Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Lorenz in Großgründlach im Norden Nürnbergs hat ihren Ursprung spätestens im 13. Jahrhundert und zeugt von einer bewegender Geschichte, die fast schon exemplarisch für eine Vielzahl von spätmittelalterlichen Kirchen im Nürnberger Umland stehen könnte.

Da neben der Kirche das Bürgeramt Nord von Nürnberg beheimatet ist, kennen viele Nürnberger die Kirche auch als Location für Hochzeiten.

Geschichte der Pfarrkirche St. Lorenz in Großgründlach, Nürnberg

St. Lorenz in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014

Chorturm von St. Lorenz und das Rathaus von Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014
Chorturm von St. Lorenz und das Rathaus/Standesamt von Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014

Geschichte von St. Lorenz in Großgründlach

Die heutige Kirche St. Lorenz hatte einen Vorgängerbau. Es war die Burgkapele der ehemaligen Burg, die von den Herren von Gründlach am Ende des 12. Jahrhunderts erbaut worden war. Teile der Gründlacher Burg stecken noch in den Kernmauern und Kellern des Hallerschen Schlosses.

Die Burg war der Sitz des Reichsministrialengeschlechts der Herren von Gründlach, bis die Familie 1314/15 ausstarb. Im Anschluss wurde die Burg 1348 umgebaut und das Zisterzienserinnenkloster Himmelthron in die Anlage integriert.

Im Zuge der Einrichtung des Klosters entstand an der Stelle der heutigen Kirche die Klosterkirche. Sie wurde mit der Westseite des Klosters verbunden. Das Refektorium (Speisesaal) und die Nonnenempore wurden in einem Verbindungsbau zwischen Kloster und Kirche untergebracht.

Nach dem Einzug der Reformation in Nürnberg, konvertierten im Jahr 1525 die letzten übrig gebliebenen vier Nonnen zum protestantischen Glauben, worauf hin das Kloster aufgelöst wurde.

Das Patronatsrecht der Kirche war zwischenzeitlich 1378 oder 1385 an den Rat der Reichsstadt Nürnberg übergegangen und lag seit 1572 bei der Familie Geuder, die die neuen Besitzer der Klosteranlage waren und diese für ihre Zwecke umbauten.

Hallersches Schloss in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014
Hallersches Schloss in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014

Brände und Kriege – Zerstörungen von St. Lorenz in Großgründlach

Die ehemalige Klosterkirche brannte im 2. Markgräflichen Krieg im Jahr 1552 komplett aus und wurde ab 1580 wieder aufgebaut. Bereits 1621 brannte der Kirchturm aus, was ein fahrlässiger Messner zur verantworten hatte. Der Turm wurde nach Plänen des Nürnbergers Hans Bein wiederhergestellt.

Auch der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verschonte Gründlach nicht. Das Dorf wurde mitsamt der Kirche und dem Schloss von Kurbayerischen Truppen zerstört. Jedoch blieben die Umfassungsmauern der Kirche teilweise erhalten.

Der barocke Wiederaufbau von St. Lorenz in Großgründlach

1674 wurden der Meister Hans Raschenhauer von Herzogenaurach und der Zimmermeister Lorenz Wächter von Bruck beauftragt, den Turm instand zu setzen und ein neues Glockengeschoss zu errichten.

Die Arbeiten dauerten von 1681 – 85 und haben die Zeit bis heute überdauert. Es wurde jedoch verzichtet den Verbindungtrakt (ehemaliges Refektorium und Nonnenempore) wieder aufzubauen, was sich einem verkürzten Kirchenschiff resultierte.

Chorturm von St. Lorenz in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014
Chorturm von St. Lorenz in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014

1719 konnte die Innenausstattung endlich abgeschlossen werden. Die gestiegenen Besucherzahlen der Kirche veranlassten eine Tieferlegung der Emporen, um eine zweite Empore einzuschieben.

Außerdem versetzte man die Kanzel auf die Nordseite der Kirche. Man brachte den Herrschaftsstuhl im Süden an, und baute dafür in einem Anbau an der Südseite eine Treppe an.

Uhr und Sonnenuhr am Chorturm von St. Lorenz in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014
Uhr und Sonnenuhr am Chorturm von St. Lorenz in Großgründlach, Nürnberg © Alexander Racz 2014

Als 1817 die Kirche renoviert wurde, versetzte man die Verschlussplatten der Bodengräber an die Wände. 1882 wurden beim Versuch die Kirche in gotischen Formen erstrahlen zu lassen, Gewölberippen eingezogen und der Chorbogen sowie die Fenstergewände mit gotisierenden Stuckprofilierungen verkleidet.

Diese historisierenden Maßnahmen wurden im Zuge einer Restaurierung im den Jahren 1954/55 wieder entfernt. Die acht Glasmalereien im östlichen Chorturmfenster wurden zudem wieder vereinigt.

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