Mara Ruehls Werke in Malerei und Relief behandeln das Thema Veränderung. Im Interview erklärt Mara Ruehl die Bedeutung ihrer Arbeiten und gibt Einblicke in den Schaffensprozess.

Mara Ruehl im Interview über die Bedeutung der Veränderung in ihren Malereien und Reliefs.

Portrait, © Mara Ruehl
Portrait, © Mara Ruehl

Kunstnürnberg: Du hast von 1990 bis 1994 freie Malerei in Buenos Aires studiert. Wie war die Zeit als Künstlerin in Argentinien?

Mara Ruehl: Dazu möchte ich sagen, dass ich in meiner Akademiezeit ja noch keine Künstlerin war. Ich würde auch einen Medizinstudenten nicht als Arzt bezeichnen. Wenn man auf der Akademie ist, dann möchte man Künstler werden. Man lebt in der Akademie wie in einem Kokon. Es ist alles toll. Man ist von Leuten umgeben, die sich mit demselben beschäftigen, wie man selbst. Natürlich hatten wir schon Ausstellungen, die aber im Grunde auch alle organisiert waren. Man hatte noch nicht diese Herausforderung wie später, wenn es darum geht, sich als Künstlerin zu beweisen. Für mich ist ein Künstler erst der, der von seiner Kunst – nicht unbedingt ausschließlich – lebt, aber ausschließlich für seine Kunst lebt. Und sein Leben auch dementsprechend ausrichtet. Wer das über einen gewissen Zeitraum schafft, der kann erst über seine Erfahrungen als Künstler sprechen.

Kunstnürnberg: Im Jahr 2000 bist du zurück nach Nürnberg gezogen und hast dann hier begonnen als Künstlerin zu arbeiten?

Mara Ruehl: Ich bin ursprünglich Grafik-Designerin und in Argentinien habe ich auch nebenbei als Grafikerin gearbeitet, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als ich hierher kam habe ich entschieden keine Grafik mehr zu machen, sondern hauptberuflich als Künstlerin zu arbeiten.

Orange unter Rotgeld, © Mara Ruehl
Orange unter Rotgeld, © Mara Ruehl

Kunstnürnberg: In deinen Bildern und Reliefs geht es um Veränderung. Welche Art von Veränderung möchtest du darstellen und wie schaffst du das genau?

Mara Ruehl: Für mich ist Veränderung etwas, was ich nicht nur auf eine Sache beziehe. Veränderung findet für mich immer statt. Ob das nun im weltpolitischen Bereich ist, im individuellen Bereich, oder einfach im Jahreszeitenwechsel. Eine Veränderung passiert immer.

„Schwarz-Orangerot-Blau“, FRF SZ 1 123cm x 123cm, © Mara Ruehl
„Schwarz-Orangerot-Blau“, FRF SZ 1, 123cm x 123cm, © Mara Ruehl

Die Bilder und Reliefs sind für mich gleichwertige Werkreihen. Es ist also nicht so, dass ich erst Bilder gemalt habe und dann auf Reliefs erweitert hätte, mit dem Gedanken keine Bilder mehr zu malen.  Vielmehr sind meine Bilder und Reliefs Werkreihen, die die Veränderung auf unterschiedliche Weise zeigen. Und zwar genauso, wie wir sie auch erleben. Der einzelne ist immer Veränderungen ausgesetzt: Ich habe ja immer die Wahl. Schaue ich mir diese Veränderungen einfach an und lasse sie geschehen (ergebe ich mich meinem Schicksal). Oder entscheide ich mich, die Veränderungen durch ein Überdenken meines Standpunktes in eine für mich persönlich angenehmere Richtung zu lenken. Ich kann ja immer eingreifen.

Gelb Blau Pink, © Mara Ruehl
Gelb Blau Pink, © Mara Ruehl
Petrol-Magenta, © Mara Ruehl
Petrol-Magenta, © Mara Ruehl

Bei den Bildern hat der Betrachter das Gefühl, dass die Farben sich zu bewegen beginnen, das Bild sich zu verändern beginnt, ohne dass der Betrachter etwas dazu tun muss. Bei den Reliefs hingegen ist die Interaktion des Betrachters unbedingt erforderlich. Ich arbeite hier mit verschiedenen Mitteln. Betrachtet man eine monochrome Arbeit von links, der Mitte oder von rechts ändert sie sich. Dies passiert im Relief über die Menge der Werkteile, die ich verarbeitet habe. Bei anderen Arbeiten funktioniert das über die Farbe, indem ich Verläufe einbringe. In diesem Fall würde die Arbeit von rechts beispielsweise schwarz wirken, von vorne grau und von links weiß.

Es geht mir darum, im Leben wie beim Betrachten der Bilder den Standpunkt zu wechseln und so eine neue Sichtweise auf eine Sache zu erlangen.

Indigo-Rot © Mara Ruehl
Indigo-Rot © Mara Ruehl

Kunstnürnberg: Und das kannst du am besten abstrakt zeigen?

Mara Ruehl: Früher habe ich figurativ gearbeitet. Mein Professor in Buenos Aires war ein voller Kubist. Er hat mich vom Figurativen in die kubistische Richtung gelenkt. In dieser Zeit habe ich aber auch noch nach der richtigen Form gesucht. Für mich funktioniert das Abstrakte besser. Figurativ wüsste ich meine Themen nicht auszudrücken.

Kunstnürnberg: In letzter Zeit hast du vermehrt Reliefs geschaffen. Du verwendest dafür verschiedene Materialien wie Holz, Dübel, Holzplättchen oder Holzkuben. Wie wichtig ist Dir das Material deiner Reliefs? Wie sieht der Schaffensprozess genau aus?

Relief-36, © Mara Ruehl
Relief-36, © Mara Ruehl

Mara Ruehl: Das Material selbst ist mir nur in dem Sinne wichtig, dass ich an mich den Anspruch setze, etwas Dauerhaftes zu erschaffen. Mir würde es widerstreben, beispielsweise Teebeutel oder anderes vergängliches Material zu verwenden. Einfach aus dem Grund, weil Kunst für mich persönlich kein Verfallsdatum haben sollte. Beim Material ist mir nicht wichtig, dass es organisch sein muss, wie etwa Holz. Vielmehr ist mir die Form des Materials wichtig. In letzter Zeit arbeite ich viel mit Polyurethan. Bei meinen Arbeitsprozessen steht am Anfang immer die Überlegung, welche Formen und Anordnungen ich nutzen kann, um die größtmögliche Veränderung bei der Bewegung des Betrachters im Werk zu erzielen. Dass heißt, sind die einzelnen Teile, die ich appliziere länger, ist auch der Schattenwurf größer. Beim Polyurethanschaum habe ich viele Freiheiten, weil ich die Einzelteile alle selbst zuschneide und somit in die Formen bringen kann, die ich mir gerade vorstelle.

Mir kommt es mehr auf die Wirkung des Materials, denn auf das Material selbst an.

Relief 37, © Mara Ruehl
Relief 37, © Mara Ruehl

Kunstnürnberg: Du besuchst also sehr gerne Baumärkte?

Mara Ruehl: Ich liebe den Baumarkt! Mich kann man wirklich mit einem Gutschein für den Baumarkt glücklich machen. Ich verbringe immer gerne einen Nachmittag im Baumarkt und entdecke ständig neue Materialien für meine Arbeit. Ich besorge mir aber auch Werkteile bei Holzfirmen.

Kunstnürnberg: Was steht bei dir im Jahr 2016 noch an?

Mara Ruehl: Ich freue mich sehr auf das Sommerfest im Defet Haus, wo ich zusammen mit Karla Köhler und Aenne Bittner im „Kunstkeller“ ausstellen werde. Und auch an den Stadt(ver)führungen nehme ich in diesem Jahr teil und öffne mein Atelier für Besucher. Das diesjährige Thema ist „Macht“ und ich halte an allen drei Öffnungstagen einen Vortrag zum Thema „Die Macht der Farbe“. Das kann ich natürlich mittels meiner farbstarken Arbeiten auch visuell gut veranschaulichen.

Relief-19, © Mara RuehlKunstnürnberg: Hast du einen Ausstellungstipp für die Kunstnürnberg Leser?

Mara Ruehl: Als erstes würde ich nach Essen fahren zu der Ausstellung von Pierre Soulages (15. Januar – 26. Juni 2016) im Museum Folkwang. In der kunst galerie fürth wird vom 8.7. bis 14.8. der Künstler Rupprecht Geiger gezeigt, den ich super finde! Ein Muss für jeden, der auf Abstrakten Expressionismus steht. Und natürlich die Ausstellung Chroma von Gotthard Graubner im Neuen Museum, die vom 15.07 bis 03.10.2016 läuft.

Kunstnürnberg: Vielen Dank für das Interview!

Mara Ruehl: Es hat mich gefreut!

>> Webseite von Mara Ruehl.

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