Die Künstlerin Janina Christine Brügel stellt noch bis zum 22. März 2015 im Schloss Almoshof in Nürnberg aus. Ihre ersten Einzelausstellung titelt Good Day und versammelt über 30 leuchtend bunte Gemälde nach alten Fotografien aus dem Familienalbum der Großmutter.

Janina Christine Brügel und die Ausstellung Good Day im Schloss Almoshof in Nürnberg

Janina Christine Brügel im Schloss Almoshof, Foto: Alexander Racz 2015

Die Malerin Janina Christine Brügel hat den Titel ihrer Ausstellung Good Day sehr gut gewählt. Er passt zum Inhalt der Werke und dem Gefühl, das die Ausstellungsbesucher im Schloss Almoshof bei Betrachten überkommt.

Betritt man den ehemaligen Herrensitz der Patrizierfamilie Holzschuher, stechen die bunten Leinwände der Künstlerin sofort ins Auge. Die intensiven Acrylfarben heben sich deutlich vom Holz und Sandstein des alten Schlosses im Norden Nürnbergs ab und laden zu einer genaueren Betrachtung ein.

Phantastisch, 2015, Acryl und Tusche auf Leinwand, 85 x 150cm, © Janina Christine Brügel
Phantastisch, 2015, Acryl und Tusche auf Leinwand, 85 x 150cm, © Janina Christine Brügel

Janina Christine Brügel hat für ihre Ausstellung „Good Day“ eineinhalb Jahre vorher mit der Arbeit begonnen, um genug Material für die Ausstattung des Schlosses zur Verfügung zu haben. Ende 2013 bis Anfang 2015 entstanden in ihrem großgründlacher Atelier über 30 Gemälde und Zeichnungen.

Dieses große Arbeitspensum und das qualitativ hochwertige Ergebnis waren vor allem deshalb möglich, weil sich die junge Künstlerin ein interessantes, klar abgestecktes Thema für die Werkschau zurechtgelegt hat: Die Übertragung des großelterlichen Familienfotoalbums in die Malerei. Technisch resultierte die Lösung dieser künstlerischen Aufgabe in der Umwandlung kleiner, schwarz-weiß Fotografien mit weißem Wellenrand, wie sie jeder kennt, in großformatige, bunte Acrylbilder. In diesem Prozess interpretierte die junge Künstlerin die Bildszenen in der Malerei neu.

Inhalt und Komposition von Brügels Bildern

Das leichte irre Leben, 2014, Acryl und Tusche auf Leinwand, 120x120cm, © Janina Christian Brügel
Das leichte irre Leben, 2014, Acryl und Tusche auf Leinwand, 120x120cm, © Janina Christian Brügel

Janina Christine Brügels Bilder zeigen Menschen. Oft Personengruppen im Querformat, die sitzen, stehen und gehen. Sich miteinander unterhalten oder feierlich und erwartungsvoll für die Kamera posieren. Durch die ausgewählten fotografischen Vorlagen werden der Bildinhalt und die Komposition bestimmt: Es sind Familienportraits. Szenen, die jeder kennt. Familien beim Abendessen, am Silversterabend, beim Spaziergang und im Urlaub. Alltägliche und erinnerungswürdige Momente im Familienleben der Großmutter der Künstlerin. Die Fotos überspannen den Zeitraum der 1920er bis in die 1960er Jahre, was man anhand der Kleidung und der Frisuren deutlich sehen kann.

Die Farbigkeit – ein Hauptmerkmal von Brügels Kunst

Ein charakteristisches Merkmal der Bilder ist die bunte Farbigkeit des Acryls. Mit dicken Pinselstrichen wurden das satte Grün, Rot, Gelb und Blau auf die Leinwand aufgetragen. Die leuchtenden Farben beleben die Szenen. Es entsteht ein Effekt, den man von kolorierten schwarz-weiß Filmaufnahmen her kennt. Durch das nachträgliche Hinzutun von Farbe wird die Szene lebendig und somit realer. So hat Janina Christine Brügel die alten Fotografien mit Hilfe der neuen Farbigkeit mit Leben gefüllt.

Echte Charaktere und bloße Schatten

Spätes Vergnügen, 2014, Acryl auf Leinwand, 110 x 140cm, © Janina Christine Brügel
Spätes Vergnügen, 2014, Acryl auf Leinwand, 110 x 140cm, © Janina Christine Brügel

Unter den dargestellten Personen befinden sich starke Charaktere und nichtssagende Schatten von Menschen. Janina Christine Brügel betonte, dass sie einige Personen detailgenauer und aufwendiger gemalt hat, während sie andere vernachlässigte. Diese Menschen wurden zur Staffage.

Zwei Bilder bedienen sich derselben fotografischen Vorlage und können deshalb exemplarisch herangezogen werden, um zu zeigen, wie verschiedenen die Künstlerin eine Stimmung umzusetzen vermag.

Was hat die Zeit mit uns gemacht, 2014, Acryl auf Leinwand, 110 x 140cm, © Janina Christine Brügel
Was hat die Zeit mit uns gemacht, 2014, Acryl auf Leinwand, 110 x 140cm, © Janina Christine Brügel

Die Bilder Spätes Vergnügen und Was hat die Zeit aus uns gemacht? zeigen dieselbe Abendgesellschaft. Im Bild Spätes Vergnügen lachen die Gäste beim Alkoholgenuss amüsiert. Die fotografische Vorlage scheint hier nah umgesetzt worden zu sein. Die Farben sind eher dunkel und bilden die damalige Stimmung wohl recht getreu ab.

Ganz anders die zweite Version Was hat die Zeit aus uns gemacht? Trotz der grellen Farben ist die Stimmung gedrückt. Keiner lacht. Der Herr in grün zieht seine Lippe angewidert hoch. Es ist keine Abendgesellschaft mehr. Die Personen wirken allein. Außerdem erhält das Bild durch die beiden Kinderportraits, die sich in der Tischplatte spiegeln, ein unklares Motiv, wie in einem Traum.

Sind die Gäste auf dem ersten Bild noch voller Lebenskraft und Energie wirken sie auf dem zweiten Bild viel zurückgenommener und fast nicht mehr menschlich.

Genau hinsehen! Der Teufel steckt meist im Detail

Der Himmel über Tel Aviv, 2014, Acryl auf Leinwand 95 x 135cm, © Janina Christine Brügel
Der Himmel über Tel Aviv, 2014, Acryl auf Leinwand 95 x 135cm, © Janina Christine Brügel

Brügels Bilder lassen sich auch wegen ihrem Detailreichtum ausgiebig betrachten. Exemplarisch sei hier auf die Poolszene des Bildes Der Himmel über Tel Aviv verwiesen, wo sich Teilnehmer einer Kreuzfahrt um den schiffseigenen Swimmingpool zum Sonnenbaden gruppiert haben.

In Brügels Umsetzung zeigen die Männer mehr Haut als auf den Vorlagen. Sie tragen keine Ganzkörper-Badeanzüge, wie es in den 1920er und 30er Jahren üblich war.

Der nackte, sonnenbestrahlte Bauch des liegenden Mannes am rechten Rand des Pools hätte sicherlich zu einem Skandal auf dem Schiff geführt.

Man sieht den Badegästen ihre gute und entspannte Stimmung richtig an. Es ist ein sonniger Kreuzfahrttag ohne Sorgen.

 

Einen ähnlichen Einblick auf einen schönen Tag liefert das Bild Wo ich bin ist keine Provinz. Eine schicke Festgemeinschaft, die sich möglicherweise am Silvesterabend zum Gruppenbild versammelt hat, posiert vor der Kamera. Der Hund auf der linken Seite wurde von der Künstlerin hinzu komponiert. Er fehlt auf dem Vorbild.

Wo ich bin ist keine Provinz, 2015, Acryl und Tusche auf Leinwand, 140 x 120cm, © Janina Christine Brügel
Wo ich bin ist keine Provinz, 2015, Acryl und Tusche auf Leinwand, 140 x 120cm, © Janina Christine Brügel

Fazit zur Ausstellung Good Day 

Die Mischung aus der Farbigkeit, dem Detailreichtum und den Bildinhalten gekoppelt mit der interessanten Idee, das großmütterliche Familienalbum als Vorbild zu verwenden, macht die Bilder der jungen Künstlerin Janina Christine Brügel besonders sehenswert.

Als Betrachter findet man ohne Erklärungen einen Zugang zu den Werken und kann einen persönlichen Bezug zu den Malereien herstellen. Jeder hat schon einmal durch ein Fotoalbum geblättert und sich gefragt, wer da neben der eigenen Tante steht oder bei welcher Familie die Oma als junges Mädchen zu Besuch war. Genauso kann man sich auch den Bildern der Ausstellung Good Day nähern und die vergessenen Geschichten neu erzählen.

Mir bleibt nur noch eines hinzufügen: Ich empfehle jedem einen Besuch der Ausstellung Good Day im Schloss Almoshof.

Da die Ausstellung nur noch bis zum 22. März 2015 läuft, muss man sich jedoch beeilen. Im Anschluss kann man sich bei Kaffee und Kuchen in der schlosseigenen Cafeteria, wo ebenfalls Werke der Künstlerin hängen, über die Kunst unterhalten und so einen „guten Tag“ im Zeichen der Brügelschen Malereien verbringen.

Du kleiner Gott belehre mich, 2014, Acryl auf Leinwand, 70x100 cm, © Janina Christine Brügel
Du kleiner Gott belehre mich, 2014, Acryl auf Leinwand, 70 x 100 cm, © Janina Christine Brügel

Janina Christina Brügel – Kurzvita

Janina Christine Brügel ist 1983 in Nürnberg geboren. Ihr Abitur machte sie im Jahr 2002 am humanistischen Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg. Anschließend studierte sie Humanmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. 2009 beendete sie das Studium mit dem zweiten Staatsexamen. Seit ihrer Jugend setzt sie sich mit Zeichnung und Malerei auseinander. Letztes Jahr erweiterte sie ihr künstlerisches Handwerkszeug als Gaststudentin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Ausstellungen 2012 – 2014
  • KLAR. LEUCHTEND. BUNT, Zeltnerschloss Nürnberg, 15.11.2013 bis 16.01.2014
  • Wir treiben’s bunt, Galerie LandskronSchneidzik, Nürnberg, 27. Juni bis 31. Juli 2013
  • Mittelpunkt Mensch, Caritas-Pirckheimer-Haus Nürnberg, Januar/Februar 2012

Zur Webseite der Künstlerin.

Kulturladen Schloss Almoshof

Almoshofer Hauptstr. 51, 90427 Nürnberg

Öffnungszeiten:
  • Montag bis Freitag 10:00 – 12:00 Uhr, 14:00 – 16:30 Uhr
  • Donnerstag: 10:00 – 12:00 Uhr
  • Sonntag: 13:00 – 18:00 Uhr
  • Samstag geschlossen

 

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