Markus Bischof, Tischler und Produktdesigner, prägte zwei Jahre lang das neue Design der Trumpf Stanzmaschinen.

2010 wurde sein Designbureau in Nürnberg gegründet.

Seither entstanden über 300 Konzepte, Entwürfe und Produkte aus den unterschiedlichsten Branchen, für die er mehrere internationale Designpreise und Auszeichnungen erhielt.

Markus Bischof macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt

Markus Bischof, Foto: Cristina Galler
Markus Bischof, Foto: Cristina Galler

Kunstnürnberg: Nach deinem Produktdesign-Studium an der FH Coburg hast du 2005 bei dem international renommierten Designer Karim Rashid in New York gearbeitet. Welche Erfahrungen konntest du im Big Apple sammeln und wie hat die Arbeit mit Karim Rashid dein Schaffen beeinflusst?

Markus Bischof: Die Frage ist für mich mehrdimensional gelagert. Man muss zu meinem Hintergrund wissen, dass ich aus einem Dorf mit 380 Einwohnern komme.

Nach dem Studium in der 50.000 Einwohner zählenden Stadt Coburg in den Big Apple zu ziehen war einfach multisensual.

Aus der kulturellen Sicht war New York augenöffnend. Mein Aufenthalt dort prägt mich immer noch. Dass man sich Kulturen öffnet und dass man sich für Kulturen interessiert, war in New York selbstverständlich. Man war automatisch teil davon. Das hatte eine ganz eigene Stimmung, die Größe, Dimension.

Ich bin ja gelernter Schreiner und daher war die Arbeitsweise für mich immer sehr handwerklich und auch ein Stück weit wiederholend.

Karim Rashid ist ja freischaffend und das hat natürlich für mich eine Gratwanderung ergeben. Der Einfluss von Karim auf meine Denke, auch was Design betrifft, das ist für mich immer noch prägend. Karim und ich haben seither eine enge Freundschaft und wir kontaktieren uns mehrmals in der Woche und tauschen uns aus. Ich denke schon, dass ich zwischen dem Schreinerhandwerk und der Arbeit von Karim meinen Platz gefunden habe.

Kunstnürnberg: 2010 hast du dich selbständig gemacht und führst seitdem dein eigenes Designbüro, Markus Bischof produktdesign, wo du inzwischen über 300 Konzepte, Entwürfe und Projekte umgesetzt hast, die von Pfeifendesigns, über Leuchten bis hin zu der Gesamtkonzeption des Restaurants des Sheraton Hannover reichen. Welche Kriterien sind dir an deinen Projekten wichtig?

Markus Bischof: Wenn ich etwas angehe, ist mir grundsätzlich wichtig, dass es komplett meinem Empfinden und meiner Einstellung zu dem Thema entspricht. Deswegen ist es auch so, dass ich Design als eine ganzheitliche Disziplin sehe, die nicht nur an einem Produkt festhängt.

Ich bilde mir zu vielen Dingen eine Einstellung und versuche aus dieser Einstellung heraus Firmen zu finden, mit denen ich Kollaborieren kann, um daraus Produkte entstehen zu lassen. Diese Produkte stellen für mich die perfekte Situation dar.

© Markus Bischof
© Markus Bischof

Wir arbeiten sehr vielseitig und inspirieren uns gegenseitig. Das fing damals 2010 mit Leuchten an. Büromöbel aus Stahl, aber auch kleinere Disziplinen wie eine Tabakpfeife. Wobei es sich bei einer Pfeife um ein sehr präsentes Objekt handelt, dass man wie eine Brille im Gesicht trägt. Da ist man sehr eitel. Da wir so breit aufgestellt sind, gibt es viele Querverbindungen.

Es ist eigentlich relativ komplex, was so über die Jahre mittlerweile entstanden ist. Und es wird auch immer spannender. Wir wagen uns weiter nach vorne, auch in den Raum hinein und als das Sheraton auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir ihr Restaurant gestalten wollen, war das ein großer Schritt für uns. Mittlerweile haben wir dann auch den Außenbereich und die Clublounge gemacht.

Dieses starke Vertrauensbekenntnis seitens des Kunden war für uns wichtig. Und wir hatten dabei auch irren Spaß. Das Restaurant konnte nach unserem Umbau den Umsatz und die Besucherzahlen steigern. Auch hat sich die Verweildauer der Gäste verlängert.

Ich arbeite nach dem Pipi-Langstrumpf-Prinzip „Mach dir die Welt wie sie dir gefällt“. Mit der richtigen inneren Einstellung kann man die Leute genau da erwischen, wo man sich selbst wünscht, dass es so etwas gäbe.

Wir haben zum Beispiel im Hotel eine Hollywoodschaukel angebracht. Ich finde es seltsam, wenn man den ganzen Tag in Bewegung ist und sich am Abend in statische Stühle setzen muss. Ich bin ein großer Fan von Hollywoodschaukeln und Schaukelstühlen, weil diese leichte Bewegung mich langsam von hundert Prozent Bewegung runterkommen lässt. Die Hollywoodschaukeln im Hotel sind auch immer besetzt. Die Leute lieben diese unkonventionellen und familiären Kleinigkeiten.

Sheraton Hannover, Restaurant, © Sheraton Hannover
Sheraton Hannover, Restaurant, © Sheraton Hannover

Kunstnürnberg: Euer Design hat sich auch auf die Verweildauer der Gäste im Restaurant positiv ausgewirkt. Wie habt ihr das gemacht? 

Markus Bischof: Es ist klar, dass die Gäste weniger Zeit in den Räumen verbringen als zu Hause. Wenn ich mir zu Hause eine Wand pink streichen würde, hätte ich vielleicht irgendwann einmal ein Problem. Es mag für eine Zeit extraordinary sein, aber irgendwann beißt es.

Im Hotel ist das etwas anderes, weil ich die Räumlichkeiten viel kürzer nutze. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, die Räume müssen hinsichtlich der Dimensionen, der Möbel und der Ausstrahlung so wirken, wie ich es mir zu Hause nie umsetzen würde, weil ich es mich nicht traue oder es mir nicht leisten kann.

Deswegen muss es in diesem Raum Highlights geben. Dann kommen Sideeffects und dann klingt der Raum so langsam aus. Durch die verschiedenen Perspektiven und Blickachsen, die wir gestaltet haben, entsteht Spannung und Neugierde bei den Gästen.

Sheraton Hannover, Lounge, © Sheraton Hannover
Sheraton Hannover, Lounge, © Sheraton Hannover

Wir versuchen auch die Räume unisex zu machen. Das heißt nicht, dass wir uns nichts trauen würden und das Thema ruhig halten möchten. Wir machen das Design extrem feminin und geben dem großen Ganzen etwas extrem maskulines an die Hand. Sowohl Frau als auch Mann sollen sich im Design wiederfinden.

Im Restaurant des Sheraton Hannover haben wir zum Beispiel riesengroße Leuchter eingebaut, die eine Abwandlung der klassischen Kronleuchter sind, aber im Auftreten mit Violett und Gold, würde man denken, okay, das ist die Frauennummer. Maskulin sind dagegen die hochtechnischen LED-Leuchten und Ringleuchten, die über Sensoren verfügen und die wir in Zwischenräumen platziert haben. An einer Wand haben wir außerdem ein Artwork installiert, das das Hotel farblich bespielen kann.

Kunstnürnberg: Wie muss man sich den technischen Entstehungsprozess eurer Arbeiten vorstellen?

Markus Bischof: Der Entstehungsprozess ist bei uns nicht technisch, sondern eher intuitiv. Das bereits erwähnte Pipi-Langstrumpf-Prinzip ist mir sehr wichtig. Wir sind heutzutage von so vielen Informationen gesteuert, dass wir meiner Meinung nach zu wenig auf uns selbst hören. Unser Kunden und werdenden Kunden sowie die Personen, die mit mir Arbeiten, wissen, dass es am Anfang ein absolutes Rechercheverbot gibt.

Sigma, © Markus Bischof
Sigma, © Markus Bischof

Wir haben ein Arbeitsthema, mit dem sich jeder selbst auseinander setzt. Ich frage mich, wie würde ich diese Aufgabe in meiner perfekten Welt lösen? Wie würde dieses Produkt aussehen bzw. der dieser Raum? Mir ist das einfach wichtig, damit sich die Leute selbst kennenlernen und auch ein Stück weit an Selbstbewusstsein gewinnen, bevor man sich in die klassischen Methoden stürzt und Analysen durchführt. Für unser Büro ist aber die wichtigste Methode mit der Intuition zu arbeiten.

Nachdem die Intuition auf Papier gebracht ist, würde man vom Kunden weitere Informationen einfordern oder Recherchen durchführen, wie z.B. eine Marktrecherche angehen. Was gibt es schon, was haben Mitbewerber schon gemacht?

Man macht Analysen, je nachdem, welchen Anspruch das Produkt mit sich bringt. Ob das nun die Wahrnehmung ist oder bestimmte Bauteile benötigt werden. Weiter geht es dann mit den Konzeptphasen, wo auch die intuitiven Anfangsüberlegen mit einfließen können. Meistens werden auch die intuitiven Konzepte von den Kunden bevorzugt, ohne dass der Kunde das weiß.

Es sind einfach die stärkeren und selbstbewussteren Konzepte. Es folgt die Ausarbeitung, es wird über mehrere Runden konkretisiert und schließlich landen wir beim Entwurf und dem Serienprodukt. So gestaltet sich der Werdegang eines Produktes bei uns. Außerdem sind Korrekturphasen notwendig, weil sich im Laufe der Zeit beispielsweise die Technik verändert hat. Weil es inzwischen Werkzeuge gibt, die besser arbeiten.

Kunstnürnberg: Welches deiner Produkte hat diese einzelnen Produktionsphasen perfekt durchlaufen? Auf welches Produkt bist du besonders Stolz, was ist dein Lieblingsobjekt?

Markus Bischof: Ich liebe alle meine Produkte, sonst würde ich sie auch nicht zulassen. Die Produkte sind für mich wie meine eigenen Kinder.

xitan.s, Mauser, © Markus Bischof
xitan.s, Mauser, © Markus Bischof

Ich bin jedoch sehr Stolz auf die Büromöbel (2016) aus Stahl für die Firma Mauser. Wir haben da unheimlich viel Intelligenz in ein Produkt gepackt, was das Produkt aber nicht so direkt zum Ausdruck bringt. Normalerweise wünscht man sich es ja andersherum. Gemeint ist damit: Das Produkt ist so selbstverständlich, vielseitig und intuitiv, elegant und zurückgenommen. Ich persönlich könnte es mir nicht besser vorstellen. Ob im Büro oder im privaten Bereich. In diese Möbel ist von unserer Seite sehr her viel Energie hineingeflossen. Ich sehe sie mir immer gerne an und freue mich über jedes Detail, dass am Ende auch realisiert werden konnte.

Toccata, Sattler, © Markus Bischof
Toccata, Sattler, © Markus Bischof

Es gibt aber auch andere Produkte auf die ich nach wie vor Stolz bin, wie die Holzleuchte Sigma, mein erstes Produkt am Markt, für das ich meinen ersten Designpreis bekommen habe. Oder die TOCCATA für die Firma Sattler. Eine Ringleuchte, die eine unheimliche Aufmerksamkeit erhalten hat und für die ich viel Lob erfahren habe. Gerade am Anfang freut man sich als Designer, wenn die Bestätigungen kommen. Ich könnte noch weitere Produkte nennen, aber ich bin vor allem froh, dass ich noch kein Produkt entwickelt habe, dass ich am liebsten im Keller vergraben würde.

© Markus Bischof
© Markus Bischof

Kunstnürnberg: Den Betrachtern deiner Objekte springt neben der Form sofort die Farbigkeit ins Auge…

Markus Bischof: … Mir ist Farbe unheimlich wichtig, weil sie einer wichtigen Dimension unserer Wahrnehmung entspricht. Das beste Beispiel sind für mich heutzutage Autos, die vor allem in schwarz, blau, weiß und silber auftreten. Da frage ich mich, was man in den 1970er Jahren richtiger gemacht hat (lacht).

Ich möchte auf Farbe nicht verzichten und ich finde das Farbe das Gegenwärtige ausdrückt und auch Teil unserer Persönlichkeit ist. Wir dürfen mutig sein. Gerade heutzutage, wo es tolle Farben mit ordentlicher Qualität gibt. Wir haben die Möglichkeit viele Farbe auf unsere Produkten zu individualisieren.

Deshalb finde ich es schön, wenn man ein farbenfrohes Umfeld hat. Genauso braucht man natürlich auch eine Art White Room, wo man einfach mal ein Screencleaning machen kann.

© Markus Bischof
© Markus Bischof

Kunstnürnberg: Was ist dieses Jahr noch bei dir geplant?

Markus Bischof: Es ist gerade sehr viel am werden und in der Vorbereitung. Wir bereiten uns gerade wie wild auf die nächstes Jahr anstehende Light + Building in Frankfurt am Main vor. Das ist die größte internationale Lichtmesse. Es wird diverse neue Leuchten geben, die wir auf der Messe zeigen werden.

leta, © Markus Bischof
leta, © Markus Bischof

Wir haben gerade eine weitere Tabakpfeife für die Firma Vauen herausgebracht: die „leta“. Außerdem bereiten wir gerade ein eigenes Küchenthema vor. Wir haben schon vor längerer Zeit ein Haus gemacht, das nun in die Exekutive geht. Und ich hoffe, dass in diesem Jahr noch einiges mehr dazu kommt. Man kann sich aber immer gut auf Instagram updaten, was bei uns gerade passiert.

Kunstnürnberg: Hast du noch einen Ausstellungstipp für unsere Leser?

Markus Bischof: Auf jeden Fall das Whitney Museum in New York. In Nürnberg ist mein Highlight Mittwoch Abend nach dem Büro einen Spaziergang im Germanischen Nationalmuseum zu machen und sich in aller Ruhe von der Historie inspirieren zu lassen und in einer ganz eigentümlichen Stimmung die Exponate wahrzunehmen.

Kunstnürnberg: Vielen Dank für das Interview.

Markus Bischof: Sehr gerne und vielen Dank! 🙂

Infobox

 

Hier können Sie einen Kommentar hinterlassen:

Please enter your comment!
Please enter your name here