Das Ölgemälde der Mariä Himmerfahrt von Jacopo Tintoretto zählt zu den herausragendsten italienischen Meisterwerken, die sich in Franken befinden.

 

Mariens Himmelfahrt von Jacopo Tintoretto in der Oberen Pfarre, Foto: Wikipedia
Mariens Himmelfahrt von Jacopo Tintoretto in der Oberen Pfarre, Foto: Wikipedia

Die Himmelfahrt Marias von Jacopo Tintoretto

Das Altargemälde mit der Himmelfahrt Marias von Jacopo Tintoretto hängt im rechten Seitenschiff der Oberen Pfarre am Kaulberg in Bamberg.

Es entstand etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien. Ursprünglich wurde das Gemälde im Bamberger Dom aufbewahrt.

In den Bamberger Dom gelangte es ursprünglich als Vermächtnis des Domprobst Neustädter gen. Stürmer, der es aller Wahrscheinlichkeit nach zuvor in Venedig erworben hatte und 1639 verstarb.

Die barocke Umgestaltung des Domes ab 1648 konnte dem Altargemälde einen zeitgemäßeren Rahmen schaffen. 1651 wurde das Gemälde in einen Marienaltar im Südquerhaus des Domes integriert, der Formen einer Triumphalarchitektur zeigte.

1937 wurde das Bild mit dem Holzretabel des Künstlers Veit Stoß (geb. um 1447 Horb am Neckar?, gest. 1555 in Nürnberg) getauscht und gelangte in die Obere Pfarre.

Die narrative Vorlage für das Bildthema der Mariä Himmelfahrt ist eine mittelalterliche Legende, nach der alle Apostel von Engeln zur sterbenden Maria gebracht worden sind.

Auf Tintorettos Gemälde treffen die letzten Apostel gerade erst hektisch ein. Rechts hat sich ein Jünger erschöpft an den Sarkophag gekauert.

Tintorettos Apostel sind einfache Menschen ohne Schuhwerk und mit einem Wanderstab in der Hand, der auf die langen und strapaziösen Missionsreisen der Jünger Christi in aller Herren Länder hinweist. 

Tintoretto verwendet erdige Farben und kennzeichnet die Heiligkeit der Apostel nur mit einem schwach leuchtenden Heiligenschein. Für die Verdeutlichung der Handlung genügen dem Venezianer fünf Apostel, während der Rest in den Hintergrund der Wahrnehmung tritt.

In der linken unteren Ecke schreckt ein Jünger auf und weicht von seinem Buch ausladend zurück. Er streckt die Arme aus und wurde dafür von Tintoretto als Rückenfigur entworfen, die den Blick des Betrachters zurück zum Geschehen lenkt. Petrus vor ihm macht die anatomisch gegensätzliche Bewegung und prescht vor zu Maria.

Alle Apostel reagieren verschieden auf das Wunder, das vor ihren Augen geschieht. Stellvertretend für die Betrachter des Gemäldes nehmen sie am Wunder der Himmelfahrt teil. So ist der Apostel Johannes links von Petrus fromm in sich gekehrt, während ein anderer seine Arme jubelnd in die Höhe reißt. Jede Figur des gesamten Personals verkörpert so verschiedene emotionale Zuständen der Kirchenbesucher und erhöht die Realität des Wunders im Kirchenraum.

Über den Aposteln vollzieht sich in einer himmlischen Sphäre das Wunder. Maria wird von Engeln in den Himmel gebracht. Sie schafft es nicht aus eigener Kraft und benötigt himmlische Unterstützung. Tintorettos Engel führen waghalsige Bewegungen aus, um die Muttergottes in den Himmel zu tragen.

Die Engel des spätgotischen Holzschnitzers hingehen fungieren nur als „Schleppenträger“.  Tintorettos Maria ist keineswegs ganz klar, was ihr geschieht. Sie hat demutsvoll die Arme ausgebreitet und gibt sich den himmlischen Boten hin. Mühsam löst sie sich von der Erde. Der Aufstieg in den Himmel erscheint nicht als triumphaler Sieg über den Tod. Hier spiegelt sich der durch Epidemien und Kriege bestimmte harte Alltag der Menschen jener Zeit wieder.

Bedeutung für Franken

Das venezianische Gemälde führte eine neue religiöse Kultur in Bamberg ein. Vor Tintorettos Gemälde existierte kein Werk in der Stadt, das „Wirklichkeitssinn, religiöse Leidenschaft und künstlerische Vision“ in diesem Maße vervollkommnete.

Das gängige Bildthema der Himmelfahrt Mariä wurde von Tintoretto mit neuen künstlerischen Mitteln umgesetzt und bezeugt die Neubelebung der katholischen Kirche in gegenreformatorischer Zeit.

Jacopo Tintorettos Himmelfahrt Mariens gilt als eines der wenigen weitgehend eigenhändigen Werke des Malers und wurde zu einem Vorbild für die fränkische Barockmalerei. 

Quelle

Bamberg: Ein Führer zur Kunstgeschichte der Stadt für Bamberger und Zugereiste (Robert Suckale, Markus Hörsch und Peter Schmidt (Hgg.): Bamberg. Ein Führer zur Kunstgeschichte der Stadt für Bamberger und Zugereiste, Bamberg 1990, S. 104–106.)

  • Adresse: Unsere Liebe Frau / Obere Pfarre, Frauenplatz, 96049 Bamberg 
  • Webseite: http://www.obere-pfarre-bamberg.de
  • Das Altarbild der Himmelfahrt Marias ist zwischen 1550 und 1560 entstanden.
  • Höhe: 4,50 m

Artikel vom 15. August 2014, überarbeitet am 2. September 2019

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