© Z-Bau
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Am 11.4. stellen Joshua Groß, Leonhard Hieronymi & Creamspeak die Anthologie „Mindstate Malibu – Kritik ist auch nur eine Form von Eskapismus“ im Rahmen der Reihe Gegenwartsliteratur im Z-Bau vor. Beginn ist 20 Uhr. Kunstnürnberg traf den Mitherausgeber Joshua Groß, der als Schriftsteller in Nürnberg lebt, zum Gespräch. 

KNBG: Hallo Joshua. Du hast gemeinsam mit Johannes Hertwig (Journalist) und Andy Kassier (Konzeptkünstler und Fotograf) die Anthologie „Mindstate Malibu- Kritik ist auch nur eine Form von Eskapismus“ herausgegeben, die am 11.4. im Rahmen einer Lesung im Z-Bau vorgestellt wird. Es heißt: „Mindstate Malibu ist ein unfreiwilliges Generationenportrait auf 320 Seiten mit Fotostrecken, Zeichnungen, Screenshots, Tweets, Interviews, Erzählungen und Essays. Ein Leitfaden für eine neue Welt.“  Wie entstand die Idee zum Buch und welche Stimmen und Diskurse werden darin vereint? 

JOSHUA: Johannes und ich hatten schon lange überlegt, wie man Phänomene artikulieren und zeigen könnte, die aus dem Frontalzusammenstoß von spätkapitalistischer Abgefucktheit und dem Vibrieren des Internets erwachsen. Es war auffällig, schon seit einigen Jahren, dass in verschiedenen Diskursen oder Bubbles – mehr oder weniger unabhängig voneinander – ein neuer, spannender Umgang mit Gegenwart und Kritik erprobt wird: das, was in Deutschland (oder Europa) Cloudrap genannt wird, die sich verändernde Ästhetik von Rap-Videos (Stichwort Vaporwave), Lil B, Gründer-Twitter (Dax Werner, Startup Claus, Kurt Prödel u.a.), verschiedene Ansätze in der deutschsprachigen Literatur, eine schnell wachsende Kunstszene auf Instagram, etc.

Insgesamt gab oder gibt es unseres Erachtens eine Sehnsucht nach der Überwindung festgefahrener Kritikpatterns. Natürlich gab es schon verschiedene diskursive Ansätze zu den jeweiligen Bubbles, aber bislang hatte niemand gezeigt, dass die Protagonist*innen eine gemeinsame Energie teilen, dass sie sich alle an der Gegenwart abarbeiten, mit Wut, Finesse, Humor und Verzweiflung. Als Johannes und ich dann Andy Kassier kennengelernt haben, im Herbst 2017, konnten wir zu dritt auf ein ausreichend großes Netzwerk zugreifen und das Projekt starten.

KNBG:  Welche Kriterien gab es bei der Auswahl der vertretenen Autor*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen? Wer wurde wie an „Mindstate Malibu“ beteiligt und warum?

JOSHUA: Zunächst mal haben wir versucht, zentrale Akteur*innen aus den jeweiligen Bubbles zu bekommen: Also Dax Werner aus dem Twitter-Umfeld, Kurt Prödel als Schaltstelle zwischen Videoästhetik und aphoristischem Wahnsinn, Haiyti, die in Hamburg Kunst studiert hat und in „Mindstate Malibu“ zum ersten Mal eine Serie mit Zeichnungen gezeigt hat, Leif Randt und Clemens Setz als Literaten zwischen Feuilleton und Internetkultur, natürlich Andy Kassier selbst, aber auch Signe Pierce.

Einige der Beteiligten kannten entweder Johannes, Andy oder ich persönlich, zu anderen ergaben sich Querverbindungen, wieder andere haben wir einfach angefragt. Charlotte Krafft bspw. hatte schon im Magazin „Das Wetter“ einen Essay veröffentlicht, der thematisch nahe an dem war, was uns interessierte. Bei Lisa Krusche war es genauso: sie hatte in den „Metamorphosen“ einen Text zum Thema „Fake“ publiziert.

Mit der Künstlerin Jenny Schäfer hatte ich schon einmal eine Ausstellung in Nürnberg gemacht. Leonhard Hieronymi kannte ich aus Berlin, wir haben beide Bücher im „Korbinian Verlag“ veröffentlicht. Anika Meier, die für das „Monopol“-Magazin über Kunst und Internet schreibt, kam über Andy Kassier ins Buch. Creamspeak hatten bei der re:publica 2018 einen Vortrag gehalten, der heißt: „The Present Is Now: Endlich wieder Spaß im Netz!“ (unbedingt auf Youtube anschauen!).

KNBG: Wirst du am 11.4. aus deinem Anthologie-Beitrag „Die Zauberberg-Bubble“ lesen? Wer bzw. was wird noch zu hören sein?

JOSHUA: Ich werde nicht lesen, sondern die Veranstaltung moderieren. Lesen werden Leonhard Hieronymi und das Duo Creamspeak. Leonhards Text ist wohl autobiografisch (wir werden das herausfinden müssen); er erzählt davon, wie er mit Schulfreunden ungefähr 20 verschiedene Bands gegründet hat (immer haben sie den musikalischen Stil verändert), aus Langeweile, aus dem Gefühl des Getriebenseins und wahrscheinlich auch aus Trotz.

Creamspeak haben einen unglaublich tollen Text zur Anthologie beigetragen – „Die Spaßtransformation“! In vier Kapiteln kann man erfahren, wie man die schlechte Laune, die oftmals durchs Internet injiziert wird und sich auf die Existenzen der User*innen auswirkt, loswird – und stattdessen mit Power und Spaß durchs Leben gehen kann.

KNBG: Die Anthologie ist nicht deine erste Veröffentlichung beim Nürnberger Verlag „starfruit publications“, der „außergewöhnliche Formen der Zusammenarbeit zwischen zeitgenössischen Autor*innen und Künstler*innen“ präsentiert. Du hast bereits die Romane „Der Trost der Telefonzellen“ (2013) und „Faunenschnitt“ (2016) sowie die Novellen „Magische Rosinen“ (2014) bei „starfruit“ veröffentlicht. 
Was zeichnet diese Arbeiten aus und wie kam es zur Zusammenarbeit mit „starfruit publications“?

JOSHUA: „starfruit“ macht ein Programm mit sehr hoher Ambition und auf einem sehr hohen künstlerischen und inhaltlichen Niveau. Das gibt es hier in der Region sonst überhaupt nicht im literarischen Sektor, und darüber hinaus ist das Konzept des Verlags – künstlerische und literarische Positionen zusammen zu bringen – sogar im deutschsprachigen Raum einmalig. Nachdem ich bei „starfruit“ meinen ersten Roman veröffentlicht habe, ergab es sich eigentlich von selbst, dort weitere Bücher zu publizieren.

Und für „Mindstate Malibu“ ist „starfruit“ quasi der perfekte Verlag: das Buch ist sehr aufwendig gestaltet, durchgehend wird mit Sonderfarben gearbeitet, alle Beiträge bekommen so viel Platz wie sie brauchen. „starfruit“ ist außerdem komplett unabhängig, was es leichter macht, ein Buch wie „Mindstate Malibu“ zu veröffentlichen. Wir sind mit dem Gefühl gestartet, dass es Verbindungslinien zwischen diesen verschiedenen Bubbles geben müsste, und dass sich die Energien, wenn man sie zusammenführt, im besten Fall ergänzen und verstärken können. Diese Ahnung hat sich als richtig herausgestellt. Aber es hätte auch anders ausgehen können. Darüber hinaus sind Anthologien oft nicht sonderlich erfolgreich, was mediale Präsenz und Verkäufe angeht. Aber Manfred Rothenberger, der Verleger von „starfruit“, hat uns von Beginn an machen lassen. Und es hat ja letztlich auch ziemlich gut funktioniert

KNBG: Danke für das Gespräch und viel Spaß bei eurer Lesung am 11.4. im Z-Bau! 

JOSHUA: Danke auch! 

mehr zur Reihe „Gegenwartsliteratur im Z-Bau HIER.

Saatchi Art

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