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Eitel Klein: Nürnberger Malerei des 20. Jahrhunderts im Weißen Schloss Heroldsberg

Das Weiße Schloss Heroldsberg zeigt bis zum 21. März 2027 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Fotografien aus fünf Jahrzehnten von Eitel Klein, darunter erstmals öffentlich Blätter aus seiner Kriegsgefangenschaft.

Seit dem 9. Oktober 2026 präsentiert das Weiße Schloss Heroldsberg eine Retrospektive des Nürnberger Malers und Grafikers Eitel Klein (1906 bis 1990). Kurator Dr. Alexander Rácz hat Leihgaben aus der Kunstvilla Nürnberg und aus Privatbesitz mit Werken aus dem Bestand des Schlosses zusammengeführt. Zu sehen sind Ölgemälde, Aquarelle, Radierungen und Fotografien, dazu eine Auswahl aus einem Konvolut von rund 450 Blättern, die Klein in der Kriegsgefangenschaft in Rumänien, in der Sowjetunion und auf dem Rückweg zeichnete.

Ein Künstler zwischen Verfemung, Krieg und Neuanfang

Eitel Klein wurde am 27. April 1906 in Hörlbach bei Ellingen geboren und kam 1922 mit seiner Familie nach Nürnberg. Nach der Kunstgewerbeschule wechselte er 1929 an die Akademie der Bildenden Künste München zu Professor Karl Caspar, einem Vertreter des deutschen Spätexpressionismus. Caspar wurde 1937 vom NS-Regime als „entartet“ zwangspensioniert, und auch seine Schüler gerieten ins Visier der Kulturpolitik. Klein erhielt von 1935 bis 1938 Ausstellungsverbot. Sein Gemälde „Verblühte Sonnenblumen“, das die Stadt Nürnberg 1928 erworben hatte, gilt seitdem als verschollen.

Aus dem ersten Jahr des Verbots stammt das Aquarell „Ansicht von Heroldsberg“ von 1935, das dem Weißen Schloss gehört. Über einem braunen Acker neigen sich windschiefe Bäume, und am Horizont liegen die Dächer des Ortes unter einem violetten Himmel.

Aquarell einer Landschaft: über einem braunen Acker neigen sich windschiefe Bäume, am Horizont liegen rote Dächer unter einem violetten Himmel
Eitel Klein, Ansicht von Heroldsberg, 1935, Aquarell. Weißes Schloss Heroldsberg, Inv. Nr. kfh0073

1937 schuf Klein gemeinsam mit Erich Kohout das damals größte Wandgemälde Nordbayerns am Rathaus von Hersbruck, in der Bildsprache der nationalsozialistischen Auftraggeber. Als das Rathaus 1945 abbrannte, ging auch das Fresko verloren, und seine Motive sind nur auf Archivfotos aus Kleins Nachlass erhalten. An einer Medienstation der Ausstellung lassen sich diese Fotografien ansehen. 1939/40 wurde Klein zur Wehrmacht eingezogen, 1944 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1950 nach Nürnberg zurück.

Zeichnen in der Gefangenschaft

In den Lagern entstanden rund 450 Blätter mit Mitgefangenen, Bäuerinnen, Pferden und Dörfern, und eine Auswahl davon ist hier zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Das Selbstbildnis vom 28. Februar 1947 aus dem Lager Focșani in Rumänien zeigt, unter welchen Bedingungen diese Arbeiten entstanden. Klein blickt ruhig und direkt aus dem Blatt, und die Tuschpinselstriche geben dem Gesicht Halt und Ernst zugleich.

Selbstbildnis in grauen Tuschtönen: ein Mann mit Schnurrbart blickt ruhig und direkt aus dem Blatt, unten links das Datum 28. Feb. 47
Eitel Klein, Selbstbildnis, 28. Februar 1947, Focșani, Rumänien, Aquarell auf Papier, 50 x 40 cm. Private Leihgabe

Neubeginn in Nürnberg

Nach seiner Heimkehr erhielt Klein in Nürnberg zahlreiche öffentliche Aufträge. 1952 gestaltete er die Kantine des Postscheckamts in der Kesslerstraße mit Gipsschnitt und Malerei, später folgten Sgraffiti an mehreren Schulen und Keramikarbeiten für die Klinik Hallerwiese. Zu seinen Werken zählen das Mosaik „Do ut des“ an der Fassade des Finanzamts Süd, die Wandmalerei im Theaterfestsaal des Schauspielhauses und ein Wandteppich für den Trausaal des Standesamts. Diese Arbeiten prägen bis heute den Alltag in der Stadt.

Im selben Jahr 1952 heiratete Klein Barbara Sauer, und seine Familie begegnet in den Bildern immer wieder. Das Gemälde „Susanne als Kleinkind“ von 1956, das seine Tochter zeigt, leuchtet in kräftigem Gelb, Rot und Blau, und das Kind im blauen Jäckchen hebt die Hand, während eine Puppe auf seinem Schoß liegt.

Gemälde eines Kleinkinds mit dunklem Haar in blauem Jäckchen und weißem Lätzchen, das eine Hand hebt und eine Puppe auf dem Schoß hält, vor gelben und grünen Farbflächen
Eitel Klein, Susanne als Kleinkind, 1956, Öl auf Hartfaser, 70 x 60 cm. Private Leihgabe

Ein Sommerbild aus dem Bestand des Hauses zeigt „Im Schlossbad“ um 1965. Kinder springen ins türkisblaue Wasser, Badende stehen am Beckenrand, und mancher Heroldsberger wird in diesem Sommertag ein Stück der eigenen Erinnerung finden. Zusammen mit mehreren Aquarellen von Kalchreuth gehört es zu den sieben Werken, die das Weiße Schloss selbst besitzt.

Gemälde eines Freibads: Kinder und Badende im türkisblauen Becken, am Beckenrand stehen Menschen vor grüner Wiese, im Vordergrund eine Frau im Bikini neben einem roten Gerüst
Eitel Klein, Im Schlossbad, um 1965, Öl- und Temperafarbe auf Hartfaserplatte, 88 x 51 cm. Weißes Schloss Heroldsberg, Inv. Nr. kfh0066

Farbe, Garten und Radierung

Seit 1951 gehörte Klein der Künstlervereinigung „Der Kreis“ an und arbeitete in einem Atelierhaus im Garten seines Elternhauses. Dort entstanden farbintensive Temperabilder und Reisemotive, etwa aus Ibiza, Kaltern und Holland. Der „Garten am Abend“ von 1976 zeigt blaue Gartenmöbel im Dunkel und davor weiße und rosa Blüten, die im Abendlicht aufleuchten. 1974 legte sich Klein eine eigene Druckerpresse zu und wandte sich wieder Grafik und Zeichnung zu. In der Radierfolge „Kindheitserinnerungen“ blickt er auf seine Jugend in Hörlbach zurück. 1984 erhielt er den Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken, und am 12. November 1990 starb er in Nürnberg.

Gemälde eines Gartens am Abend: blaue Gartenmöbel im Dunkel, davor leuchten weiße und rosa Blüten zwischen grünem Laub, im Vordergrund hellblaue Steinplatten
Eitel Klein, Garten am Abend, 1976, Öl auf Hartfaser, 60 x 65 cm. Private Leihgabe

Im Werk von Eitel Klein treffen sich der Spätexpressionismus der Caspar-Schule und die Nürnberger Nachkriegsmoderne, und es dokumentiert zugleich die Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Wiederaufbaus. Die Ausstellung lädt dazu ein, einen Künstler kennenzulernen, dessen Wandbilder, Mosaike und Glasfenster viele Menschen in Franken seit Jahrzehnten täglich sehen.

Rahmenprogramm
Samstag, 24. Oktober 2026, 18.30 Uhr: „Sgraffito-Kunst der Nachkriegsjahre im Raum Nürnberg“, Vortrag von Claus Baierwaldes
Mittwoch, 28. Oktober 2026, 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Alexander Rácz
Mittwoch, 17. Februar 2027, 11 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Alexander Rácz

Auf einen Blick
Eitel Klein, Nürnberger Malerei des 20. Jahrhunderts
Ausstellung: 9. Oktober 2026 bis 21. März 2027
Öffnungszeiten: Mittwoch 10 bis 13 Uhr, Freitag bis Sonntag 15 bis 18 Uhr, Sonderöffnung auf Anfrage
Eintritt: 4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Schülerinnen, Schüler und Studierende 2,00 Euro
Ort: Weißes Schloss Heroldsberg, Kirchenweg 4, 90562 Heroldsberg
Kurator: Dr. Alexander Rácz
Kontakt: Telefon 0911 23 73 42 60, mail@weisses-schloss-heroldsberg.de
Weitere Informationen: www.weisses-schloss-heroldsberg.de

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