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Rafiki im Interview

Rafiki im Interview

„Ja lauf das Treppenhaus runter, Bornheim, unsere Crip, (geil) Klima Tundra, Zunge weiß, eben, das ist nicht gesund ja, Tür geht auf, Rauch – Bitte ruf meinen Lungenarzt“

Mit diesen Worten eröffnet der deutschlandweit etablierte Rapper Gianni Suave den Remix „Kreis“ mit der Possy rund um den Künstler Lukees.

Neben einigen bekannten Stimmen (z.B. Keys, Argonautiks), die man im zitierten Song entdeckt, fällt auch die Energie von Rafiki auf, der hier solide 16 Bars abliefert. Der Frankfurter MC ist schon seit längerer Zeit konstant expressiv und futuristisch, gepaart mit einer gesunden Dosis Surrealismus, im HipHop Cosmos unterwegs. Seine knallbunten catchigen Artworks, spiegeln Einflüsse aus den Bereichen PopArt und ComicArt wieder.

KunstNürnberg: Stell dich vor. (Name, Wohnort, Alter, Hauptbeschäftigung)

Rafiki (Nabaly), Frankfurt am Main, 26, Musik machen; Malen; alte Schuhe anmalen und kochen.

KunstNürnberg: Was steht bei Deiner Musik im Fokus?

Rafiki: Ich werde inspiriert durch ein Instrumental, also einen Beat, den ich bekomme. Wenn mir das taugt, entstehen ersten Gedanken und ein erstes Gefühl. Der Beat ist bei dem Prozess also essentiell. Ich brauche immer erst den Beat und mache deshalb generell keine Musik, wenn vorher kein Instrumental existiert. Das ist einfach die Grundvoraussetzung bei mir persönlich, um meinen Vibe für den Song einzufangen.

Wenn ich diesen „Vibe“ habe, fange ich den Moment dann meistens ein und schreibe das fast immer direkt auf.
Im Fokus ist also das Gefühl, welches ich habe. Das was ich meine, vermittle ich meinen Zuhörern mit dem Flow beim Rappen.
Ich find’s wichtig, dass es der erste Gedanke ist, der einem in den Kopf kommt, wenn man den Beat hört. Das ist dann meistens gut und den Gedanken sollte man befolgen, weil man sich sonst einfach vom ersten Gefühl wegbewegt.

KunstNürnberg: Wie wichtig sind Liveshows und direktes Feedback von deinem Publikum für eure Musik, für Ego und kreatives Schaffen? Gibt es geplante Auftritte?

Rafiki: Wir haben im Zeitraum von 2016 bis 2019 ab und zu Konzerte in kleineren Clubs oder Bars gespielt. Eher so zum Zusammenkommen von den Leuten. Wir hatten halt echt so ein Fundament gelegt und hatten das Gefühl, dass wir wirklich was Neues schaffen.

Momentan ist das nicht mehr so wichtig. Liveshows waren auch schon vor den Corona-bedingten Maßnahmen nicht mehr im Mittelpunkt, sodass ich mich eher auf Studiomusik und konzeptionelle Musik konzentriere. Mir machen Live-Auftritte und das macht schon Spaß, vor allem Freestyles und Open MICs mochte ich immer sehr.

Mittlerweile passiert meine Kunst eher an einem ruhigen Space, wenn ich alleine bin. Dazu passt es besser Konzepte zu gestalten. Deswegen bin ich allgemein fokussierter auf konzeptionelle Musikprojekte, wo ich allein mit meinen Gedanken bin. Und allgemein passiert die Musik aktuell auch eher in meinem engeren Kreis.

KunstNürnberg: Welche Städte und Communities inspirieren Dich am meisten?

Rafiki: Atlanta! Ich sage jetzt bewusst keine deutsche Stadt, weil Deutschland für mich teilweise nur eine Reproduktion amerikanischer Werke darstellt.

KunstNürnberg: In welchen Clubs und Orten trifft man Dich?

Rafiki: Corona-bedingt momentan vor allem Zuhause. Vor Corona bin ich ab und zu auch schon in Clubs gegangen. Aber am ehesten mag ich Sachen, die draußen sind. Oder zur Hälfte draußen und zur Hälfte überdacht. Meistens sind das Sachen, die so bisschen losgelöst sind von Clubs und Events. In Frankfurt haben wir zum Beispiel so einen alten Unicampus, der ist noch zur Hälfte oder zum Viertel aktiv. Auf dem alten Unicampusgelände gibt’s so ein Studentencafé, da sind manchmal Partys oder so Barabende, wo sich alle immer treffen konnten.

KunstNürnberg: Gibt es Rituale vor Studiosessions? Oder habt Ihr irgendwelche außergewöhnlichen Angewohnheiten, wenn ihr zum Beispiel ein Album kreiert?

Rafiki: Zum Musikkreieren finde ich es wichtig, dass auch nur Leute da sind, die Mukke machen, weil man sich halt sonst meistens unterhält, wenn jemand Anders dabei ist. Nicht absolut, aber ich brauche genug Platz, dass die Konversation nicht mehr Platz einnimmt als die Musik, an der grad gearbeitet wird.

Oft, wenn wir Musik zusammen machen, wird halt auch zusammen gegessen. Und bevor ein Projekt fertig gemacht wird, ruft man seine ganzen Leute zusammen und zeigt denen das Projekt einmal komplett.

KunstNürnberg: Machst du vor euren Aufnahmen irgendwelche Stimmaufnahmeübungen oder habt ihr hier Tipps für Nachwuchskünstler?

Rafiki: Ich mach keine Aufwärmübungen oder so etwas – ich mach das direkt am Mikrophon. Wenn ich aufnehme, brauche ich dafür manchmal ein paar Takes, bis ich die Vocals so performen kann, wie ich mir das vorstelle. Meistens sind das so 3-4 Aufnahmen bis der Take sitzt.

Für mich wäre es aber glaub ich (für die Zukunft) passend, wenn man das aufs Projekt bezogen macht. Also die Lines, die man dann rappt oder singt, dass man die halt dann in der Übung macht. Damit man sich nicht zu weit vom Projekt wegbewegt.

Vor kurzem erschien die Kollaboration „CATDOG“ von dir und dem Rapper Tubab.

Dominant sind die Produktionen von Jakepot und weiteren Beatmakern, in welchen auf ausschmückende Instrumente und melodische Elemente verzichtet wird. An diese Stelle treten harte Drums, Klänge, Töne und Geräusche. Zu guter Letzt nehmen energetische Rapflows und auch Pausen ihren Platz im Arrangement ein.

Diese Art von Produktionen kennt man aus Songs wie „Hot Shower“ von US-Rapper Chance the Rapper oder „Ponny“ von DadaDaddy Yung Hurn.

Am Ende der EP gibt es einen „Vibechange“ der eine aufregende Spannung erzeugt. Die letzten zwei Song begleiten BoomBab-mäßige Instrumentals.

KunstNürnberg Frage 8: Beschreibe das Projekt mit 5 Schlüsselwörtern.
Kurz und knackig, impulsiv, lustig, kingig, dumm.

Wie der ein oder andere vielleicht schon weiß, gibt es im HipHop Cosmos verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Reichweiten und „Größen“. Ab einer bestimmten Bekanntheit ist der Terminkalender von Rapstars so voll, dass es schwierig für sie ist, allen Nachfragen gerecht zu werden.

Samy Deluxe beispielsweise bewältigt dieses Problem, indem er schlicht und einfach nur die Projekte annimmt, die ihm gefallen (vgl. Interview 2016). Er achtet dabei null aufs Budget und zieht schon mal ein Interview mit einer Studentin einem größeren Deal vor. Nicht alle können so handeln, weswegen manche Künstler – um diese Hürde bewältigen zu können – nur bezahlte Features machen.

KunstNürnberg: Wahrscheinlich waren die Ressourcen bei deiner Produktion begrenzt. Wenn du alles zur Verfügung gehabt hättest, mit welchen „gekauften“ Features hättest du gearbeitet?

Rafiki: Grundsätzlich bin ich nicht an Features interessiert. Ich hab das Gefühl, in unserem Dunstkreis gibt’s Leute, die ich cool finde und mit denen ich gerne rappe, aber ansonsten könnte ich glaube ich nicht mal an einer Hand abzählen, welche Rapper ich in Deutschland feier. Vorstellbar wäre im Moment für mich nur ein feat mit Eloquent. Der ist ziemlich dope und ich habe gehört, dass man ihn bald auch auf modernen Produktionen hören kann.

Auf der anderen Seite find ich dieses Zusammenspiel von deutschen und englischen Lyrics bisschen schwierig. Das lässt sich nicht so richtig vereinen. Das Englische feier ich richtig, das ist wie so ein Film anschauen oder sowas in der Art. Das andere ist natürlich näher an meinem eigenen Leben, aber ich assoziiere andere Sachen damit.

Mein Lieblingsrapper ist Young Thug. Ich finde, das ist ein krass inspirierender Künstler:
Aber wenn ich mit dem auf ein Track gehen würde, das wäre ja so eine extra Panne… das würd‘ so gar nicht gehen… Aber natürlich, Yung Thug hat auch 1000 Tracks gemacht. Ich gehör dann auf jeden Fall zu diesen 800 Tracks, die man sich einmal anhört und danach nie wieder. Wenn es ginge, würde ich mit Backgroundvocals von Young Thug arbeiten. Optional würde ich für ein Feature mit ihm, eine Kleinigkeit auf Englisch machen. Das andere wäre mir schon etwas zu wild.“

KunstNürnberg: An dieser Stelle kannst du ergänzend gerne noch etwas über deine aktuelle EP Namens CATDOG erzählen:
Rafiki: EP heißt ja Extended Play und wir haben uns gedacht, dass es halt nicht so krass eine LP, also Long Player im Sinne von einem konzeptionellen Album darstellt.

Es ist halt einfach eine Zusammenstellung von Tracks, die wir in der Zeit sehr gefühlt haben. Am Anfang von der Lockdown Zeit, hab ich beim Tubab gewohnt, und da haben wir das so gemacht. Wir hatten eh nicht viel zu tun. Dann ist erstmal das POST-Ding gekommen und dann kam auch schon das CATDOG-Ding. Das erste Projekt ist in den ersten zwei Monaten Lockdown entstanden und das CATDOG ist dann im Dezember fertig gestellt worden, aber das ist im Laufe des Jahres entstanden.
Zum Soundbild kann ich sagen, dass meine Beats hauptsächlich von Jakepot produziert sind. Das ist ein Produzent aus meinem Freundeskreis. Er hat das Soundbild gestaltet, die Reihenfolge haben wir uns dann ausgedacht. Aber er ist trotzdem sozusagen der Architekt des Tapes. Wir wollten halt, dass es nicht zu lang geht. Es sollte kurz und knackig bleiben, dass es wie so ein kleiner Knall ist.

KunstNürnberg: Wer ist Katze und wer ist Hund?

Rafiki: Ich bin Hund und Tubab ist Katze. Der eine Rapkollege von uns hat mal gesagt, dass Tubab manchmal ein bisschen was von einem Kater hat. Und bei mir war das direkt mit dem Hund so: „Ok why not“? Obwohl ich mich nicht wirklich damit verbinde. Mein chinesisches Sternzeichen ist auch Hund.

KunstNürnberg: Vergleiche Albumresonanzen und Kritiken bzw. Reviews mit deiner Selbsteinschätzung.

Rafiki: Ich hab das Gefühl, ich bekomme eher positives Feedback. Wenn es negatives ist, wird es mir nicht gesagt und eher für sich behalten. Nicht unbedingt zu meinem Schutz sondern, weil man sich halt so denkt: „Ja es funktioniert nicht so“, oder „Die Musik taugt mir nicht so“, aber man sagt das vielleicht nicht. Ich habe einen Kumpel, der gibt mir schon seit Jahren immer Kritik. Der sagt dann halt so: „Versuch mal mehr zu singen“ oder „Versuch mal mehr des und des reinzubringen oder ein bisschen mehr über Sachen zu sprechen“.

KunstNürnberg: Wie wichtig sind euch Illustrationen, Artworks und Videos? Inwieweit werden sie auf euer Soundbild abgestimmt und wer ist dafür zuständig?

Rafiki: Illustrationen, Artworks und Videos sind mir superwichtig. Weil es oftmals der erste Eindruck ist. Nur ein Artwork, das dich anspricht, bringt dich dazu auf den Link zu klicken. Deshalb hat das einen sehr hohen Stellenwert.
Musikvideos haben mindestens einen genauso großen Stellenwert. Ich habe früher sehr viele Musikvideos geguckt. Ich glaub, ich bin davon etwas gebrainwashed und das natürlich nicht nur im positiven Sinne. Das finde ich schon immer sehr ansprechend. Krass find ich auch, was man sich damit für einen Kosmos schaffen kann.

KunstNürnberg: Müsst Ihr Euch in dem Bereich manchmal stark an Budges ketten?

Rafiki: Mit mehr Budget würde ich mehr in Musikvideos als in Artworks investieren. Weil, gefühlt haben wir bei uns im Dunstkreis so ganz viele Künstler, viele Illustratoren, die ich cool finde und auch feier. Aber so Videografen und sowas kenn ich nur bedingt und die Leute die ich feier, die kenn ich nicht persönlich. Da müsste man halt hinbrettern für Videos. Also ja, ich würde sehr viel mehr Geld für Videos investieren.

Artwork von @verenamack_

KunstNürnberg: Wie ist dein allgemeiner Standpunkt zu darstellender Kunst? Gibt es in diesem Bereich Traumfeatures? Machst du außer Rap noch andere Kunst?

Rafiki: Darstellende Künstler sind die Leute um mich, die ich feier. Das Kotburschi Kollektiv. Das sind meine Favorites der darstellenden Künstler sozusagen. Die haben jetzt schon länger keine Ausstellungen mehr gemacht, momentan ist der Fokus mehr auf Animation und Illustration.
Ich selbst male nur manchmal meine Schuhe an, aber das zähl ich nicht dazu.

KunstNürnberg: Welche neuen Strömungen siehst Du im HipHop? Was oder Wer wird sich deiner Meinung nach in Zukunft behaupten und durchsetzen?

Rafiki: Ich denke in Zukunft werden sich Leute durchsetzen, die nicht so ein krasses Gangster Image pushen, sondern eher mit Persönlichkeit strahlen. Ich meine Leute, die wirklich eher künstlerisch unterwegs sind und einem was aus dem Leben erzählen wollen.

Wenn ich an Cro denke, geht das schon grob in die Richtung. Für mich ist sein Struggle jedoch nicht so authentisch, dass man ihm das abkauft. Oder wenn Künstler wie Ufo361 mit Straßenhintergrund was Deepes machen, dringt das nicht so zu einem vor. Wenn viel Drogenverherrlichendes gepusht wird, bleibt, finde ich, auch viel Gefühl auf der Strecke. Also ich kann mir vorstellen, dass sich das bald noch mal anders äußert. Es gibt in diesem Format noch nicht wirklich Jemanden im deutschsprachigem Raum, der so eine Größe hat, dass man den jetzt wirklich auf dem Schirm hat. Am ehesten kommt da Rin an meine Vorstellung hin.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass Leute in Zukunft offener sind für gewagtere Performances und stupid Shit. „Antistyle“ würde ich das nennen. In dem Song „Ja Ok“ auf CATDOG gehen wir in diese Richtung, wobei Akteure wie Y.Hurn aka K.Ronaldo da nochmal eine Schippe drauflegen. Meine Vermutung ist, dass sowas in Zukunft positiver aufgenommen wird und vielleicht sogar auf Anerkennung trifft.

KunstNürnberg: Was war bis jetzt dein Lieblingsfeature?

Rafiki: Mein Lieblingsfeature bis jetzt war von meinen Freunden.

KunstNürnberg: Was inspiriert Dich? Welche Orte, Menschen, Musik oder Ereignisse haben einen Einfluss auf Dich?

Rafiki: Ich guck sehr gerne Filme und ich hör mir gerne Musik aus allen Genres an. Wenn sehr wenig davon durchsickert, also wenn man wenig mitbekommt, hab ich das Gefühl, dass es mich am meisten inspiriert. Also Sachen, die ich mir gern anschaue oder anhöre, das interessiert mich glaub ich am meisten.

KunstNürnberg: Welche Musik hörst du dir dann an?

Rafiki: Alles Mögliche. Von Jazz bis Funk, über brasilianische Musik, sowas wie Bassa Nova. Also fast alles außer elektronische Musik.

Vielleicht wird man ja in Zukunft doch den ein oder anderen seiner bemalten Schuhe in einer Kunstausstellung wiederfinden. Who knows? In diesem Sinne bedanke ich mich bei Rafiki und wünsche den Leser:Innen viel Vergnügen beim Lesen!

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