Die Kunsthalle Nürnberg in der Lorenzer Straße 32 ist ein wichtiger Standort für Wechselausstellungen aktueller zeitgenössischer Kunst in Nürnberg.

Grund genug, um die Geschichte des mittlerweile knapp über 100-jährigen Gebäudes Revue passieren zu lassen und um sich zu erinnern, was die Kunsthalle einmal war und wie sie sich zu dem gewandelt hat, was sie heute ist.

Denn es ist wichtig die Geschichte hinter den Gebäuden, Sehenswürdigkeiten und Kunstorten zu kennen. So versteht man einfach besser das „Warum“ und welche Bedeutung dahintersteckt.

Als Kunsthistoriker laufe ich mit offenen Augen durch Nürnberg und entdecke ständig neue Details und Interessantes, das ich mit meinen Freunden im Gespräch oder hier auf KUNSTNÜRNBERG teile.

Wie ein großes Puzzle fügt sich so ein Bild der Stadt zusammen, das mit jeden Puzzleteil klarer und deutlich wird.

Es ist von Vorteil seine Stadt zu kennen, um auch aktiv an ihrer Gestaltung mitarbeiten zu können.

Was im Urlaub für viele selbstverständlich ist, nämlich einen Tag Sightseeing zu machen, kommt am eigenen Wohnort oftmals zu kurz.

Ich kenne viele Nürnberger, die schon im New Yorker MoMa, der National Gallery in London oder der Neuen Nationalgalerie in Berlin waren, aber das Germanische Nationalmuseum mit seiner international hervorragenden Sammlung, zum letzten Mal zu Schulzeiten besucht haben.

Um diesem Zustand entgegen zu wirken, stelle ich in meinen Kategorien Sehenswürdigkeiten und Hotspots wichtige Denkmäler, Gebäude und Kunstorte vor.

In die Artikel packe ich alle relevanten Informationen und einige Abbildungen.

So kann jeder vom Sofa daheim etwas über Nürnberg lernen, um die Stadt mit neuen, frischen Augen kennenzulernen. Vor Ort soll so jeder fundiert über Nürnbergs Bauwerke und Kunst reden können und das gewonnene Wissen verbreiten.

Im diesem Artikel richte ich die Aufmerksamkeit auf die Kunsthalle Nürnberg (ehemals Fränkische Galerie) und skizziere die wechselvolle Geschichte des Gebäudes am Marientorzwinger.

Außerdem habe ich noch eine kleine Architekturbesprechung der Fassade im Unterschied zur ursprünglichen Fassade der Vorkriegszeit eingearbeitet.

Die Geschichte der Fränkischen Galerie

Kunsthalle Nürnberg, Fassade
Kunsthalle Nürnberg, Fassade

Im Zuge der Errichtung des Künstlerhauses zwischen Königstor und Marientor entschied im Jahr 1905 der Erste Bürgermeister Georg v. Schuh ein weiteres Ausstellungshaus zu errichten.

Das Ausstellungsgebäude sollte Kunstwerke von Künstlern aus Nürnberg und auch Franken präsentieren.

Außerdem sollten in dem Gebäude Räumlichkeiten für den Albrecht-Dürer-Verein geschaffen werden und Teile der Städtischen Kunstsammlungen einziehen.

Die neue „Kunst-Ausstellungs-Halle“ wurde mit finanzieller Unterstützung des Stifterehepaars Oskar und Elisabeth v. Petri am 12. Oktober 1913 als Fränkische Galerie mit einer Ausstellung der Nürnberger Kunstgenossenschaft eröffnet.

Kunsthalle Nürnberg, Westseite
Kunsthalle Nürnberg, Westseite

Die Errichtung des Gebäudes von 1912 bis 1913 nach Plänen des Architekten Otto Seegy schloss das Ensemble des Künstlerhauses (heute bekannt als Künstlerhaus/K4) ab und machte den Stadtmauerbereich zwischen Königstor und Marientor zu einem wichtigen Ort für Kunst in Nürnberg.

Übrigens: Der Architekt Otto Seegy baute auch das gegenüber der Kunsthalle gelegene Geschäftshaus mit der Gaststätte Marientorzwinger.

1930 veranlasste der Oberbürgermeister Hermann Luppe die Aufspaltung der 1920 gegründeten Städtischen Galerie, die im Künstlerhaus untergebracht war.

Kunstwerke von fränkischen Künstlern wurden unter der Leitung des Museumsdirektors Fritz Traugott Schulz in die benachbarte Fränkische Galerie überführt. Die Dauerausstellung umfasste Werke von Johann Adam Klein und Anton Sperl sowie Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die noch lebten.

1937 änderte sich das Ausstellungskonzept hin zur Präsentation von Wechselausstellungen.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten schließlich alliierte Bombenangriffe die Fränkische Galerie stark.

Die Fränkische Galerie in der Nachkriegszeit

Kunsthalle Nürnberg, Ansicht
Kunsthalle Nürnberg, Ansicht

Ein Vergleich der ursprünglichen Fassade mit der in den Nachkriegsjahren rekonstruierten Schauseite macht die Veränderungen deutlich.

Sofort fällt auf, dass die Fassade architektonisch vereinfacht wurde.

Die zweigliedrigen Fenster seitlich der Portikus wurden zugesetzt.

Auch verschwand das Kranzgesims und der Bereich über den Säulen.

Hier ersetzte man das Zwerchhaus/Dachgaube mit den charakteristischen ovalen Fenstern und Konsolen durch eine gleichförmige Reihe aus sieben Fenstern.

Die ursprüngliche Dachform wurde ebenfalls aufgegeben: Das zerstörte Mansarddach wurde durch ein einfacheres Walmdach ersetzt.

Der größte Fehler war sicherlich die Aufgabe des Bereich über den Säulen. Diese wichtige Partei zur Hervorhebung des Eingangsbereichs vermisst man heute leider sehr.

Die neue Fensterreihe passt nicht zum Bau und der mit den Säulen hervorgehobene Eingangsbereich wirkt etwas allein und verloren.

Das Mansarddach und die Oculi (ovale Fenster) waren ein wichtiger Teil des ursprünglichen Erscheinungsbildes, die man bei der heutigen Betrachtung im Hinterkopf behalten muss.

In seiner vereinfachten Form wirkt das Gebäude nicht wie eine repräsentative Kunsthalle, sondern eher wie ein Schulhaus/Verwaltungsbaus auf dem Land.

Dennoch war es richtig die Kunsthalle nach dem Krieg zu rekonstruieren und zu erhalten und nicht abzureißen, wie es mit vielen Nürnberger Bauten gemacht wurde.

(Leider war es nicht möglich ein geeignetes Foto des ursprünglichen Zustandes hier zu publizieren. Ich verweise daher auf die Abbildung „Ausstellungshalle der Fränkischen Galerie , Fotografie 1913 (StadtAN)“ im Stadtlexikon Nürnberg, S. 296. Falls jemand ein historisches Foto besitzt, würde ich mich freuen, diesen Artikel mit dem Foto zu ergänzen.)

Überregionale zeitgenössische Kunst zieht in die Fränkische Galerie ein

Nach der Beseitigung der Kriegsschäden nahm die Fränkische Galerie ihre Funktion als Ausstellungshalle wieder auf.

Neben Gruppenausstellungen von Künstlervereinen wie dem Kreis oder der Hütte fanden auch Verkaufsausstellungen von Nürnberger Künstlern statt.

1952 änderte sich das Ausstellungskonzept weg von regionaler, hin zur überregionalen zeitgenössischen Kunst.

Maßgeblich verantwortlich für diesen Wandel war die Initiative des Kunsthistorikers und Direktors des Germanischen Nationalmuseum Ludwig Grote (*1883 in Halle und † 1974 in Gauting).

Nur Teile der älteren Dauerausstellung wanderten in das Stadtmuseum Fembohaus, während der Großteil der Bilder im Depot verschwand. Diese Werke sind erst seit 2014 wieder zu sehen und haben mit dem denkmalgeschützten Gebäude der Kunstvilla in der Blumenstraße 17, 90402 Nürnberg, eine neue Heimat gefunden.

Aus der Fränkischen Galerie wird die Kunsthalle Nürnberg

Eingang der Kunsthalle Nürnberg
Eingang der Kunsthalle Nürnberg, rechts Spraybanane des Künstlers Thomas Baumgärtel.

1967 wurde das Gebäude schließlich in Kunsthalle Nürnberg umgetauft und nach einem Beschluss des Stadtrates als „Ort für Wechselausstellungen aktueller zeitgenössischer Kunst“ definiert.

Der Gründungsdirektor der Kunsthalle Nürnberg, Dietrich Mahlow (*1920 in Seehausen und † 2013 in Darmstadt), machte das Haus mit Ausstellungen wie den bis 1971 stattfindenden Nürnberger Biennalen über die Region hinaus bekannt.

Die Kunsthalle hatte die Funktion eine Städtische Kunstsammlung internationaler zeitgenössischer Kunst aufzubauen und zu kuratieren sowie Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst zu präsentieren.

Außerdem formte sich unter Dietrich Mahlow das Konzept eines Städtischen Museums der Moderne.

Mit der Planung und dem Bau des Neuen Museums am Klarissenplatz endete 1997 die Sammlungstätigkeit der Kunsthalle, als die Bestände an das Neue Museum übergeben wurden.

Wie definiert sich die Kunsthalle Nürnberg heute?

Kunsthalle Nürnberg, Westseite
Kunsthalle Nürnberg, Westseite

Die Kunsthalle richtet ihren Fokus auf die Präsentation von Wechselausstellungen zur deutschen und internationalen Kunst seit den 1960er Jahren.

Außerdem trägt die Institution zur Pflege, Förderung und Vermittlung der Kunst des 20. Jahrhunderts bei.

Seit 1996 unterstützt der Förderverein Contemporaries e.V. die Kunsthalle.

Im letzten Jahr sind hier auf KUNSTNÜRNBERG bereits einige Artikel zu Ausstellungen in der Kunsthalle erschienen. Ein schneller Blick auf das letzte Jahr lohnt sich sicherlich:

To-Do-Liste für deinen Besuch der Kunsthalle Nürnberg

Ich empfehle einen Blick auf die alte Fotografie des Gebäudes im Stadtlexikon Nürnberg, S. 296 und anschließend einen Vergleich vor Ort mit dem heutigen Gebäude.

Ein guter Zeitpunkt für einen Besuch der Kunsthalle ist sicherlich der Tag, an dem eine neue Ausstellung eröffnet. Aber auch sonst lohnt sich ein Besuch immer wieder.

Wer sich nach seinem Besuch noch nicht satt gesehen hat, dem empfehle ich die nur einige Minuten entfernte Kunstvilla anzusehen. Dieses Museum hat 2014 eröffnet und präsentiert Teile der Sammlung, die ursprünglich auch in der Fränkischen Galerien hingen.

Literatur

  • Michael Diefenbacher / Rudolf Endres (Hgg.): Stadtlexikon Nürnberg, 2. Aufl., Nürnberg 2000.

Besucherinformationen der Kunsthalle Nürnberg

Kunsthalle Nürnberg, Portikus
Kunsthalle Nürnberg, Portikus
  • Adresse: Lorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg
  • Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 – 18 Uhr; Mittwoch 10 – 20 Uhr; Montag geschlossen
  • Webseite der Kunsthalle Nürnberg

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