Ludwig Hanisch stellt ab dem 23. Januar 2015 im Galeriehaus Nord aus. Anlässlich der Ausstellung „All your base are belong to us“ beantwortet er einige Fragen zu seinem künstlerischen Werk.

Der Künstler Ludwig Hanisch im Gespräch mit Kunstnürnberg

Underground, 2014, Acryl auf Papier, 120 x 140 cm © Ludwig Hanisch
Underground, 2014, Acryl auf Papier, 120 x 140 cm © Ludwig Hanisch

Kunstnürnberg: Du hast an der AdBK Nürnberg Freie Malerei bei Prof. Hartmann studiert und bist seit 2012 freischaffender Künstler. Fühlt man sich nach der Akademiezeit alleingelassen oder konntest du schnell im Kunstbetrieb Fuß fassen?

Ludwig Hanisch: Eigentlich keines von beiden. Nach der Akademiezeit gab es noch einige Projekte, wie zum Beispiel 2012/2013 die Ausstellungsreihe in Bezug auf den Klassenkatalog „PROTOTYPEN“, an denen ich aktiv dabei war und die ich auch teilweise mit organisierte. 

Das war ganz gut so, da ich erstmal nach der Akademiezeit etwas zu tun hatte, quasi Ziele auf die man hinarbeiten konnte.

Im Endeffekt geht man nahtlos ins Berufsleben über, außer dass man sich halt noch viel mehr als zuvor selbst organisieren muss. Aber meistens fängt es schon gegen Ende des Studiums an, dass man sich um Ausstellungen kümmert, eine Homepage pflegt, Kontakte knüpft, usw.

Die Akademie dient auch vor allem dazu Gleichgesinnte und Freunde zu finden mit denen man später gemeinsame Ausstellungen oder andere Vorhaben realisiert.

Kunstnürnberg: Wann hast du die Computerspiele-Motivik für dich entdeckt und was war dabei die Initialzündung?

Ludwig Hanisch: Das muss so 1990 gewesen sein, als wir unseren ersten Commodore C64 von unserem Nachbarn geschenkt bekommen haben.

Für die noch halbwegs professionellen Computerspielprogramme gab es noch hübsche Pappverpackungen, meist mit einer sehr aufwendigen Illustration als Cover. Auf der Rückseite waren dann die Screenshots aus dem Game zu sehen, die grafisch überhaupt nicht mit der Coverart deckungsgleich waren.

Witzigerweise wurden sogar meist Screenshots der Amigaversion gezeigt, da diese grafisch besser waren, obwohl es sich um ein C64 Modul handelte. Man hat also immer mit einer gewissen Vorstellung gelebt –  einmal beim Kauf des Spiels, wie es wohl auf unserem etwas hinterwäldlerischen C64 aussehen würde, und außerdem was das Spiel mit seiner Grafik eben meinte darzustellen, obwohl die Technik für die Darstellung nicht ausreichte.

Irgendwann während des Studiums habe ich versucht wieder da anzusetzen was mich in meiner Kindheit und Jugend schon an dem ganzen „Computerspiel-Drumherum“ fasziniert hatte.

Umzug, 2010, Mischtechnik auf Kappa, 40 x 52 cm © Ludwig Hanisch
Umzug, 2010, Mischtechnik auf Kappa, 40 x 52 cm © Ludwig Hanisch

Kunstnürnberg: Deine Malerei umkreist momentan den Schwerpunkt „Übersetzen“. Was übersetzt du auf welche Weise?

Puh, also ich weiß nicht, ob ich die Frage überhaupt beantworten kann. Über „Schwerpunkte“ bin ich mir
nicht im Klaren. Jedenfalls kann ich keine Schwerpunkte in meiner Arbeit klar formulieren und ich würde niemals behaupten dass zum Beispiel „XY“ zur Zeit mein Schwerpunkt ist. Ich suche mir diese nicht gezielt aus.

Das Wort „übersetzen“ kam mir in Bezug auf meine bevorstehende Einzelausstellung „All your base are belong to us“. (Vernissage: 23.01.2015, 19 Uhr im Galeriehaus Nord, Anm. AR)
Dieser Satz aus einem Intro des bis dato ziemlich unbekannten Computerspiels „Zero Wing 1989“ wurde aus dem Japanischen ins Englische falsch übersetzt.

In der Netzkultur wird mit dieser Phrase in der Regel auf die Verwahrlosung von Sprache und Form im Internet angespielt. (Wikipedia)

Die Phrase ergibt nämlich so gesehen grammatikalisch überhaupt keinen Sinn, aber genau deswegen entstand daraus ein ziemlicher Hype im Internet und ein abgefahrenes Musikvideo dazu. Selbst in der Trickfilmserie Futurama oder in diversen Computerspielen erhielt der Satz als „Easteregg“ Einzug. 

Was für mich daran so interessant ist, ist dass, wie in diesem Fall, durch unbeabsichtigte Fehler ein völlig unvorhersehbarer Kult um etwas entstehen kann.

In meinem Fall habe ich Motivideen im Kopf, die ich auf groß „übersetzen“ möchte.
Ob jetzt dabei Fehler entstehen oder sonst was, weiß ich nicht, aber dennoch lasse ich mich beim Arbeiten gerne auf das ein, auf dass man so keinen Einfluss hat.

Kunstnürnberg: Dein Bild „Hiro“ wirkt wie eine alte, japanische Werbetafel, deren Farben im Laufe der Zeit verblasst und abgeblättert sind. Was bedeutet Zeit in deiner Malerei und wie thematisierst du sie in deinen anderen Bildern?

Ludwig Hanisch: Hiro, Ausstellung "All your base are belong to us" im Galeriehaus Nord
Ludwig Hanisch: Hiro, Ausstellung „All your base are belong to us“ im Galeriehaus Nord

Ludwig Hanisch: Du hast das Bild „Hiro“ wirklich sehr schön beschrieben!

Zeit ist einfach das, was ich benötige, um Bilder zu malen. Ich bin wirklich nicht der schnellste im Entscheiden und traue keinem meiner Bilder, die innerhalb von 1-2 Wochen im Atelier entstanden sind.

Also kann es schon sein, dass ich ein halbes bis ganzes Jahr mit einer größeren Arbeit verbringe.

Kunstnürnberg: Welche weiteren Themen außer „Zeit“ und „Übersetzen“ beschäftigen dich?

Ludwig Hanisch: Ebenso wie bei den „Schwerpunkten“ kann ich nur sagen, dass ich mir keiner „Themen“ bewusst bin.

Klar, es gibt einfach Dinge, die man gerne malt, und andere, die einem wirklich gar nicht in den Sinn kommen. Ich stelle mir also kein spezielles Thema, das ich vorher klar formuliere, um an diesen dann zu arbeiten. Das was einen anmacht oder irgendwie nicht in Ruhe lässt ist der Anstoss.

Kunstnürnberg: Die Motive scheinen aus älteren Computerspielen der 1990er und 2000er Jahre gewählt worden zu sein. Warum nutzt du nicht die heutigen, superanimierten und realistischen Videospiele für deine Malerei?

Ludwig Hanisch: Ganz einfach weil ich mit diesen nicht groß geworden bin und sie auch bis jetzt nie gespielt habe. Ich spiele generell auch keine Videospiele, maximal ein paar ältere aus Nostalgiegründen auf der Playstation One. Seit 10 Jahren hab ich da den Faden und Überblick verloren. 

Es war einfach damals eine andere Zeit. Vieles hat man nur als Raubkopie bekommen und wenn die Figuren im Spiel aus 10 statt 5 Pixeln bestanden war das eine grafische Revolution.

Man konnte beobachten wie neue Wege in puncto Grafik und Gameplay erforscht wurden. Im Endeffekt waren es wirklich kleine Gruppen, manchmal nicht mehr als zwei Leute, die die besten und maßgebenden
Computerspiele entwickelt haben (wie z.B. bei „Another World“).

kein Hindernis, 2009, Mischtechnik auf Papier 33 x 26,5 cm © Ludwig Hanisch
kein Hindernis, 2009, Mischtechnik auf Papier 33 x 26,5 cm © Ludwig Hanisch

Kunstnürnberg: Wie unterscheidet sich deine Malerei heute von deinen Arbeiten während der Studienzeit?

Ludwig Hanisch: Die einen sind „jetzt“ und die anderen „damals“ entstanden.

Vielleicht könnte man sagen ich male jetzt mehr Comicfiguren und damals habe ich eben Menschen
und Menschenansammlungen gemalt.

Vorlagen waren hierfür meist alte Fotobücher. Aber man will ja immer seine Sehweise und sein Arbeitsrepertoire erweitern, gucken was da noch so alles ist, um auf neue Bilder zu kommen.

Und nur weil ich zum Beispiel jetzt auf eigene Zeichnungen und Screenshots aus Videogames als Vorlage  zurückgreife, heißt das nicht, dass mich die schwarz-weiß Fotobücher, die ich vor allem im Studium als Vorlagen benutzte nicht mehr interessieren. Es baut alles aufeinander auf und irgendwie kommt das mit der Zeit alles zusammen.

Kunstnürnberg: Welche Projekte hast du für die Zukunft ins Auge gefasst?

Ludwig Hanisch: Einfach gute Bilder malen.

Kunstnürnberg: Auf welche Ausstellungen, abgesehen von deinen, freust du dich im Jahr 2015?

Ludwig Hanisch: Ausstellungen von Künstlerkollegen besuche ich immer gern!

(Das Interview wurde schriftlich geführt.)

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