Nicht Georg ist das Illustrationsmagazin der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg.

Im Interview berichten die Redaktionsmitglieder Michele Aflatoon (Raum und Event Design, Verbale Kommunikation), Lisa Neher, (Typografie, Raum und Event Design, Verbale Kommunikation) und Katharina Rögner (Illustration, Grafik-Design, Typografie) über ihre Arbeit an der aktuellen Nicht Georg Ausgabe und das Thema „Rausch“.

Die Redaktion von Nicht Georg, © Sybille Schenker
Die Redaktion von Nicht Georg, © Sybille Schenker

Kunstnürnberg: Das Illustrationsmagazin Nicht Georg erschien im Wintersemester 2015/16 zum dritten Mal. Was ist das Konzept von Nicht Georg und was macht dieses Konzept in der Metropolregion Nürnberg einzigartig?

Nicht Georg: Einzigartig ist die Tatsache, dass sich das Magazin jedes Mal ändert. Die Führung hat auch schon einmal gewechselt und wechselt bald wieder. Jeder bringt so seine eigene Note mit rein. Es gibt immer ein neues Thema, das Design ist immer komplett neu und dies macht Nicht Georg zu einem sehr wandelbaren Magazin.

Die Intention der Gründer war möglichst schräg oder einfach individuell zu sein und eine Plattform für die Studierenden zu schaffen, wo sie wirklich alles reinhauen können, worauf man Lust hat – eben nicht im Rahmen einer Abgabe, sondern, dass man einfach selber etwas mit Praxisbezug auf die Beine stellt.

Wir Studenten hatten so eine Plattform noch nicht und Nicht Georg hat das nun verwirklicht.

Alle Studenten arbeiten am Magazin freiwillig mit und die Abgaben sind zum Teil redaktionell und zum Teil frei. Wir machen einfach einen Aufruf und die Arbeiten werden dann bei der Redaktion eingereicht. Aus allen eingereichten Arbeiten werden dann die Besten für das Magazin ausgewählt.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, © Veronika Bondarenko
Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, © Veronika Bondarenko

Kunstnürnberg: Eine kleine Zwischenfrage: Wer waren die Gründer von Nicht Georg?

Nicht Georg: Das waren der Julian Reichel und die Mena Standhaft. Beide studieren Design und sind gerade im Praxissemester.

Kunstnürnberg: Ihr habt euch das Themas „Rausch“ für die neue Ausgabe von Nicht Georg ausgesucht. Wieso „RAUSCH“?

Nicht Georg: Wir wollten ein Thema finden, dass weder banal oder zu oberflächlich ist und womit man sich tiefer auseinandersetzen kann. Wir haben also zusammen ein Brainstorming gemacht zu Begriffen, die man auf verschiedene Art und Weise illustrieren kann. Es gibt ja auch einfach Begriffe, wo einem ein Bild dazu einfällt. Bei Rausch gibt es eben verschiedene Räusche. Wir wollten etwas, dass komplexer ist.

Uns hat gereizt, dass man bei Rausch als erstes ganz platt an Alkoholrausch denkt. Aber da steckt noch viel mehr dahinter. Wir wollten tiefer denken. Es gab auch dann tatsächlich ein paar Zweifel seitens Hochschule, weil viele sofort an Drogenrausch und dessen Verherrlichung dachten. Aber das ist ja ein Magazin, wo wir machen können, worauf wir Lust haben, und dementsprechend auch ein bisschen rebellisch sein wollten. Wir möchten einfach auch unser Ding machen. Das war dann eine Gratwanderung, ist aber der Sinn der Arbeit. Man kann Rausch eben auf viele verschiedene Arten interpretieren.

Kunstnürnberg: Welche Räusche sind also außer Alkohol- und Drogenrausch noch im Magazin verarbeitet?

Nicht Georg: Wir hatten als Themen noch den Liebesrausch, den Goldrausch, Musikrausch, Meeresrauschen, Blutrausch und Kreativrausch und in den Illustrationen auch Wortspiele wie „Grauschopf“. Wir wollten die Studenten hier nicht einschränken. Sie sollten zeichnen, was sie wollten.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, © Veronika Bondarenko

Kunstnürnberg: Mit Interviews und äußerst lesenswerten Texten wird der Rausch, neben den Illustrationen, behandelt. Wie ergänzen sich Texte und Illustrationen?

Nicht Georg: Wir haben ein Team gebildet, dass sich um die Texte gekümmert hat. In dieser Ausgabe gibt es auch zum ersten mal Texte. Dann haben wir in der Redaktion gefragt, wer Lust hat die Texte zu illustrieren. Und die Studenten haben sich dann verschiedene Texte ausgesucht und dazu gezeichnet. Es gab hier keine Einschränkungen in dem Sinne.

Wir haben beschlossen uns auf fünf Rauscharten zu beschränken und haben die dann rausgeschickt und jeder hat sich einen Rausch ausgesucht und konnte dann dazu etwas schreiben. Also die Texte wurden von den Mitgliedern der Redaktion verfasst.

Kunstnürnberg: Wer ist alles Teil der Redaktion?

Nicht Georg: Wir sind an die 15 Studenten. Effektiv wurde das Hauptding aber von fünf Leuten durchgezogen. Es gab einen harten Kern, der die Hauptaufgaben geleistet hat.

Kunstnürnberg: Ihr habt auch Interviews im Magazin. Eins mit der Psychologin Lena Stoiber und eins mit dem Sounddesigner Steve Wühr, die sich sehr aufschlussreich mit der Thematik „Rausch“ auseinandergesetzt haben. Nach welchen Kriterien habt ihr die beiden Interviewpartner ausgewählt?

Nicht Georg: Lena Stoiber hat zusammen mit Katharina in Regensburg Psychologie studiert und Rausch ist ein Thema, das in erster Linie mit dem Gehirn (also Psychologie) tun hat. Da ergeben sich total spannende Aspekte und deshalb war es wichtig für uns, dass wir uns mit jemanden unterhalten, der sich in diesem Bereich genau auskennt. Wir wollten dem Begriff Rausch erstmal auf den Grund gehen, auch aus einer wissenschaftlichen Position. Denn egal um welchen Rausch es sich am Ende handelt, es passiert alles im Gehirn. Das haben alle gemeinsam. Man kann den Rausch auch wirklich herunter brechen auf Botenstoffe und so den Rausch entzaubern. Wir haben uns überlegt, was alles einen Rausch auslösen kann.

Bei uns ist der Musikrausch sehr ausgeprägt. Und Leute, die auf Konzerte gehen, kennen diese Art von Rausch. Und wir dachten, diese Form von Rausch ist neben dem Alkohol und den Drogen noch das bekannteste, was einen in einen Rauschzustand versetzen kann.

Der Soundesigner Steve Wühr ist ein Dozent, der bei uns an der Uni agiert. Er unterstützt uns in allen Belangen die mit Ton zu tun haben. Wenn wir etwas im Fach Verbale Kommunikation schneiden müssen oder einen Film vertonen müssen, hilft er uns im uniinternen Studio.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, © Veronika Bondarenko
Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, © Veronika Bondarenko

Kunstnürnberg: Ihr habt euch lange mit dem Thema Rausch beschäftig und es von allen Seiten beleuchtet. Welche Schlussfolgerungen bzw. Erkenntnisse zieht ihr aus der Behandlung dieses Themas?

Nicht Georg: Wir haben gesehen, dass das Thema vielschichtiger ist als anfangs gedacht. Zudem haben wir gemerkt, dass es immer noch ein Tabuthema ist. Nach dem Motto „Oh, mein Gott. Jemand hat gekifft. Wie kann er sich nur in einen Rausch versetzen.“

Es hat uns gewundert, dass das Thema immer noch auf Skandal stößt. Wer betrinkt sich bitte nicht irgendwann einmal oder wer begibt sich nicht in irgendeiner Form in Räusche. Oh mein Gott, Rausch, da müsst ihr aufpassen! Die Reaktionen fanden wir am krassesten. Auch von der Hochschulseite kam ein bisschen Widerstand.

Gerade bezüglich der Veranstaltung in der Nordkurve, die Release-Party, hat unsere Professorin gesagt, ihr könnt doch keine Party „Rausch“ nennen. Das war wirklich spannend. Gerade an einer Hochschule, wo es um  Kunst und Design und freies Arbeiten geht, war es interessant zu merken, dass es auch hier erstmal Grenzen gibt.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, © Veronika BondarenkoKunstnürnberg: Aber ihr habt ja den „Rausch“ nicht verherrlicht, sondern eher objektiv behandelt.

Nicht Georg: Wir haben keine Wertung reingelegt. Es gibt so eine grundlegende Angst von außen, dass das Thema falsch interpretiert werden könnte.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, Foto: Daniel Dostal
Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, Foto: Daniel Dostal

Kunstnürnberg: Ihr habt es gerade bereits angesprochen. Eine Ausstellung (bis 18. März 2016) in der Nordkurve an der Rothenburgerstraße begleitet die Veröffentlichung des Magazins. Wie wurde die Ausstellung konzipiert und was erwartet den Besucher?

Nicht Georg: Im Modul Raum und Event Design gibt es die Aufgabe im dritten Semester eine Veranstaltung zu konzipieren. Wir haben also vorgeschlagen, das als Release-Party zum Magazin zu machen und haben unseren Vorschlag durchgesetzt.

Verschiedene Studenten mussten sich dann in Teams Konzepte überlegen und aus diesen Vorschlägen haben wir am Ende ausgewählt. Es hat sich rauskristallisiert, dass wir so viele Module der Hochschule, wie möglich vereinen wollten. Für die Release-Party hat einfach das Modul Raum und Event Design am besten funktioniert.

In der Ausstellung sieht man verschiedene Fernseher, die viele rauschige Eindrücke zeigen und die Räusche des Magazins widerspiegeln. Hier haben wir uns auch auf die fünf Räusche konzentriert. Wir haben auch das Modul Film und Cast mit rein gebracht. Die Filmleute aus diesem Modul haben dann die Filme geschnitten.

Die Idee war, dass man nicht zu sehr die Illustrationen aus dem Magazin vorwegnimmt. Einfach die einzelnen Magazinseiten aufhängen, wäre uns zu langweilig und platt gewesen.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, Foto: Daniel Dostal
Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, Foto: Daniel Dostal

Kunstnürnberg: Auf den Bildschirmen sieht man verschiedene Räusche. Habt ihr Bilder aus dem Magazin genommen und diese ins Medium Video übertragen oder wurden hierfür neue Videos gemacht?

Nicht Georg: Das war gemischt. Wir haben Bilder aus dem Magazin verwendet, aber es wurde auch versucht Rausch an sich zu visualisieren. Es wurde also kurze Sequenzen von Rauschzuständen gezeigt. Zum Beispiel zeigt ein Video wie in einem Fresswettbewerb Pommes frittiert und anschließend gegessen werden. Ein Video zeigt aber auch Meeresrauschen.

Die Videos selber sind auch verpixelt und verwirrt und rauschen stark. Beamer haben die Scheiben der Nordkurve bestrahlt und so entstand eine sehr interessante Atmosphäre, wie eine Rauschkabine. Um einen herum sollte einen alles berauschen und beschallen. Das Thema des Magazins sollte in dem Raum noch einmal komplett umgesetzt werden und auch nach außen auf die Straße ausstrahlen, so dass man den Rausch fühlen kann.

Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, Foto: Daniel Dostal
Das Illustrationsmagazin Nicht Georg, Foto: Daniel Dostal

Noch bis Mitte März kann man den Raum besuchen, wobei die Nordkurve sehr spezielle Öffnungszeiten hat. Vor Ort kann man unser Magazin kaufen (oder uns über die Webseite anschreiben). Speziell offen ist noch einmal am Freitag, den 26. Februar 2016. Außerdem ist auch noch eine Finissage geplant.

Kunstnürnberg: Wie geht es weiter mit Nicht Georg?

Nicht Georg: Das Magazin wird auf jeden Fall weitergeführt und die Planungen haben bereits begonnen. Aber das Thema des nächsten Heftes ist noch geheim!

Kunstnürnberg: Vielen Dank für das Interview!

Nicht Georg: Sehr gerne und Danke für die Möglichkeit über Nicht Georg berichten zu können 🙂

Abbildungen © Nicht Georg

Nicht Georg im Web

Das Team von Nicht Georg sucht noch Sponsoren für die nächste Ausgabe. Wer Nicht Georg unterstützen möchte, kann die Redaktion über die Webseite kontaktieren.

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