Monster. Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik kann noch bis zum 6. September 2015 im Germanischen Nationalmuseum besucht werden.
Monster. Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

Gemälde von Edvard Munch, Franz von Stuck und Max Beckmann sind eben- so vertreten wie grafische Blätter von Albrecht Dürer und Federico Zuccari. Der berühmte Codex Aureus Epternacensis ist zu sehen, das Einhorn der Altöttinger Einhornapotheke, aber auch die ironisch-satirischen „Monster des Alltags“ von Christian Moser aus dem Anfang des 21. Jahrhunderts.
Rund 230 Exponate aller Gattungen – von hochkarätigen Gemälden und Skulpturen über kostbare Buchmalereien und Wandteppiche bis hin zu modernen Filmplakaten und Videos – folgen den wechselvollen Spuren der Dämonisierung und Entdämonisierung fiktiver Gestalten und Geschichten. Ein Großteil der Objekte stammt aus der eigenen Sammlung, bedeutende Leihgaben aus dem In- und Ausland ergänzen die fulminante Schau.
Was macht uns Angst?
Die Ausstellung geht der Frage nach, wovor wir uns fürchten. Was macht ein Wesen in unseren Augen zum Unwesen, zu einem Monster? Auffällig ist, dass es meist das Fremde, Unbekannte ist, das uns Unbehagen bereitet. In die Schau gelangt der Besucher durch den eindrucksvollen Nachbau des Höl- lenmauls am Palazzo Zuccari in Rom, dort ein Zugang zu einem Garten. Unheimlich ist die Fratze, charmant die Idee, sie als Eingang zu nutzen. Bereits hier wird auf den Untertitel der Ausstellung verwiesen, dass das Monster sowohl grauenvoll als auch komisch sein kann.
Finster starrt durch das Tor die Darstellung eines Medusenhaupts von Franz von Stuck aus dem Jahr 1892. Stuck zeigt das Geschöpf der antiken Mythologie, von dem Ovid behauptet, dass sein Blick andere zu versteinern ver- mag, mit weit aufgerissenen Augen und dunklem Schlangenhaar. Von Stucks Medusa geht ebenfalls eine ambivalente Faszination aus: sie ist unheimlich und schön zugleich. Vor allem Ende des 19. Jahrhunderts galt manchem auch die Frau als „Monster“, als unbekanntes Wesen.
Von unheimlichen Tieren und wundersamen Menschen
Beeindruckend ist die große Kreativität, mit der Künstler sich mysteriöse Fabelwesen, halb menschliche, halb tierische Gestalten, vermeintliche Wundervölker oder Höllenbewohner erdachten. Einige der Fantasiefiguren orientieren sich am Aussehen von Tieren: der Drache, eine übergroße Echse mit Flügeln und dem Vermögen, Feuer zu speien, oder das friedliche Einhorn, ein Pferd mit Narwalzahn als Horn. Drei außergewöhnliche Leihgaben aus Italien zeugen von einem bizarren Ideenreichtum: Sirenen und Basilisken, die aus einem Rochen und aus Tierversatzstücken wie Fischschwanz, Vogel- klauen und Nagezähnen für Wunderkammern zusammengefügt wurden.
Andere Wesen basieren auf der menschlichen Figur: der sogenannte „Wilde Mann“, dessen Körper komplett behaart ist, oder Wundervölker und Be- wohner fremder Länder mit Ohren wie die eines Elefanten. Auch der Vampir gehört in diese Kategorie, der den friedlich Schlafenden das Blut aus den Adern saugt. Geschichten berichten von diesen Wesen, vom gefährlichen Drachen, gegen den der Heilige Georg kämpfte, von unheimlichen Teufeln und Dämonen, die einen in die Hölle hinabzuziehen versuchen, oder von Menschenfressern, die in der Fremde ihr Unwesen treiben. Sie alle verbrei- ten Angst und Schrecken, ihr Anblick einen wohligen Schauer.
Der gutmütige Drache
Im 19. Jahrhundert vollzieht sich ein Wandel in der Legendenbildung. Romane erscheinen, in denen sich die Hauptfigur den fremden Wesen zu nähern wagt und sie kennenlernen möchte. Das Fremde wird vertraut, der vermeintlich furchterregende Drache zum Freund und Beschützer. Vor allem Kinder- geschichten greifen dieses Motiv gerne auf. Stellvertretend steht dafür das Buch „Wo die Wilden Kerle wohnen“, in dem der kleine Junge Max schließlich von den im Wald lebenden „Wilden Kerlen“ zum König gewählt wird.
Kontakt
Auch der Karikaturist und Comiczeichner Christian Moser verleiht seinen „Monstern des Alltags“ eine menschliche Note. Sein Interesse gilt dem menschlichen Missverhalten. Der „Groll“ besitzt zwar spitze Zähne, mit den beleidigt vor der Brust verschränkten Armen erinnert er aber eher an ein trotziges Kind als an ein gefährliches Ungeheuer. Den negativen Eigenschaf- ten verleiht Moser eine ironisch-humorvolle Seite, die uns Menschen nahe ist. Das Monster verliert seinen Schrecken.
„Monster fesseln uns nicht erst seit der Erfindung des Kinos,“ betont Gene- raldirektor Prof. Dr. G. Ulrich Großmann. „Mit seinen umfassenden Samm-lungen ist das Germanische Nationalmuseum wie kein anderes dazu geeig-net, das Jahrhunderte überdauernde Interesse an fantastischen und bildgewaltigen Darstellungen des Andersartigen erstmals in dieser Opulenz zu präsentieren.“
Begleitend zur Ausstellung zeigt das Filmhaus Nürnberg ein umfangreiches Filmprogramm mit Klassikern der Stummfilmära, ausgewählten Horrorstrei-fen und monstermäßigen Kinderfilmen.
(Pressemitteilung GNM)
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Monster im GNM – Besucherinformationen
- Ausstellungsdauer: 7. Mai – 6. September 2015
- Germanisches Nationalmuseum, Eingang: Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg
- Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10 bis 18 Uhr; Mittwoch 10 bis 21 Uhr; Montag geschlossen
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