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Die fotoszene nürnberg e.V.* im Interview

Rudi Ott, Wo Licht ist, ist auch dunkel

Die fotoszene nürnberg e.V.* feiert ihren zehnten Geburtstag und bereitet gerade das Fotofestival 2021 vor. Im Interview erzählen die Mitglieder Jutta Missbach und Andreas Dietz von den Anfängen des Vereins, dem heutigen Vereinsalltag und berichten von den Planungen des Fotofestivals.

KunstNürnberg: Was war der Ausgangspunkt des Vereins fotoszene nürnberg e.V.*? Wie fing alles an?

Jutta Missbach: Die fotoszene feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag, aber eigentlich wird die fotoszene schon zwanzig. Im Jahr 2000 hatte alles seinen Anfang im Museum für Industriekultur. Auf Initiative von dem mittlerweile leider verstorbenen Herbert Liedel und dem damaligen Leiter des Museums Industriekultur, Matthias Murko hat sich damals eine Gruppe von Fotograf*innen zusammengefunden, um an einem Ausstellungsprojekt teilzunehmen.

Daraus hat sich dann ergeben, dass wir anfangs jedes Jahr eine Ausstellung im Museum gemacht haben. Später folgten weitere Fotoausstellungen an verschiedenen Orten. So waren wir unter anderem auf dem ehemaligen Triumph Adler- Gelände, haben im Hochbunker Landgrabenstrasse, auf Quelle und in der Kongresshalle ausgestellt. 2009 sind wir noch einmal ins Museum Industriekultur zurückgekehrt.

2010 haben wir uns dann schließlich zum Verein zusammengeschlossen. Wir waren damals 13 Gründungsmitglieder, von denen heute noch acht dabei sind. Es gibt im Verein immer wieder Wechsel, so dass auch neue Mitglieder dazugekommen sind. Viele Mitglieder sind über Ausstellungsprojekte zu uns gekommen.

Stefan Hippel, Ostsee

Unsere Träume von der eigenen Galerie wurden wahr, als wir nach längerer Suche auf dem Immobilienmarkt unseren Galerieraum im Atelier- und Galeriehaus Defet im Jahr 2014 beziehen konnten. Der Raum befindet sich im Erdgeschoss und hat eine Straßenseite, die sehr gut als Schaufenster funktioniert.

Andreas Dietz: Wir hatten lange überlegt, ob wir einen Verein gründen sollen, weil Vereinen natürlich auch immer der Ruf von Vereinsmeierei anhaftet. Einer der vielen Gründe, einen Verein zu gründen war, um so leichter an Geld für die Finanzierung unserer Ausstellungsprojekte zu kommen.

Es spielten also auch profane und strategische Gründe für die Vereinsgründung eine Rolle. Zusätzlich lassen sich in einem Verein die Mitglieder besser binden. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man in einem Verein organisiert ist. Wir haben jetzt eine Satzung und wir haben jedes Jahr eine Mitgliederversammlung. Das erzeugt eine starke Verbundenheit.

Steffen Kirschner, Elbsandsteingebirge

KunstNürnberg: Wie viele Ausstellungen macht die fotoszene nürnberg e.V.* pro Jahr?

Jutta Missbach: Es sind sechs bis acht Ausstellungen in unserem Galerieraum und, wenn möglich, ein externes Ausstellungsprojekt, wie beispielsweise die aktuelle Fotoausstellung am südlichen Bauzaun der Lorenzkirche in Nürnberg. Das war in der jetzigen Situation eigentlich ein Glücksfall, weil unser Galerieraum geschlossen bleiben muss, wir aber trotzdem Ausstellungen zeigen können.

KunstNürnberg: Wie viele Mitglieder gibt es momentan und wer kann Mitglied werden?

Andreas Dietz: Es sind aktuell 21 Mitglieder. Wir haben uns darauf geeinigt, dass prinzipiell jeder Mitglied werden kann, der sich professionell mit der Fotografie beschäftigt. Früher hatten wir das Credo, dass nur Berufsfotograf*innen dem Verein beitreten können.

Dann haben wir aber gemerkt, dass wir damit die Menschen, die sich zum Beispiel noch im Fotografiestudium befinden und noch nicht im Berufsleben stehen, ausschließen. Außerdem gibt es Menschen, die Fotografie, auch künstlerische Fotografie, mit einer Leidenschaft und mit Herzblut betreiben, aber sich damit allein nicht finanzieren können.

Bruno Weiß, How To Wrap Some More Sandwiches

Jutta Missbach: In der Regel erfolgt die Aufnahme auf Vorschlag von Mitgliedern. Die potenziellen Mitglieder werden zu Ausstellungen eingeladen. Wenn wir dann das Gefühl haben, das würde gut passen, wird das neue Mitglied in den Verein aufgenommen.

Es geht uns dabei einerseits um die Qualität der Fotografien, als auch um eine gute Chemie auf zwischenmenschlicher Ebene. Wenn man ein Projekt, wie zum Beispiel das Fotofestival stemmen will, braucht man aktive Mitglieder, die konsequent mitarbeiten.

Andreas Dietz: Wir haben seit 2018 die Öffnung des Vereins vorangetrieben und uns stärker der jüngeren Generation zugewandt. Wir haben Kooperationen mit der TH Nürnberg und der Fotoklasse der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und wollen über das Fotofestival jetzt auch Möglichkeiten schaffen, dass sich jüngere Fotograf*innen mit uns verbinden.

Wie Frau Missbach schon sagte, passt derjenige zu uns, der sich einbringen möchte. Es geht nicht nur darum, seine Bilder an die Wand zu hängen, sondern es geht natürlich auch um Verantwortung, das Übernehmen von Aufgaben und die Realisierung von Projekten.

James Edward Albright Jr., Der Markgraf kehrt zurück

KunstNürnberg: Jetzt kommen wir zu Corona. Wie ist der Verein bislang mit der Situation umgegangen?

Jutta Missbach: Es hat uns kalt erwischt. Wir waren gerade in der Endphase der Planung für das Fotofestival, das eigentlich dieses Jahr stattfinden sollte. Das war für mich wie mit 100 Stundenkilometern an die Wand zu fahren. Wir haben uns dann schnell überlegt, was man jetzt noch machen kann. Irgendwie musste es ja weitergehen.

Wir haben dann mit dem Lockdown angefangen, jeden Tag auf unseren Instagram-Kanälen @die_fotoszene und @fotofestivalnuernberg Fotos zu posten, quasi als virtuelle Ausstellungen. Auf dem Account des Fotofestivals Nürnberg haben wir dann in der Zeit Fotografien von Festival-Gästen gepostet, und so die Verbindung nach außen gehalten.

Jutta Missbach, Himmelfahrtskommando

Aus den virtuellen Ausstellungen auf Instagram ist dann die erste Bauzaun-Ausstellung entstanden. Wir wollten die Fotos, die in der Corona-Zeit im Frühjahr 2020 praktisch nur virtuell auf den Instagram-Accounts zu sehen waren, nun für alle Menschen in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Ausserdem wirken die großen Bilder analog nochmal ganz anders als eine Darstellung auf dem Handy oder Computer.

Bei den Fotografien der beiden Bauzaun-Ausstellungen handelt es sich nicht um die Fotografien, die eigentlich beim Fotofestival gezeigt werden sollten. Diese sind weiterhin unter Verschluss und werden erst im Frühjahr 2021 gezeigt. Mit der zweiten Bauzaun- Ausstellung wollen wir einige Teilnehmer des Festivals schon mal vorstellen und die Vorfreude auf das Festival steigern.

Andreas Dietz, Dresden

KunstNürnberg: Das Fotofestival sollte bereits im April diesen Jahres stattfinden und musste schließlich auf 2021 verschoben werden. Um was dreht sich das Fotofestival Nürnberg?

Andreas Dietz: Wir hatten 2020 die Idee, ein großes Eröffnungswochenende mit Vernissagen an verschiedenen Orten zu veranstalten. 2021 wird das anders sein. Wir werden das Festival zeitlich in die Länge ziehen und eben kein großes Eröffnungswochenende planen.

Die verschiedenen Ausstellungsorte des Fotofestivals, wie z.B. das Kunsthaus, das Kunstkontor und natürlich unser Galerieraum (um nur einige wenige zu nennen), wechseln sich zeitlich ab. So ist alles weniger konzentriert. Ich bin überzeugt davon, dass dieses Festival eine gewisse Spannung lösen wird, denn im Moment passiert kulturell einfach viel zu wenig in der Stadt. 

Udo Reinhardt, ohne Titel

Die Eröffnung ist für den 17. April 2021 geplant. Außerdem ist in Planung auch in den öffentlichen Raum zu gehen. Wir werden dieses Festival, das sich hauptsächlich um die künstlerische Fotografie dreht, um aktuelle Themen ergänzen. Wir sind gerade in Kontakt mit der Agentur Ostkreuz aus Berlin, die sehr viel mit dokumentarischer Fotografie arbeitet.

Wir brauchen hier in Nürnberg auch Input von außen, um eine gewisse Relevanz zu haben. Es ist nur zeitgemäß, auch über den eigenen Tellerrand zu schauen. Deswegen haben wir auch die Kooperation mit der Ohm-Hochschule und mit der AdBK Nürnberg gesucht. Zusätzlich haben wir aus den vier Nürnberger Partnerstädten (Glasgow, Krakau, Charkiw und Nizza) junge Fotograf*innen eingeladen. Das wird eine spannende Geschichte! 

Jedes Mitglied der fotoszene nürnberg e.V.* hat außerdem noch einen überregionalen Gast eingeladen. Mit dabei sind u.a. Fotograf*innen aus Amsterdam, Wien, aus Frankreich, aber auch aus Berlin und Hamburg.

KunstNürnberg: Wir sind gespannt auf die vielen Positionen des ersten Fotofestivals der fotoszene nürnberg e.V.*!

Sebastian Autenrieth, ohne Titel
Mile Cindric, the End Of A Summer Part
Martina Angerer, Schwarzachklamm
Lena Mayer, Lebensmitte Gostenhof
Julia Puder, Serie „fantasy“
Anika Maaß, Das Dahinter

Die fotoszene nürnberg e.V.* im Netz


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