Unen Enkh zeigt seine raumbezogenen Objekte im Galeriehaus Nord in Nürnberg.

Die Ausstellung Skulpturen und Objekte läuft vom 29. September bis 6. November 2016.

Unen Enkh, gebürtig 1958 in der Mongolei, studierte von 1981 bis 1988 an der Hochschule für Angewandte und Bildende Kunst in Prag und an der Hochschule für Bildende Kunst in Budapest, wo er auch das Meisterjahr der Kunstgrafik absolvierte. Seit 1988 lebt und arbeitet Unen Enkh in Freiburg im Breisgau.

Unen Enkh war 2015 zur Biennale in Venedig eingeladen und stellte im Mongolischen Pavillion aus.

Unten Enkh über die Ausstellung Skulpturen und Objekte und seine Kunst

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Kunstnürnberg: Wie wichtig ist der Raum bzw. die Räumlichkeit für das Wirken Ihrer Skulpturen?

Unen Enkh: Sobald ich etwas dreidimensionales darstelle, betrifft es den Raum. In einer Räumlichkeit ist für mich die Frage wichtig, wie wir ein dreidimensionales Objekt betrachten. Es muss in allen Sichtachsen und aus allen Winkeln wirken.

Ich gehe aber noch etwas weiter. In meinen Arbeiten versuche ich auch den inneren Raum eines Objekts zu zeigen. Innen und außen sollen als Ganzes und als Teil wirken. Der Raum und das Objekt sind auch das Ganze und ein Teil davon.

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Kunstnürnberg: Also das griechische „holon“ (ὅλος, hólos und ὀν, on „das Teil eines Ganzen Seiende“), ein Ganzes, das Teil eines anderen Ganzen ist.

Unen Enkh: Das holon wirkt für mich in allen Bereichen. Deshalb mache ich Objekte absichtlich transparent oder ich schaffe Hohlräume und Öffnungen in meinen Objekten. Es soll eine Unendlichkeit des Raumes entstehen. Der Raum dringt in die Objekte ein. Das ist mein Raumbegriff: Innen, außen und unendlich.

Kunstnürnberg: Die verwendeten Materialien, wie z.B. Filz und Rosshaar, haben eine direkten Bezug zu Ihrer Heimat, der Mongolei. Welche Rolle spielt Heimat und im Speziellen die Mongolei in Ihrem Werk.

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Unen Enkh: Materialien wie Filz oder Rosshaar sind typisch mongolische Nutzmaterialien. Mit Hilfe von Filz werden die Jurten, die traditionellen Nomadenzelte, errichtet. Und Rosshaar braucht man für die Verarbeitung von Stoffen oder Leder.

Die Nomaden verwenden Gebrauchsmaterialen, die ihnen die Natur gibt. Für meine Kunst sind solche Materialien wichtig, weil sie ein organisches Element am Objekt bedeuten.

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Das Organische bedeutet für mich den Biokosmos, während feste Materialien wie Eisen und Draht die Atome bedeuten. Für mich hat das Organische etwas physisches und das Feste etwas chemisches. Die Verflechtung dieser verschiedenartigen Materialien im Objekt stehen für mich für das Leben und dessen Vergänglichkeit.

Und was hat das nun mit Heimat zu tun? Ich kann nicht sagen die Werke seien mongolisch. Die Unendlichkeit der Landschaft und des Himmels, also die Horizontale und die Vertikale sind sehr stark präsent in der Mongolei und ungestört von Bauwerken, die die Sicht versperren. Vielleicht ist es diese räumliche Wahrnehmung, die mich interessiert.

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Kunstnürnberg: Wenn Sie ein neues Werk beginnen, haben Sie dann ein fertiges Objekt vor Augen oder entwickelt sich das Werk erst im Laufe des Schaffensprozesses? Wie gehen Sie in Ihrer bildhauerischen Arbeit vor?

Unen Enkh: Ich würde sagen, ich habe bereits eine Vorstellung im Kopf, die ich mir auch im Kopf erst einmal weiterspinne. Das versuche ich dann zu realisieren und im Prozess gibt es natürlich auch Änderungen. Die Objekte ändern sich also im Schaffensprozess, aber die grundsätzliche Idee bleibt.

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Kunstnürnberg: Sie haben 2015 die Mongolei auf der Biennale in Venedig vertreten. Wie unterscheiden sich die in Nürnberg gezeigten Arbeiten von jenen in Venedig?

Unen Enkh: Die Biennale in Venedig war eine andere Geschichte als meine Ausstellung hier im Galeriehaus Nord in Nürnberg. Aufgrund des Raumes in Venedig musste ich etwas anderes konzipieren.

An erster Stelle ist mir wichtig, ob die Objekte zu dem Raum passen und mit diesem funktionieren. So war es auch in meiner Ausstellung „Holon“ in Schwäbisch Gmünd im Jahr 2015, wo ich das Objekt extra für diesen Raum konzipiert habe.

Kunstnürnberg: Sie sind vor allem wegen Ihrer raumgreifenden Plastiken bekannt. Welche Rolle spielt heute Ihr druckgrafisches Werk?

Unen Enkh: Ich habe Druckgrafik studiert. Im Laufe des Studiums habe ich mich jedoch immer mehr mit dem Raum beschäftigt. Das Lineare der Grafik wollte ich ins Dreidimensionale übertragen. Das Zweidimensionale reichte mir nicht mehr, man ist immer zu begrenzt. Ich habe gemerkt, dass mir das nicht genug war. Die Druckgrafik stand also nur am Anfang und spielt heute keine große Rolle mehr in meiner Arbeit.

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg
Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. – 6.11.2016, Foto: K-nbg

Kunstnürnberg: Welche Ausstellungen oder Projekte sind in nächster Zeit geplant?

Unen Enkh: Oh, ich plane nicht. Wenn jemand interessiert ist und mich fragt, dann mache ich gerne mit.

Kunstnürnberg: Vielen Dank für das Interview.

Unen Enkh: Vielen Dank.

Besucherinformationen Unen Enkh „Skulpturen und Objekte“ im Galeriehaus Nord

 

Unen Enkh, Skulpturen und Objekte, Galeriehaus Nord, 29.9. - 6.11.2016, Foto: K-nbg

  • Adresse: Wurzelbauerstr. 29, 90409 Nürnberg
  • Ausstellungsdauer: 29.9. – 6.11.2016
  • Künstlergespräch: Sonntag, 6. November, 15 Uhr
  • Öffnungszeiten: Di – Mi 13 -16 Uhr, Do – Fr 11-13 Uhr und So 11-16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0911/ 553387
  • Webseite von Unen Enkh

Hier können Sie einen Kommentar hinterlassen:

Please enter your comment!
Please enter your name here