Die Sonderausstellung “Vertriebene – Flucht und Neuanfang” im Weißen Schloss Heroldsberg beleuchtet die Geschichte der Menschen, die nach 1945 aus ihrer Heimat in Pommern, Schlesien, Ostpreußen, dem Sudetenland, Ungarn oder Rumänien nach Franken kamen. Anhand von Beispielen aus Heroldsberg und dem damaligen Landkreis Erlangen veranschaulicht die Ausstellung die Herausforderungen und Chancen, denen sich die Vertriebenen beim Neuanfang in Bayern stellten.
Der Zuzug vieler Sudetendeutscher, insbesondere aus dem Egerland, veränderte die Struktur der Orte in der Region nördlich von Nürnberg erheblich. Da Aufnahmelager wie in Tennenlohe nicht ausreichend Platz boten, mussten viele Einwohner die Neuankömmlinge bei sich aufnehmen, was zunächst zu Konflikten führte. Die Integration der Vertriebenen war eine große Herausforderung, der sich Regierung und verschiedene Organisationen annahmen, indem sie Wohnraum, Arbeit und soziale Unterstützung bereitstellten.

Foto: Hans Tschira, Museum Grimma

Ein bedeutender Arbeitgeber in der Region waren die Vereinigten Papierwerke in Heroldsberg, die vielen Vertriebenen eine Anstellung boten. Der Wirtschaftsaufschwung der 1950er Jahre förderte den sozialen Aufstieg vieler Menschen, und der Bau neuer Siedlungen mit Ein- und Mehrfamilienhäusern schuf wichtige Perspektiven für die Neuankömmlinge. Die Vertriebenen integrierten sich schnell und wurden zu einem wichtigen Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung Bayerns.Sie brachten ihre eigene Kultur und Traditionen mit, die die kulturelle Vielfalt der Region bereicherten.
Die Ausstellung präsentiert Bild-Text-Tafeln, historische Fotografien, Dokumente sowie Audio-Zeitzeugeninterviews, die Einblicke in das Leben der Vertriebenen in ihrer neuen Heimat geben. Persönliche Geschichten der Heroldsberger Familien Püchner, Fiedler und Hauenstein veranschaulichen das Erlebte für die Besucher. Besondere Exponate sind Gemälde des Künstlers Fritz Heidingsfeld aus Pommern, eine Geige, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Schönbacher Geigenbauer im Erlanger Umland gefertigt wurde, sowie eine Tracht aus dem Egerland.
Die Ausstellung wurde von Dr. Alexander Rácz kuratiert. Ein Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Exkursionen sowie ein Katalog ergänzen die Ausstellung. Für weitere Informationen können Sie sich hier den Ausstellungskatalog herunterladen: