Burg Grünsberg – Kunst, Geschichte und Kultur im Nürnberger Land

Ein kultureller Geheimtipp im Nürnberger Land

Blick vom Wehrgang auf Haupthaus, Treppenturm, Torturm, Glockenturm und Remise. Jedes Jahr am letzten Sonntag der bayerischen Pfingstferien wird der von Wehrmauern umgebene Innenhof zum Schauplatz des Sommerfestes der Stromerstiftung. Foto: Tim Hufnagl
Blick vom Wehrgang auf Haupthaus, Treppenturm, Torturm, Glockenturm und Remise. Foto: Tim Hufnagl

Burg Grünsberg ist ein kultureller Geheimtipp inmitten des Nürnberger Landes. Der Kunsthistoriker Benno Baumbauer berichtet exklusiv über die wechselvolle Geschichte und die umfangreiche Kunstsammlung der Burg im Schwarzachtal.

Burg Grünsberg im Schwarzachtal zwischen Altdorf und Burgthann – ein Schatzkästlein in Mittelfranken

Burg Grünsberg ist ein magischer Ort. Vor 800 Jahren hat zum ersten Mal ein Ritter mit dem schönen Namen Rindesmule (Rindsmaul) seinen Ansitz auf dem Felssporn nahe Altdorf im Nürnberger Land errichtet. Seitdem gab es unzählige Besitzerwechsel, Zerstörungen, Wiederauf- und Umbauten, bis die Burg vor 250 Jahren in den Besitz des Nürnberger Patriziergeschlechts der Stromer von Reichenbach gelangte. Alle Generationen haben Andenken hinterlassen, von denen sich ungewöhnlich viele vor Ort erhalten haben. Heute hat sich der Herrensitz zu einem kleinen, aber exquisiten Kunst- und Kulturzentrum im „Niemandsland“ gemausert.

Burg Grünsberg unter den Staufern und Wittelsbachern

Blick durch das untere Tor auf die Vorburg und den Torturm. Die Grundesburg wurde auf einem Felssporn errichtet, der an ihrem Aufgang sanft ansteigt, an den drei anderen Seiten aber steil abfällt. Foto: Stromerstiftung
Blick durch das untere Tor auf die Vorburg und den Torturm. Die Grundesburg wurde auf einem Felssporn errichtet, der an ihrem Aufgang sanft ansteigt, an den drei anderen Seiten aber steil abfällt. Foto: Stromerstiftung

1234 führte erstmals ein Dienstmann aus dem Geschlecht der Rindsmaul die Grundesberc als Stammsitz in seinem Namen – die Burg im Grund. Der Platz könnte kaum besser gewählt sein, um eine Burg zu errichten: Auf halber Höhe erhebt sich im Schwarzachtal am Kreuzungspunkt vierer Schluchten ein natürlicher Sandsteinsporn, der an drei Seiten steil abfällt. Die Rindsmaul standen im Dienst des Reiches und bewegten sich im nächsten Umfeld der staufischen Kaiser. Nach der Hinrichtung des letzten Herrschers aus diesem Hause, Konradin, 1268 in Neapel erfuhr das Reich enorme Umstrukturierungen. Das Gebiet im Südosten Deutschlands, und damit auch Grünsberg, fiel an die Wittelsbacher Herzöge. Bis zum Ende des Mittelalters wechselten die Besitzer, die die Burg als Lehen oder Pfand innehatten. 1315 etwa erhielt der berühmte Ritter Seyfried Schweppermann für seine militärischen Verdienste von den Wittelsbachern ein Wohnrecht auf Grünsberg.

Attraktiv war für einen Burgbesitzer im Mittelalter nicht nur der wehrhafte Ansitz an sich, sondern besonders die Privilegien, die institutionell an ihn gebunden waren: so etwa die einträgliche Herrschaft und Gerichtsbarkeit über die umliegenden Ortschaften, die Frondienste und Abgaben der Hintersassen und die Nutzung der zugehörigen landwirtschaftlichen Liegenschaften, etwa in Form von Jagd- und Fischereirechten. Auf der Grundesburg gab es, vergleichbar der Nürnberger Kaiserburg, auch eine „Freiung“, die flüchtigen Straftätern Asyl bot.

Reste der mittelalterlichen Burganlage

Für Kunsthysteriker ist Grünsberg ein wahres Eldorado – hier bei der Erforschung der Baugeschichte. Foto: Christoph Nöth
Für Kunsthysteriker ist Grünsberg ein wahres Eldorado – Benno Baumbauer (links) und Alexander Racz bei der Erforschung der Baugeschichte. Foto: Christoph Nöth

Zwar wurde die mittelalterliche Burganlage im 16. Jahrhundert zu weiten Teilen zerstört – damals nannte man Grünsberg einen „Burgstall“, d. h. den Platz einer ruinösen oder abgegangenen Burg – und später wieder auf- und umgebaut. Doch wer aufmerksam die alten Gemäuer umrundet, kann noch viele Spuren aus dem Mittelalter vorfinden: So weisen die sog. Buckelquader im rückseitigen Mauerwerk des heutigen „Billardgebäudes“ darauf hin, dass sich an dieser Stelle einst der Bergfried befand, der große Turm, weithin sichtbares Statussymbol des einstigen Gebäudekomplexes.

Ein Stück weiter westlich finden sich in der Wehrmauer flächendeckend ausgewechselte Steinquader – hier ist ein Chörlein abgegangen, das auf der erst jüngst entdeckten ältesten Ansicht der Anlage noch schwalbennestartig außen am Bering heftet. Überhaupt steckt in den Wehranlagen, aber auch im Hauptgebäude, noch viel Bausubstanz des 13.-15. Jahrhunderts.

Burg Grünsberg im Besitz der Freien Reichsstadt Nürnberg – das 16. Jahrhundert

Den vielleicht bedeutendsten historischen Einschnitt, der Geschichte und Erscheinungsbild der Anlage bis heute prägt, markiert das Jahr 1504: Damals eroberten im Pfälzer Erbfolgekrieg Truppen der Freien Reichsstadt Nürnberg nicht nur Grünsberg, sondern das gesamte Gebiet östlich der Reichsstadt mit Lauf, Hersbruck und Altdorf – die Geburtsstunde des heutigen Nürnberger Landes. Grünsberg, das im Grenzgebiet der „Neuen Landschaft“ lag, erfuhr bei dieser Gelegenheit tiefgreifende Zerstörungen, wie auch, nach ersten Aufbaumaßnahmen durch den Nürnberger Patrizier Friedrich Behaim, im Zweiten Markgrafenkrieg 1552. Doch der Wiederaufbau ließ nicht lange auf sich warten: Als ersten bis heute erhaltenen Bau ließ der Nürnberger Bürger Endres Oertel den mächtigen „Palas“ errichten; er trägt in einer Kartusche die Jahreszahl 1561.

Nürnberger Patrizier in Grünsberg

Die Sophienquelle im nahegelegenen Stromerwald ist ein bedeutendes barockes Wasserspiel, das von Johann Paul III. Paumgartner zu Ehren seiner zweiten Ehefrau Sophie Maria Nützel begonnen und nach seinem Tod 1726 von ihr fertiggestellt wurde. Leider ist das Denkmal durch seine Lage und durch immer wiederkehrenden Vandalismus nicht einfach zu erhalten. Foto: Stromerstiftung
Die Sophienquelle im nahegelegenen Stromerwald ist ein bedeutendes barockes Wasserspiel, das von Johann Paul III. Paumgartner zu Ehren seiner zweiten Ehefrau Sophie Maria Nützel begonnen und nach seinem Tod 1726 von ihr fertiggestellt wurde. Leider ist das Denkmal durch seine Lage und durch immer wiederkehrenden Vandalismus nicht einfach zu erhalten. Foto: Stromerstiftung

Im Folgenden war die Geschichte des Herrensitzes aufs Engste mit der Reichsstadt verbunden: Grünsberg durfte nur noch an Bürger Nürnbergs verkauft werden und musste im Verteidigungsfall seine Tore für städtische Truppen öffnen. Berühmte Nürnberger Patrizierfamilien wie die Holzschuher, Haller, Paumgartner und seit 1754 eben die Stromer erwarben nun im Wechsel die einstige Burg durch Kauf oder Heirat.

Während die Anlage nach außen hin durch den trapezförmigen Bering ihren wehrhaften Charakter beibehielt, bauten die neuen Besitzer sie innerlich Stück für Stück zu einem repräsentativen Landsitz mit einer ganzen Reihe Wohn- und Wirtschaftsbauten aus und ließen den Hauptbau mit qualitätvollen Stuckdecken und marmorierten Türstöcken ausstatten.

Besonders zu erwähnen ist Johann Paul III. Paumgartner, der letzte seines Geschlechts und reiche Erbe zweier Familienzweige, der um 1720 neben zahlreichen weiteren Baumaßnahmen auch die im nahen Wald gelegene Sophienquelle errichten ließ, ein im Nürnberger Land nahezu einzigartiges monumentales Wasserspiel.

Die kunst- und kulturhistorische Sammlung der Burg Grünsberg

Blick in den Großen Saal des Haupthauses. Auf Grünsberg hat sich eine faszinierende Sammlung erhalten, die eng mit der Geschichte des Nürnberger Patriziats verknüpft ist. Foto: Stromerstiftung
Blick in den Großen Saal des Haupthauses. Auf Grünsberg hat sich eine faszinierende Sammlung erhalten, die eng mit der Geschichte des Nürnberger Patriziats verknüpft ist. Foto: Stromerstiftung

Tatsächlich einzigartig ist die ungewöhnlich geschlossene kunst- und kulturhistorische Sammlung zu nennen, die sich bis heute auf Burg Grünsberg erhalten hat: Die Spanne der Objekte umfasst neben Kunstschätzen, Möbeln, Schriftstücken, Alltags- und Gebrauchsgegenständen sowie Kuriositäten des 13.-21 Jahrhunderts auch einige vorgeschichtliche Fundstücke, ägyptische Antiken, Orientalika und naturhistorische Besonderheiten. Neben Originalausstattungsstücken aus Grünsberg birgt die Sammlung besonders das Erbe der höchst bedeutenden Patrizierfamilien Paumgartner und Stromer, die im Lauf der Jahrhunderte unzählige Mäzene, Sammler und Gelehrte hervorbrachten. Insgesamt ist der Bestand eng mit der Geschichte Nürnbergs verknüpft. Exemplarisch seien das originale Baumodell der Rialtobrücke von Venedig vom Ende des 16. Jahrhunderts, die kostbaren Glaspokale des 17./18. Jahrhunderts, ein höchst qualitativer manieristischer Fassadenschrank der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts oder die Originalausstattung der Lobby des Shepheard’s Hotel Kairo um 1900 genannt.

Die gemeinnützige „Stromersche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung“

Solange sich die Burg in Familienbesitz befand – 1999 starb der Historiker Wolfgang von Stromer als letzter Privatbesitzer, – war sie für eine breitere Öffentlichkeit kaum zugänglich. Um das Ensemble mit seiner reichen Originalausstattung beisammen zu halten und seinen Unsummen verschlingenden Erhalt auch in Zukunft sichern zu können, gründete die Erbengeneration die gemeinnützige „Stromersche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung“. Neben diesem vorrangigen Stiftungszweck hat es sich die Stiftung aber auch zur Aufgabe gemacht, die Tore der Grundesburg für die Allgemeinheit zu öffnen.

Führungen, Veranstaltungen und Konzerte auf Burg Grünsberg
Das Haupthaus besitzt eine qualitätvolle Stuckausstattung. Im Türmchenzimmer ist Euridikes Schlangenbiss dargestellt. Diese Ausstattungsphase wird der Werkstatt des Tessiner Stuckateurs Donato Polli (1663-1738) zugeschrieben. Foto: Stromerstiftung
Das Haupthaus besitzt eine qualitätvolle Stuckausstattung. Im Türmchenzimmer ist Euridikes Schlangenbiss dargestellt. Diese Ausstattungsphase wird der Werkstatt des Tessiner Stuckateurs Donato Polli (1663-1738) zugeschrieben. Foto: Stromerstiftung

So kam es, dass sich Grünsberg zu einem kulturellen Geheimtipp inmitten des Nürnberger Landes entwickelte: Das Angebot beginnt mit Führungen durch die beeindruckende Sammlung, bei denen die „Schlossherren“ selbst einen Einblick in das Leben mit dem Baudenkmal geben. Durch Angebote wie den Tag des Offenen Denkmals gelangt man dabei auch in Bereiche, die dem Besucher auch heute für gewöhnlich nicht zugänglich sind.

>> Alle Veranstaltungen der Burg Grünsberg können Sie hier als Flyer downloaden: Burg Grünsberg: Veranstaltungskalender 2017 Download <<

Daneben veranstaltet die Stiftung in den wärmeren Monaten regelmäßig Konzerte, die ihre besondere Atmosphäre aus der stimmungsvollen Kulisse des Konzertsaals in der sog. Burgkapelle, der Bibliothek oder des verträumten Innenhofs beziehen. Hier findet auch das jährliche Sommerfest der Stromerstiftung statt, bei dem über fünfzig Helfer ein buntes Programm für bis zu tausend Besucher auf die Beine stellen. Dazu kommen Lesungen, Sachvorträge und Rundgänge durch den zugehörigen Stromerwald, ein wildromantisches, schluchtenreiches FFH-Schutzgebiet.

Der Innenhof der Burg Grünsberg bei Nacht. Foto: Tim Hufnagl
Private Feier im Schlosshof von Grünsberg. Foto: Tim Hufnagl

In Grünsberg Veranstaltungen durchzuführen, bedarf eines sensiblen Gespürs für das Eigenleben, das so einem alten Gemäuer und seinen empfindlichen Ausstattungsstücken innewohnt: Allzu große Besucherströme können den unbeschadeten Erhalt des Denkmals für kommende Generationen gefährden. Doch nur wer seine Gäste mit offenen Türen empfängt, kann sie auch für den Wert und die Probleme sensibilisieren, die solch ein Kulturerbe mit sich bringt.

In besonderem Maße gelingt das, indem man die Menschen selber an Bord holt – im Fall der Stromerstiftung etwa durch die Gründung des Fördervereins Burg Grünsberg e. V., dessen Mitglieder die Durchführung der Veranstaltungen überhaupt erst ermöglichen. Dass Grünsberg nicht nur ältere Generationen für sich vereinnahmt, merkt man vielleicht am deutlichsten daran, dass der Altersdurchschnitt im Verein seit einiger Zeit jährlich sinkt. Neue Mitglieder sind stets willkommen!

Text: Benno Baumbauer, M. A.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Burg Grünsberg unter www.stromerstiftung.de

Kontakt und Adresse

Burg Grünsberg
Emil von Stromer-Platz 1
90518 Grünsberg bei Altdorf

Kontakt:
Stromersche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung
Rotraut von Stromer-Baumbauer
Donaustraße 16
91052 Erlangen
09131 36092

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