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Interview: Ottmar Hörl im Gespräch mit Dr. Julia Weimar, Kunsthalle Schweinfurt

Ottmar Hörl, Plan B, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Jürgen Schabel

Die Kunsthalle Schweinfurt widmet Ottmar Hörl eine umfangreiche Ausstellung an drei Orten. Der deutsche Konzeptkünstler wurde vor allem durch Großinstallationen mit seriellen Skulpturen im öffentlichen Raum international bekannt.

Sein Ausstellungskonzept knüpft an das Thema der Museumssammlung „Individuum und Gesellschaft“ an und stellt existentielle Fragen vom Klimawandel bis zur Zukunft der Menschheit zur Diskussion.

Ottmar Hörl, Plan B, Greta, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Jürgen Schabel
Ottmar Hörl, Plan B, Greta, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Jürgen Schabel

Herr Hörl, seit vielen Jahren sorgen Sie deutschlandweit mit Ihren Kunstprojekten mit seriellen Skulpturen im öffentlichen Raum für Aufsehen. Auch in Schweinfurt waren Sie schon mehrmals vertreten.

Nun widmet Ihnen die Kunsthalle mit der neuen Ausstellung „Ottmar Hörl – Plan B“ eine umfangreiche Einzelpräsentation. Was ist diesmal anders?

Die bisherigen Installationen in Schweinfurt wie die zu Friedrich Rückert, zum „Schweinfurter Grün“ mit den Raben oder „JEDER GEGEN JEDEN“, waren entwickelt als Einzelkonzeptionen, waren „Anmerkungen“ zu bestimmten Themen. Dahinter steckt der Gedanke Kommunikationsmodelle für den öffentlichen Raum abzuleiten und Menschen zu erreichen, die eher selten ins Museum gehen.

Bei der kommenden Ausstellung geht es dagegen um unterschiedliche, aufeinander abgestimmte Sprachkonzeptionen mit grundsätzlichen Fragestellungen.

Können Sie dies näher erläutern?

Der Titel der Ausstellung lautet „Plan B“ wurde von mir bewusst ausgewählt. Dahinter verbirgt sich eine übergeordnete Idee, das Leitmotiv der Ausstellung, die an drei Orten zugleich, in der Kunsthalle, im Kunstsalong und der Sparkassengalerie gezeigt wird.

Es geht um eine philosophische Gedankenwelt, um das Prinzip, dass alles einer Veränderung unterworfen ist, dass wir uns als Gesellschaft daher fortwährend verändern müssen, flexibel bleiben müssen.

Die Arbeiten scheinen vielleicht auf den ersten Blick harmlos, doch sie haben inhaltlichen Sprengstoff.

Ottmar Hörl, Plan B, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Jürgen Schabel
Ottmar Hörl, Plan B, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Jürgen Schabel

Sind Sie ein politischer Künstler? Verstehen Sie sich als Mahner, als Aufklärer und Wachrüttler?

Das Problem mit diesen Wörtern ist, dass sie mir alle unsympathisch sind. Ich verstehe mich als Künstler – als ein Künstler, der den Auftrag hat, Gesellschaften in ihrem Veränderungswillen zu unterstützen.

Würde ich mich als „Mahner“ verstehen, dann würde ich mir anmaßen zu denken, ich wüsste es besser als andere. Doch ich weiß es nicht besser!

Als Künstler habe ich jedoch die Möglichkeit, Gedanken und Gefühlen Gestalt zu verleihen und damit Impulse zur Auseinandersetzung mit bestimmten Themen zu geben, eine Diskussion anzuregen.

Eine Rauminstallation, die Sie ausstellen heißt „Rede an die Menschheit“. Worauf zielen Sie ab?

Es handelt sich um die Idee eines Appells an die Vernunft.  Die Arbeit ist jedoch kein Zustandsbericht des Club of Rome, der 1968 gegründet wurde und sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzt.

Und ich maße mir auch nicht an, diese Rede zu schreiben, denn ich habe kein Rezept, wie die Welt funktionieren soll.

Das ist eine kollektive Aufgabe, die wir als Menschheit nur gemeinsam bewältigen können. Ich kann nur Impulse geben, kann nur an uns alle appellieren, dass wir nicht so weitermachen können, den Erdball und die Menschheit zu zerstören, und dass es höchste Zeit ist, dass wir „uns zusammenreißen“ etwas zu unternehmen, aus dem Dilemma wieder herauszukommen.

Ottmar Hörl, Plan B, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Peter_Leutsch
Ottmar Hörl, Plan B, Kunsthalle Schweinfurt, Foto: Peter_Leutsch

Sie sind seit über 40 Jahren Künstler. Ein Traumberuf?

Ich begreife die Kunst des Gestaltens als eine politische Idee in die Gesellschaft hineinzuwirken. Viele träumen davon, Künstler zu sein.

Doch es ist offen gestanden kein „Traumberuf“. Künstler zu sein ist bisweilen sogar grausam, denn man muss die Zweifel des Lebens aushalten können, ohne zu wissen, wie man damit umgehen soll.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Hörl!

Ein ausführliches Interview mit Ottmar Hörl sowie weiteren Textbeiträgen, herausgegeben von Andrea Brandl, Leiterin der Kunsthalle Schweinfurt, ist im begleitenden Ausstellungskatalog erschienen.

Der Künstler ist außerdem im Juni zu zwei Künstlertalks auch selbst vor Ort, spricht über seine neuen Rauminstallationen und stellt sich den Fragen der Besucherinnen und Besucher des Museums.

Künstlertalk mit Ottmar Hörl

Donnerstag, 09. Juni 2022, 19:00 Uhr, Kunsthalle und Kunstverein Schweinfurt

Donnerstag, 23. Juni 2022, 19:00 Uhr, Kunsthalle und Kunstverein Schweinfurt

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