Die Kunsthalle Nürnberg in der Lorenzer Straße 32 ist ein wichtiger Standort für Wechselausstellungen aktueller zeitgenössischer Kunst in Nürnberg.

Grund genug, um die Geschichte des mittlerweile knapp über 100-jährigen Gebäudes Revue passieren zu lassen und sich zu erinnern, was die Kunsthalle einmal war und wie sie sich zu dem gewandelt hat, was sie heute ist.

Die Fränkischen Galerie

Kunsthalle Nürnberg, Fassade

Kunsthalle Nürnberg, Westseite

Im Zuge der Errichtung des Künstlerhauses zwischen Königstor und Marientor entschied im Jahr 1905 der Erste Bürgermeister Georg v. Schuh ein weiteres Ausstellungshaus zu errichten.

Das Ausstellungsgebäude sollte Kunstwerke von Künstlern aus Nürnberg und auch Franken präsentieren.

Außerdem sollten in dem Gebäude Räumlichkeiten für den Albrecht-Dürer-Verein geschaffen werden und Teile der Städtischen Kunstsammlungen einziehen.

Die neue „Kunst-Ausstellungs-Halle“ wurde mit finanzieller Unterstützung des Stifterehepaars Oskar und Elisabeth v. Petri am 12. Oktober 1913 als Fränkische Galerie mit einer Ausstellung der Nürnberger Kunstgenossenschaft eröffnet.

Die Errichtung des Gebäudes von 1912 bis 1913 nach Plänen des Architekten Otto Seegy schloss das Ensemble des Künstlerhauses (heute bekannt als Künstlerhaus/K4) ab und machte den Stadtmauerbereich zwischen Königstor und Marientor zu einem wichtigen Ort für Kunst in Nürnberg.

Übrigens: Der Architekt Otto Seegy baute auch das gegenüber der Kunsthalle gelegene Geschäftshaus mit der Gaststätte Marientorzwinger.

1930 veranlasste der Oberbürgermeister Hermann Luppe die Aufspaltung der 1920 gegründeten Städtischen Galerie, die im Künstlerhaus untergebracht war.

Kunstwerke von fränkischen Künstlern wurden unter der Leitung des Museumsdirektors Fritz Traugott Schulz in die benachbarte Fränkische Galerie überführt. Die Dauerausstellung umfasste Werke von Johann Adam Klein und Anton Sperl sowie Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die noch lebten.

1937 änderte sich das Ausstellungskonzept hin zur Präsentation von Wechselausstellungen.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten schließlich alliierte Bombenangriffe die Fränkische Galerie stark.

Die Fränkische Galerie in der Nachkriegszeit

Kunsthalle Nürnberg, Ansicht

Ein Vergleich der ursprünglichen Fassade mit der in den Nachkriegsjahren rekonstruierten Schauseite macht die Veränderungen deutlich.

Sofort fällt auf, dass die Fassade architektonisch vereinfacht wurde.

Die zweigliedrigen Fenster seitlich der Portikus wurden zugesetzt.

Auch verschwand das Kranzgesims und der Bereich über den Säulen.

Hier ersetzte man das Zwerchhaus/Dachgaube mit den charakteristischen ovalen Fenstern und Konsolen durch eine gleichförmige Reihe aus sieben Fenstern.

Die ursprüngliche Dachform wurde ebenfalls aufgegeben: Das zerstörte Mansarddach wurde durch ein einfacheres Walmdach ersetzt.

Der größte Fehler war sicherlich die Aufgabe des Bereich über den Säulen. Diese wichtige Partei zur Hervorhebung des Eingangsbereichs vermisst man heute leider sehr.

Die neue Fensterreihe passt nicht zum Bau und der mit den Säulen hervorgehobene Eingangsbereich wirkt etwas allein und verloren.

Das Mansarddach und die Oculi (ovale Fenster) waren ein wichtiger Teil des ursprünglichen Erscheinungsbildes, die man bei der heutigen Betrachtung im Hinterkopf behalten muss.

In seiner vereinfachten Form wirkt das Gebäude nicht wie eine repräsentative Kunsthalle, sondern eher wie ein Schulhaus/Verwaltungsbaus auf dem Land.

Dennoch war es richtig die Kunsthalle nach dem Krieg zu rekonstruieren und zu erhalten und nicht abzureißen, wie es mit vielen Nürnberger Bauten gemacht wurde.

Überregionale zeitgenössische Kunst zieht in die Fränkische Galerie ein

Nach der Beseitigung der Kriegsschäden nahm die Fränkische Galerie ihre Funktion als Ausstellungshalle wieder auf.

Neben Gruppenausstellungen von Künstlervereinen wie dem Kreis oder der Hütte fanden auch Verkaufsausstellungen von Nürnberger Künstlern statt.

1952 änderte sich das Ausstellungskonzept weg von regionaler, hin zur überregionalen zeitgenössischen Kunst.

Maßgeblich verantwortlich für diesen Wandel war die Initiative des Kunsthistorikers und Direktors des Germanischen Nationalmuseum Ludwig Grote (*1883 in Halle und † 1974 in Gauting).

Nur Teile der älteren Dauerausstellung wanderten in das Stadtmuseum Fembohaus, während der Großteil der Bilder im Depot verschwand. Diese Werke sind erst seit 2014 wieder zu sehen und haben mit dem denkmalgeschützten Gebäude der Kunstvilla in der Blumenstraße 17, 90402 Nürnberg, eine neue Heimat gefunden.

Kunsthalle Nürnberg, Portikus
Eingang der Kunsthalle Nürnberg

1967 wurde das Gebäude schließlich in Kunsthalle Nürnberg umgetauft und nach einem Beschluss des Stadtrates als „Ort für Wechselausstellungen aktueller zeitgenössischer Kunst“ definiert.

Der Gründungsdirektor der Kunsthalle Nürnberg, Dietrich Mahlow (*1920 in Seehausen und † 2013 in Darmstadt), machte das Haus mit Ausstellungen wie den bis 1971 stattfindenden Nürnberger Biennalen über die Region hinaus bekannt.

Die Kunsthalle hatte die Funktion eine Städtische Kunstsammlung internationaler zeitgenössischer Kunst aufzubauen und zu kuratieren sowie Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst zu präsentieren.

Außerdem formte sich unter Dietrich Mahlow das Konzept eines Städtischen Museums der Moderne.

Mit der Planung und dem Bau des Neuen Museums am Klarissenplatz endete 1997 die Sammlungstätigkeit der Kunsthalle, als die Bestände an das Neue Museum übergeben wurden.

Die Kunsthalle richtet ihren Fokus auf die Präsentation von Wechselausstellungen zur deutschen und internationalen Kunst seit den 1960er Jahren.

Außerdem trägt die Institution zur Pflege, Förderung und Vermittlung der Kunst des 20. Jahrhunderts bei.

Seit 1996 unterstützt der Förderverein Contemporaries e.V. die Kunsthalle.

Besucherinformationen

  • Kunsthalle Nürnberg, Lorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg
  • Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag und
    an Feiertagen 10–18 Uhr | Mittwoch 10–20 Uhr | Montag geschlossen
  • Kunsthalle Nürnberg

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