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Richard Lindner in der Galerie Hafenrichter

10. Juni 2016 bis 30. Juli 2016

Richard Lindner, Galerie Hafenrichter, Nürnberg

Richard Lindner – Leben und Werk

Richard Lindner (1901, Hamburg bis 1978, New York) war ein US-amerikanischer Maler und Grafiker, der seine Jugend- und Ausbildungsjahre in Nürnberg verbrachte.

Ab 1922 studierte Lindner an der Kunstgewerbeschule Malerei sowie Angewandte Grafik bei Professor Max Körner, der ihn zu seinem Meisterschüler ernannte.

Bis zu seiner Emigration nach New York im März 1941 arbeitete Lindner als Werbegrafiker und Illustrator in verschiedenen deutschen Städten wie Berlin, München, Nürnberg und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Paris.

Parallel zu seinen grafischen Arbeiten konzentrierte sich Richard Lindner ab dem Ende der 1940er Jahre auf die Malerei. Sein erstes bedeutendes Gemälde „The Meeting“ (MoMA, New York), ein symbolisch-absurdes Gruppenportrait von acht Personen, die sich aus Freunden, einer Frau im Korsett, König Ludwig II. und einer großen Katze zusammensetzt, in kräftigen Rot- und Schwarztönen, wurde 1953 fertiggestellt.

In den 1960er Jahren begann Lindners künstlerische Hochphase und seine Arbeiten wurden in internationalen Einzelausstellung sowie Gruppenausstellung im Kontext mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg und James Rosenquist gezeigt.

1968 betratt Lindner wieder die Kunstbühne Deutschlands, wo er an der 4. documenta teilnahm. Und auch nach Nürnberg sollte es seine Kunst verschlagen.

Die große Retrospektive „Richard Lindner“ des Musée National d’Art Moderne in Paris im Jahre 1974 wanderte neben Rotterdam, Düsseldorf und Zürich auch in die Frankenmetropole.

Richard Lindner: Confrontation 1977, Galerie Hafenrichter, Nürnberg
Richard Lindner: Confrontation 1977, Galerie Hafenrichter, Nürnberg

 

Richard Lindners Kunst ähnelt stilistisch Vorbildern der Neuen Sachlichkeit wie Werken von Otto Dix oder Christian Schad, also Protagonisten der deutschen Kunstszene während Lindners Studienjahren in Nürnberg.

Im Zentrum seiner Malerei steht immer die Figur, der Mensch. Gerne werden Lindners Werke aufgrund ihrer Farbig- und Flächigkeit der Pop-Art zugeordnet, was auch durch seine Teilnahme an der Ausstellung „Americans 63“ im MoMA zusammen mit Warhol, Lichtenstein, Oldenburg und Rosenquist offensichtlich erscheint. Lindner selbst bezog seine Einflüsse jedoch eher aus der italienischen Trecento- und Quattrocentomalerei:

„Ich bewundere die Pop-Art Künstler (…) Aber ich gehöre nicht zu ihrer Schule (…) Meine wirklichen Einflüsse sind Giotto und Piero della Francesca (…) Ich verbringe viel Zeit, sie anzusehen. Und ich hoffe, dass etwas von ihrer Kraft in meine Bilder eingegangen ist.“ (Spies, 1980).

Dennoch überträgt er auch Stilelemente wie die hart abgegrenzten Farbaufträge und die flächigen, geometrischen Formen aus der eigentlich abstrakten Hard-Edge-Malerei der 1960er Jahre in das Gegenständliche.

Um einen besseren Zugang zu Lindners Kunst zu erlangen ist die Kenntnis seiner Vorliebe für abstrakte Malerei wichtig.

So sagt er 1969:

„Mir gefällt die Gegenstandslose Malerei, etwa das Werk Frank Stellas. Das ist gar nicht erstaunlich, denn ich selbst bin eigentlich Hard-Edge-Maler.“ (Spies 1980).

 

Richard Lindner: Shoot 1977, Galerie Hafenrichter, Nürnberg
Richard Lindner: Shoot 1977, Galerie Hafenrichter, Nürnberg

Thematisch speisen sich Lindners Bilder aus seiner Biographie, und in den 1950er Jahren vor allem aus seiner deutschen Vergangenheit.

Das wiederkehrende Motiv des Korsetts referiert auf das von seiner Mutter ab 1913 betriebene Geschäft für maßgeschneiderte Korsetts in Nürnberg.

Die Figur des Königs Ludwigs II. von Bayern („The Meeting“ 1953, „Couple“ 1955) bezeugt Lindners selbst bekundetes Interesse an der bayerischen Geschichte und ihrer verklärten Romantik.

In den 1960er Jahren dagegen wechseln die Sujets zu Elementen des New Yorker Großstadtlebens (Gangster, Zuhälter, Prostituierte, Antihelden) mit denen Lindner monumentale Visionen der modernen existenziellen Entfremdung der Geschlechter im Hard-Edge-Stil schafft.

In der amerikanischen Großstadtkultur New Yorks findet Lindner Parallelen zum Berlin der 1920er Jahre mit seiner Energie und gleichzeitigen Morbidität und Dekadenz.

Die Straßen New Yorks werden zu der Bühne aus der Lindner seine Themen und Motive schöpft.

Ein Schlüsselwerk dieser Malerei ist „Telephone“ (1966, Neues Museum Nürnberg), das einen Mann und eine Frau zeigt, die Rücken an Rücken stehend in ihre Telefonhörer sprechen. Sie kommunizieren zwar, sind sich aber entfremdet und roboterhaft.

Als immer wiederkehrendes Motiv schafft Lindner ein entindividualisiertes, unerreichbares Frauenbild mit scharfen Umrissen und grellen Farben hinter einer Panzerung aus Korsett, Schminke und der typischen Roboterhaftigkeit von Lindners Figuren.

Richard Lindner, Galerie Hafenrichter, Nürnberg
Richard Lindner, Galerie Hafenrichter, Nürnberg

Lindners Bilder der 1960er und 1970er Jahre sind gesellschaftskritische Meisterwerke, die die Schattenseiten des modernen Großstadtlebens aufzeigen. Seine Bildwelten sind parallel zur Lebenswirklichkeit in New York von Konsum und Kommerz durchzogen, ohne Moral und eher eine absurde, beckmannsche Zirkusbühne als die Realität.

Das Bühnenhafte seiner Arbeiten formuliert Lindner kurz vor seinem Tod 1978 dann im Wartezimmergleichnis:

“Im wesentlichen interessiere ich mich für das Wartezimmer (…) das Wartezimmer des Lebens. Wir befinden uns alle in einem Wartezimmer. Wir warten auf den Tod.”

Infobox

  • Eröffnung: 10.06.2016 // 18 bis 21 UHR
  • Ausstellungsdauer: 10. Juni bis 30. Juli 2016
  • Galerie Hafenrichter, Fürther Str. 40, 90429 Nürnberg
  • Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 10.00 – 18.00 Uhr, Samstag 11.00 – 14.00 Uhr oder nach Vereinbarung
  • Webseite

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Veranstaltungsort

Galerie Hafenrichter
Fürther Str. 40
Nürnberg, 90429 Deutschland
Telefon:
+49 (0) 911-99 93 463
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