

  • Das Argument, dass KünstlerInnen die Räume kostenlos nutzen können, hinkt. In der Regel kann man Kunst auch an kunstspezifischen Orten ausstellen, was von Vorteil für den/die KünstlerIn ist.
  • Die Beobachtung, dass der/die KünstlerIn bekannt wird und viele Gäste auch Kunst kaufen, trifft nur auf Gastronomien zu, die schon länger im Geschäft sind und regelmäßig hochwertige Ausstellungen machen.
  • KünstlerInnen müssen vor der Zusage zu einer Ausstellung verhandeln und eine Gage oder den Ankauf von Werken durch das Restaurant oder Café festlegen.
Sie sind Gastronom und wollen auf Kunstnürnberg Anzeigen schalten oder suchen Künstler für Kunstausstellungen in Ihren Räumlichkeiten?
Schreiben Sie uns: info@kunstnuernberg.de
Betrunken Bacchus von Michelangelo, 1497, Museo del Bargello, Florenz, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/User:Attilios [Public domain], via Wikimedia Commons
Betrunkener Bacchus von Michelangelo, 1497, Museo del Bargello, Florenz, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/User:Attilios [Public domain], via Wikimedia Commons

6 KOMMENTARE

  1. Danke für den Artikel. In Rheinland Pfalz gibt es jetzt ein Gesetz, nachdem der Künstler verpflichtend bezahlt wird. Kann natürlich sein, dass es dann noch weniger Chancen für Anfänger gibt, sich zu präsentieren.

    Interessant ist ja auch, dass bei z. B. einer Ausstellung in Banken, Kanzleien und Praxen das Catering bezahlt wird, der Musiker bezahlt wird, der Inhaber bekommt bei Verkauf eine Provision, der Maler aber nichts. Das ist wenig wertschätzend gegenüber dem Künstler und der Kunst im Ganzen.

    Doch auch hier gilt: Für viele Künstler (im Wettbewerb mit mehr oder weniger talentierten Hobby-Malern) ist es sicher eine der wenigen Möglichkeiten in der Anfangsphase überhaupt an Ausstellungsmöglichkeiten zu kommen. Ein Dilemma. Und bezahlte Galerien sind da auch nicht besser.

    Wie also soll sich ein Künstler entscheiden, wenn er diese Chance aber noch keine Chance in Galerien hat?

  2. Ich finde Ihren Artikel sehr interessant. Ich bin eine von den vielen hundert Hobbymalern. Ich hatte ein paar kleinere Ausstellungen, die in Ordnung waren. Zur Zeit habe ich eine Ausstellung in einem Café im Stadtzentrum. Ich besuchte das Lokal vorab ein paar mal und redete mit dem Wirt. Flyer und Plakat musste ich selbst besorgen, was ja in Ordnung ist. Als dann die Bilder hingen meinte er nur, dass er vom Verkaufserlös 20 % erhält. Ich war fassungslos. Ich passte die Preise an mit der Gewissheit kein Bild zu verkaufen. Es besteht kein Vertrag. Er betreibt auch keinerlei Werbung. Er hat jetzt für 3 Monate eine schöne kostenlose Dekoration, wie in Ihrem Artikel beschrieben.
    Aus Fehlern wird man klug.

  3. Sehr interessanter Artikel – NUR verdirbt er etwas die Freude, die Emotion und die Leidenschaft
    die ich als Künstlerin für die Kunst empfinde.
    UND genau diese Emotionen möchte ich an meine Käufer und auch Aussteller weiter geben,
    einen unvergesslich schönen Abend, bunt wie das Leben auf unserer schönen Erde.
    Ich habe schon viele schöne Ausstellungen ohne Provision erleben dürfen,
    Bilder verkaufen sich an Menschen, welche meine paradiesischen Farben mögen.
    Natürlich gibt es auch einen Kunstmarkt auf dem es um Wertsteigerung und Rendite geht und dann verwandelt sich dieses Kunstobjekt. Die Frage ist also: was möchtest Du als Künstler?
    Wer gerne mal einfach eine schöne Ausstellung, ein Event mit Bildern plant
    oder auch mit Skulpturen und eventuell sogar mit einem Bodypainting /Teilkörper /Gesichtsbemalung / Bemalung der Gäste plant, schreibt mir gern eine Email 😉

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