Zum zwanzigsten Mal hat der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) Arbeiten professioneller Pressefotografen ausgezeichnet. Die Wanderausstellung „Pressefoto Bayern 2019“ mit rund achtzig Werken unterschiedlicher Kategorien ist vom 26. Mai bis 5. Juli 2020 im Museum Industriekultur zu Gast.
Der seit 1999 vom BJV bayernweit ausgerichtete Wettbewerb „Pressefoto Bayern“ würdigt die Arbeiten von Foto-Journalistinnen und -Journalisten, die das weiß-blaue Zeitgeschehen im Bild festhalten und damit aussagekräftige Dokumente über das aktuelle Tagesgeschehen und darüber hinaus schaffen.
„Wir wollen der Öffentlichkeit demonstrieren, welch hohes Gut sie verliert, wenn Fotografinnen und Fotografen im journalistischen Bereich wegfallen, weggespart werden. Unsere Presselandschaft würde ärmer, zumindest beliebiger. Wir brauchen als Gesellschaft, als funktionierende Demokratie die Menschen, die im Bild festhalten, was ansonsten schnell vergessen wird. Bildjournalisten haben die wichtige Aufgabe, zu mahnen, zu erinnern, zu protestieren – aber auch zu loben, zu ehren und positiv abzubilden. Sie stellen Geschehnisse ins rechte Licht und fordern den Betrachter auf, sich mit dem Gezeigten auseinanderzusetzen“,
schreibt BJV-Vorsitzender Michael Busch im Vorwort des diesjährigen Ausstellungskatalogs, das den Titel „Das Foto lebt“ trägt. Die hohe Wettbewerbsbeteiligung, vor allem junger Fotografinnen und Fotografen, so Michael Busch weiter, mache Mut:
„Denn es zeigt, dass die erlernte Fotografie, ausdrücklich nicht die schnelle Knipserei, eine wichtige Rolle spielt. Erlerntes Handwerk, ein geschultes Auge und die Beherrschung der Technik sind eben doch etwas anderes als der rote Button auf dem Handy-Display. Es ist die Zusammenführung von Können, Talent und Ausbildung – und das zukunftsgerichtet“.
20 Jahre Pressefoto Bayern mit Rekordbeteiligung
Im vergangenen Jahr hatte die Jury die Wahl unter rund 1200 Bildern von Fotografen aus allen Medienbereichen und Regionen Bayerns, 350 waren es allein in der Kategorie Newcomer Award – eine Rekordbeteiligung!
In mehreren Durchgängen pro Kategorie bewertete die Jury die Fotos nach Kriterien wie konzeptioneller Umsetzung, Originalität oder technischer Brillanz. Inmitten der unüberschaubaren Bilderflut der heutigen Zeit sind diese Aufnahmen Belege des Könnens und der Professionalität der beteiligten Bildjournalisten – es reicht trotz feinster Technik eben nicht, einfach nur den Auslöser zu betätigen.
Termindruck und enge Zeitkorridore sind ständige Begleiter der professionellen Fotografen, die den Anspruch haben, gegen jede Beliebigkeit eine Geschichte im Bild festzuhalten oder eine Momentaufnahme zu liefern, die aus der immer größer werdenden Bilderflut heraussticht.
Die Gewinner

Pressefoto des Jahres 2019 und damit Gesamtsieger des diesjährigen Wettbewerbs wurde das Bild „Manfred Weber“ des freien Fotografen Jan Staiger (24) aus Hannover. Das am 6. April bei einer CSU-Veranstaltung in Straubing aufgenommene Siegerbild zeigt den Spitzenkandidaten der EVP-Fraktion für die Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten aus einem ungewohnten Blickwinkel.
Aus der am Boden abgestellten Tasche eines Fans verbreitet Weber vom Wahlkampfprospekt aus Optimismus. Der war freilich etwas verfrüht, wie sich nach der Europawahl herausstellte.
„Ein signifikantes, ahnungsvolles Bild aus einem Langzeitprojekt über den EU- Wahlkampf von Manfred Weber, der lange als Spitzenkandidat der EVP- Fraktion zum EU-Kommissionspräsidenten gehandelt wurde. Mit viel Zeitaufwand hat der Fotograf die unterschiedlichsten Facetten und Stationen seiner Wahlkampftournee herausgearbeitet. Ein nur scheinbar marginales Foto, das Déjà-vu-Qualitäten besitzt“, urteilte die Jury.
Der in Nürnberg geborene Fotograf studiert seit 2016 Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover.
Neben dem Gesamtsieger des Wettbewerbs und den Siegern in den Kategorien Bayern – Land & Leute: Sebastian Beck aus München, Kultur: Matthias Hoch aus Bamberg, Serie: Alexander Hassenstein aus Erding, Tagesaktualität: Stefan Rossmann aus Ebersberg, Sport: ein weiteres Mal Alexander Hassenstein sowie Umwelt & Energie: Karl-Josef Hildenbrand aus Kaufbeuren, wurde bereits zum siebten Mal auch ein Nachwuchsfotograf des Jahres ausgezeichnet.
Sieger des „Newcomer Award“ ist Jonathan Ziegler. Der Student der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Fachbereich Gestaltung, widmet seine am 21. Januar 2019 entstandene Reportage dem seltenen Beruf des Orgelbauers.
Bastian Haupt arbeitet für den Orgelbaubetrieb Mann im unterfränkischen Mainbernheim und restauriert hier die Instrumente von St. Cyriakus in Niedernberg und der Krankenhauskapelle Missio in Würzburg. Die Kunst des Orgelbaus zählt inzwischen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Das Urteil der Jury: „Eine sehr schön aus unterschiedlichen Perspektiven erzählte Geschichte. Die Lichtatmosphäre ist in allen Bildern durchgängig eingehalten und verleiht der an sich schon etwas romantischen Geschichte über einen Orgelbauer zusätzliche Tiefe. Interessant aufgebaut und gut durchkombiniert.“





Infobox
- Laufzeit: 26. Mai bis 5. Juli 2020
- Eintritt: Der Eintritt in die Ausstellung ist im Museumseintritt von 6 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, bereits inbegriffen.
- Katalog: Zur Ausstellung liegt ein kostenloser Katalog zum Mitnehmen aus.
- Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Straße 62, 90491 Nürnberg
- Öffnungszeiten, Dienstag bis Freitag 9-17 Uhr Samstag und Sonntag 10-18 Uhr
- museum-industriekultur.de