sculpture and jewellery – Galerie Zink Waldkirchen
24.01. – 8.3.2026
Die Illusion von Räumlichkeit, von Tiefe und Volumen entsteht in der Malerei durch das Spiel von Hell (chiaro) und Dunkel (oscuro) – durch das gezielte Setzen von Licht und Schatten. Künstler wie Caravaggio oder Rembrandt beherrschten diese Technik meisterhaft: Ihre Szenen treten erst allmählich aus der Dunkelheit hervor, je länger das Auge des Betrachters sich an das Dunkel gewöhnt. Licht und Schatten bedingen einander – sie sind Gegensätze, aber untrennbar verbunden. Ihre Spannung erzeugt Leben und Dynamik, ihre Wechselwirkung enthüllt, was verborgen ist.
Auch im Werk von David Bielander wird das Prinzip des Chiaroscuro auf faszinierende Weise lebendig – nicht im malerischen, sondern im plastischen Sinn. Sichtbares trifft auf Verborgenes, das Offensichtliche auf das Zweideutige. Seine Arbeiten leben von Kontrasten: zwischen Material und Erscheinung, Leichtigkeit und Gewicht, Witz und Ernst.
David Bielander, 1968 in Basel geboren und heute in München tätig, zählt zu den international bedeutendsten Schmuckkünstlern seiner Generation. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Bildhauerei, Konzeptkunst und angewandter Gestaltung – mit einer künstlerischen Sprache, die ebenso subversiv wie präzise ist.
Auf den ersten Blick erscheinen seine Objekte wie alltägliche Gegenstände: eine Krone aus Pappe, ein Schlauchstück, ein Tierkörper. Doch diese Illusionen trügen. Was scheinbar banal wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als technisch aufwendig gefertigtes Kunstwerk – aus edlen Materialien wie Silber, Gold oder Titan. Bielander spielt mit Wahrnehmung, bricht Sehgewohnheiten und unterläuft Erwartungen.
Seine Werke sind weit mehr als Schmuck: Sie sind tragbare Skulpturen, soziale Plastiken, die erst durch den Kontakt mit dem Körper, mit der Bewegung und dem Blick anderer vollendet werden. So wie das Licht im Chiaroscuro den Schatten braucht, um Form sichtbar zu machen, braucht Bielanders Schmuck die Beziehung – zwischen Objekt und Träger, zwischen Betrachter und Bedeutung.
In seiner künstlerischen Praxis reflektiert Bielander grundlegende Gegensätze: leicht und schwer, echt und falsch, profan und kostbar, privat und öffentlich. Mit feiner Ironie und handwerklicher Präzision verwandelt er das Kleine in etwas Großes, das Alltägliche in das Außergewöhnliche.
Wie im Chiaroscuro entsteht auch in Bielanders Werk die wahre Tiefe aus der Polarität. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Illusion und Substanz, Oberfläche und Tiefe, Individualität und gesellschaftlichem Kontext – und werfen dabei Licht auf die verborgenen Ebenen unserer Wahrnehmung.
Diese Ausstellung bietet einen umfassenden Einblick in 20 Jahre Bielanders Schaffen – und zeigt, wie eindrucksvoll sich aus der Verbindung von Kunst, Handwerk und Konzept ein Werk
Vernissage: Samstag, den 24. Januar 2026, um 16 Uhr in Waldkirchen.



