Das Haus Pfeffermann in Nordheim v. d. Rhön wird für die Künstlerinnen und Künstler Sebastian Danneberg, Kerstin Liebst, Satoshi Morita, Natalie Obert, Kriz Olbricht, Andreas von Ow, David Semper und Jessica Twitchell für ein Jahr lang zum Ort ihres künstlerischen Schaffens.

Das Projekt Haus Pfeffermann

Andreas von Ow: Haus Pfeffermann
Andreas von Ow: Haus Pfeffermann

Während eines ganzen Jahres wird ein leerstehendes Haus in Nordheim v. d. Rhön zu einem Kunstlabor.

Acht Künstlerinnen und Künstler entwickeln Werke vor und mit dem Ort. Zusätzlich werden das Jahr über weitere Künstler zu einem Gastspiel eingeladen.

Im HAUS PFEFFERMANN werden Sinneseindrücke unterschiedlicher Art erfahrbar und die Gewohnheiten des alltäglichen Lebens ästhetisch herausgefordert. Das bis dahin ungenutzte Haus wird durch die künstlerische Intervention wiederbelebt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Somit wird in dieser Region ein Ort des Austauschs zwischen Ortsansässigen, Besuchern und jungen Gegenwartskünstlern geschaffen.

Die Künstlerinnen und Künstler

SEBASTIAN DANNENBERG

*1980 in Bottrop, lebt und arbeitet in Bremen

SEBASTIANDANNENBERG.COM 

Sebastian Dannenberg: white out 2016, Lack auf Wand, Putz, vorgefundene Architektur, the avalanches, Kunsthaus L6, Freiburg
Sebastian Dannenberg: white out, 2016, Lack auf Wand, Putz, vorgefundene Architektur, the avalanches, Kunsthaus L6, Freiburg

„Ich male. Ausgangspunkt für meine räumlichen und skulpturalen Interventionen ist der Versuch, Malerei dort zu zeigen, wo sie eigentlich nicht vorgesehen ist. Meine Malerei thematisiert die vorgefundene Architektur.

Sie beschreibt die Begrenzung des gebauten Raumes und lagert sich in das gestrichene und überstrichene Sediment der Wand ein. Die Malerei ist dabei scheinbar lapidar ausgeführt, Pinselstriche fransen aus, durch gemalte Flächen schimmert der Untergrund. Die Malerei versperrt physisch den Raum oder verweist auf Fehlstellen und Besonderheiten der Architektur. Alle Materialien und Handlungen sind wiedererkennbar und nachvollziehbar.“

KERSTIN LIEBST
*1980 in Unterwaldbehrungen, lebt und arbeitet in Unsleben (Rhön)

KERSTINLIEBST.DE

Kerstin Liebst: Aus der Serie Streifzug II, Du Musst Jetzt Digitalfotogra e Zürich, 2013
Kerstin Liebst: Aus der Serie Streifzug II, Du Musst Jetzt Digitalfotografie Zürich, 2013

„Ich bin in der Rhön aufgewachsen und geprägt durch deren vielfältigen Formen, Eigenheiten und Empfindungen. Meine familiären Wurzeln stammen von den hier ansässigen Strukturen.

Die Einladung, mit auswärtigen Künstlern im Haus Pfeffermann eine temporäre Ausstellung zu gestalten, führte mich gedanklich an die Herkunft, das Fundament meines persönlichen künstlerischen Antriebs:

Ich füge zusammen, integriere, montiere, zerlege, baue und probiere aus – aus Begrenzung und Mangel an Möglichem, aus existenziellen Unwägbarkeiten. Ich inszeniere Bilder und integriere eigene Gebilde in sich überschneidende Bedeutungsebenen und Kontexte.

Doch das Thema des einfachen, improvisierten Lebens früherer Zeit, das Sammeln von Materialien, der Humor, die Schönheit, die Widrigkeiten und dessen Ausgestaltung ist, was mich mit dem Haus Pfeffermann verbindet und meine künstlerische Arbeitsweise hervorgebracht und mitgeformt hat.“

SATOSHI MORITA
*1974 in Tokyo, Japan, lebt und arbeitet in Unsleben (Rhön)

SONICSPACELABS.COM

Satoshi_Morita: Skizze, 2017, Windlade mit Schleife
Satoshi_Morita: Skizze,
2017, Windlade mit Schleife

„Mein Interesse liegt auf der Zusammenwirkung von auditiver und haptischer Wahrnehmung, die von Klängen hervorgerufen wird.

Die neueste digitale Audiotechnologie ermöglicht einen leichten Zugang zur Klangerzeugung / Klangbearbeitung und eine komplexe Beschallung im Raum.

Im Gegenteil dazu ist der traditionelle Instrumentenbau sehr aufwendig und komplex, um einen gewünschten Klang zu erzeugen.

Hört man tatsächlich den Unterschied zwischen einem virtuellen Instrument, welches mit Lautsprecher hörbar gemacht wird, und einem echten Instrument? Was hört man wirklich von diesen beiden Tönen?

Für das Projekt im Haus Pfeffermann arbeite ich an einem Instrument, das durch den Orgelbau inspiriert ist. Das Instrument bezieht die architektonischen Elemente (z.B. die Deckenhöhe, die Länge von Fenster) des Hauses und seine Raumakustik mit ein und erzeugt so eine intime Hörerfahrung.“

Natalie Obert
*1981 in Villingen-Schwenningen, lebt und arbeitet in Berlin

SONICSPACELABS.COM

Natalie Obert:> r=1km ^ t=10‘=, 2016, Quark-Kalk- Farbe auf Farbkopie, DinA4 Installationsansicht: ORTSAUFNAHMEN: Bernau-Süd
Natalie Obert:> r = 1km ^ t = 10‘ =, 2016, Quark-Kalk- Farbe auf Farbkopie, DinA4 Installationsansicht: ORTSAUFNAHMEN: Bernau-Süd

„Ausgangspunkt für mein bildhauerisches Schaffen ist die Wechselwirkung zwischen dem Außen, der gebauten wie auch der sozialen Welt, und dem Innen, der geistigen Welt; die unterschiedlichen Räume bedingen einander und bilden unsere jeweilige Wirklichkeit.

Meine Skulpturen, Texte und Zeichnungen sind Beobachtungen und Zeugnisse dieser gegenseitigen Einflüsse und Eindrücke.

Die Gegend um Nordheim v. d. Rhön ist geprägt durch Abwesenheit. Überall erzählt die Architektur von besseren Zeiten, dem Wirtschaftswunder der 1950er und 1960er Jahre in der alten BRD, wie auch die Bewohner sehnsüchtig von der Vergangenheit sprechen:

damals, als noch die Amis und unzählige Bundeswehrsoldaten hier stationiert waren. Die Soldaten prägten das kulturelle Leben; es wurde getanzt, gegessen, getrunken – gefeiert.

Mit der Wiedervereinigung und der Abschaffung der Wehrpflicht fiel der Landstrich in einen Dornröschenschlaf.

ORTSAUFNAHMEN: Rhön – auf der Suche nach Geistern

Im Gegensatz dazu ist die eigenwillige Landschaft allgegenwärtig. Sie könnte helfen, dem strukturellen Wandel entgegenzuwirken.

Die Rhön ist Biosphärenreservat und soll Touristen anziehen. Die Landschaft hat diese Gegend schon immer beeinflusst. Es kursieren auch heute noch, in unserer so digitalisierten und modernen Gesellschaft, Geschichten über Naturgeister und Wesen, die hier leben sollen.

Während der Ausstellungsdauer von HAUS PFEFFERMANN mache ich mich auf die Suche nach den alten Geistern der Rhön: Vor Ort werde ich Bewohner interviewen, zeichnen, Tagebuch führen sowie Fotos und andere Erinnerungsstücke sammeln. Diese Eindrücke werden in einer sich wandelnden Installation zusammengeführt, die alten Erzählungen mit den jüngeren verwoben – eine Geschichte geschaffen.“

KRIZ OLBRICHT
*1986 in Freiburg, lebt und arbeitet in Köln

KRIZOLBRICHT.BLOGSPOT.COM

Kriz Olbricht: Bofli Wuppertal 2013, Lack auf Wand, Putz, vorgefundene Schachtabdeckung, Fliesen, Fliesenkleber
Kriz Olbricht: Bofli Wuppertal 2013, Lack auf Wand, Putz, vorgefundene Schachtabdeckung, Fliesen, Fliesenkleber

„Meine Arbeiten mäandern zwischen Malerei und Bildhauerei. Ein Großteil meiner Arbeiten sind ortsbezogen und konstituieren sich oftmals erst durch den Ort ihrer Präsentation.

Von Malerei ausgehend treten die Arbeiten in einen Dialog mit der Architektur. Meine Werkstoffe sind Alltagsmaterialien, welche oftmals aus dem Baubereich sind.

Im Dialog mit der Architektur stelle ich Fragen an Definitionen, Zuschreibungen, Aufgaben und Immanenzen von Kunst.

Teil meiner künstlerischen Praxis sind auch kuratorische Tätigkeiten. Dies schlägt sich in Gründungen von Projekträumen, wie z. B. dem Raum barcelona in Freiburg von 2012 – 2013, nieder.“

ANDREAS VON OW
*1981 in Freiburg, lebt und arbeitet in Berlin

ANDREASVONOW.COM 

Andreas von Ow: Backsteinwand (Bob’s Service, Wuppertal) 2013, Backsteine der Tankstelle in Wuppertal und Acrylbinder, auf Gebäuderückwand, ca. 2,50 x 11,00 m
Andreas von Ow: Backsteinwand (Bob’s Service, Wuppertal) 2013, Backsteine der Tankstelle in Wuppertal und Acrylbinder, auf Gebäuderückwand, ca. 2,50 x 11,00 m

„Die Farben löse ich aus den Dingen meiner Umgebung heraus, das Gefundene wird zu Pigment, zu Malerei.

Bestimmte Umstände provozieren meine Entscheidungen, mir augenfällige Materialien ihrer Farbe wegen anzueignen. Die Malerei fängt vor dem Malen an. Material und Herkunft werden in den Werkangaben genannt, bleiben aber lediglich Ausgangspunkt meiner Arbeiten, die Weiterverarbeitung bildet neue Zusammenhänge.

Die Arbeiten bestehen jeweils aus einer Farbe, sind oder bleiben aber nicht immer monochrom. Im Malprozeß zeigen sich die Farben der Materialien in vielen Schichten übereinandergelegt in ihren eigenen, reinen Farben. Licht und Zeit sind meist ebenso Bestandteil.

Oft interagieren die Arbeiten mit dem Ort, gehören zu ihm. Gezielte Setzungen greifen örtliche Eigenheiten auf und unterwandern sie manchmal zugunsten des Gesamteindrucks. Eine konsequente Bildträgererweiterung ist die Folge.

Den gesamten Monat April über werde ich Zeit haben zu sehen, was mir das Haus Pfeffermann und die Region bietet. Ich nehme die Einladung für die eindringliche Beschäftigung mit ihr sehr gerne an.“

DAVID SEMPER
*1980 in Wuppertal, lebt und arbeitet in Neuss

ANDREASVONOW.COM 

David Semper: >LA COTE D‘ALBATRE, 2015, Tafelkreide, gefundene Kreidebrocken,Tafelkreide eingesetzt und auf die Ebene des Kreidebrockens geschliffen, Setzung variabel
David Semper: >LA COTE D‘ALBATRE, 2015, Tafelkreide, gefundene Kreidebrocken,Tafelkreide eingesetzt und auf die Ebene des Kreidebrockens geschliffen, Setzung variabel

„Die alltägliche, kulturelle und geologische Geschichte von Materialien, Gegenständen und Orten bildet den Schwerpunkt meiner Arbeit.

Bei vorgefundenen Räumen und Gegenständen interessiert mich deren Vergangenheit, Materialität und ihre gegenwärtige Bedeutung. Die ortsbezogenden Objekte und Installationen sind häufig einmalige Interventionen.

Die „nomadischen“ Arbeiten sind festgelegte Ideen, die sich je nach Ausstellungssituation unterscheiden und transportabel sind.

Von diesen Werken entwickeln sich einige während einer Ausstellungsdauer (ohne mein Eingreifen) noch weiter, verblassen oder werden deutlicher. Andere Prozesse enden hingegen während des Ausstellungsaufbaus oder finden im Atelier statt. Diese Arbeiten beziehen sich entweder auf die Eigenschaften des Stoffes an sich: Graphit schmieren, Kalk verputzen, Blei treiben… oder sie zeigen sich als eine assoziative Verknüpfung mit bestimmten Elementen, Gegenständen oder Situationen.

Durch die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Zustände entstehen Arbeiten zwischen Zeichnung, Skulptur und Malerei.“

JESSICA TWITCHELL
*1983 in Mellrichstadt, lebt und arbeitet in Köln

JESSICATWITCHELL.COM

Jessica Twitchell: Inner Being Autonomy 2015, Stein im Gustavs Park, Essen DIN A2 O setdruck 400 x 230 x 280 cm
Jessica Twitchell: Inner Being Autonomy, 2015, Stein im Gustavs Park, Essen DIN A2 O setdruck, 400 x 230 x 280 cm

„Ich baue Objekte wiederhole, reproduziere und transformiere diese vom
drei- ins zweidimensionale Medium.

Eine gewisse bildhauerische, teils chronologische Umsetzung, die einen Innen- oder Außenraum erzeugen kann. Der Titel meines Vorhabens im Haus Pfeffermann lautet:

ORNAMENT UND SPUR

Das Haus ist das meiner verstorbenen Großeltern und starker Teil meiner Kindheit. Ich finde dort Details, die meine Erinnerung wecken, Erinnerungen, die mich ständig begleiten, und manches, an das ich mich nie erinnere, weil es für mich keine Rolle spielt. Aber ich gehe in dieses Haus und es erzählt in mir Geschichten und Begebenheiten.

Einem dualistischen Prinzip folgend lasse ich zwei Räume entstehen. Ein Raum wird mit einer zweiten ‚neuen‘ Haut in Form einer Plakatierung erschaffen. Diese ‚Haut‘ kann Wände, Boden und Decken überziehen und erzeugt eine Grenze zwischen dem Vergangenen und dem Jetzt.

Ein weiterer Raum entsteht durch einen pseudo-restauratorischen Eingriff. Unter alten Tapeten verstecken sich Malereien. Ich lege frei, was der Raum bisher verbarg. Es ist eine Art Entdecken, Freilegen, Entfernen.

Als Personifizierung eines Wesens, eines Geistes aus der Vergangenheit und dem Jetzt, wiederhole ich dieses Prinzip im übertragenen Sinn und gebe ihm eine Gestalt in Maskenform. Diese könnten an eine traditionelle, auch in
der Rhön gefeierten Maskenfasnacht erinnern oder aber durch einen ganz andernen Ausdruck eine gewissen Anziehungskraft ausüben.“

Zur Dokumentation des Projekts Haus Pfeffermann

Das Projekt beginnt am 01.04.2017 mit einer vierwöchigen Aufbauphase. Mit der anschließenden Eröffnung ist das Haus bis April 2018 dem Publikum zugänglich: bei den Nachbarn ist ein Schlüssel hinterlegt, den man sich abholen kann, um die Ausstellung
zu besuchen.

Über die Ausstellungsdauer verteilt wird die Ausstellung mit verschiedenen Veranstaltungen erweitert. Diese bieten zudem die Möglichkeit, die Installationen in ihrem jeweiligen Zustand zu besichtigen.

Es steht ein eingerichtetes Gästezimmer im Ausstellungshaus für Besucher bereit, die länger in der Ausstellung und in der Region verweilen möchten. Dadurch wird eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den Werken, dem Ort und der Landschaft möglich.

Der Dokumentarfilmer Akiro Hellgardt wird HAUS PFEFFERMANN in seinen unterschiedlichen Phasen filmisch festhalten.

Über die Website wird das Projekt dokumentiert und vermittelt, zudem können Besucher per Hashtag über Instagram wie in einem Gästebuch Bildmaterial der eigenen Ausstellungseindrücke hochladen und so an der Dokumentation mitwirken.

Die digitale und mediale Bestandsaufnahme transportiert die aus dem Projekt resultierenden inhaltlichen Fragestellungen und Erfahrungen ortsungebunden im digitalen Raum weiter.

Durch Screenings, Vorträge und Gespräche werden HAUS PFEFFERMANN an andere Orte weitergetragen, an Dritte vermittelt wie auch Interessierte nach Nordheim geführt.

Besucherinformationen

Andreas von Ow: Haus Pfeffermann
Andreas von Ow: Haus Pfeffermann
  • Eröffnung: 28. April 2017
  • Dauer: 28. April 2017 bis 27. April 2018
  • Ort: Von-der-Tann-Straße 20, 97647 Nordheim vor der Rhön
  • Informationen zu den Rahmenveranstaltungen und den Öffnungszeiten auf der Webseite
  • Anreise: per Auto, Zug, zu Fuß. Infos hierzu bitte ebenfalls der Webseite entnehmen.
  • Webseite Haus Pfeffermann und Instagram Haus Pfeffermann

Leider ist das Haus Pfeffermann nur sehr bedingt für Menschen mit starker körperlicher Behinderung zugänglich. Informationen, wo man den Schlüssel für das Haus bekommt, entnehmen sie bitte der Webseite.

 

 

 

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