Das Ölgemälde des Venezianers Jacopo Tintoretto zählt zu den herausragendsten italienischen Meisterwerke, die sich in Franken befinden.

Der Kunstnürnberg-Artikel berichtet von seiner Geschichte und Kunstgeschichte und vergleicht das Gemälde mit einem Relief der Himmelfahrt Marias, das sich ebenfalls in der Oberen Pfarre am Kaulberg in Bamberg befindet.

Jacopo Tintoretto: Himmelfahrt Mariens, Obere Pfarre, Bamberg, M. 16. Jh. © „Bamberg Obere Pfarre Tintoretto BW 1“ von Jacopo Tintoretto - Eigenes Werk. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bamberg_Obere_Pfarre_Tintoretto_BW_1.JPG#mediaviewer/Datei:Bamberg_Obere_Pfarre_Tintoretto_BW_1.JPG
Jacopo Tintoretto: Himmelfahrt Mariens, Obere Pfarre, Bamberg, M. 16. Jh. © „Bamberg Obere Pfarre Tintoretto BW 1“ von Jacopo Tintoretto – Eigenes Werk. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bamberg_Obere_Pfarre_Tintoretto_BW_1.JPG#mediaviewer/Datei:Bamberg_Obere_Pfarre_Tintoretto_BW_1.JPG

Das Altargemälde der Mariä Himmelfahrt von Jacopo Tintoretto in der Oberen Pfarre in Bamberg

  • Adresse: Unsere Liebe Frau / Obere Pfarre, Frauenplatz, 96049 Bamberg
  • Öffnungszeiten: Täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr (aufgrund der aktuellen Sanierungsarbeiten kann es zu Einschränkungen kommen)
  • Webseite: http://www.obere-pfarre-bamberg.de
  • Jacopo Tintoretto: geb. 29. September 1518 in Venedig, gest. 31. Mai 1594.
  • Das Altarbild der Himmelfahrt Marias ist zwischen 1550 und 1560 entstanden.
  • Höhe: 4,50 m

Die Himmelfahrt Marias von Jacopo Tintoretto – Geschichte

Das Altargemälde mit der Himmelfahrt Marias von Jacopo Tintoretto hängt im rechten Seitenschiff der Oberen Pfarre am Kaulberg in Bamberg.

Es entstand etwa um die Mitte des 16. Jahrhundert in Italien. Ursprünglich stammt das Gemälde aus dem Bamberger Dom. 1937 wurde es jedoch mit dem Holzretabel des Künstlers Veit Stoß (geb. um 1447 Horb am Neckar?, gest. 1555 in Nürnberg) getauscht und gelangte in die Obere Pfarre.

In den Bamberger Dom gelangte es ursprünglich als Vermächtnis des Domprobst Neustädter gen. Stürmer, der es aller Wahrscheinlichkeit nach zuvor in Venedig erworben hatte und 1639 verstarb.

Die barocke Umgestaltung des Domes ab 1648 konnte dem Altargemälde einen zeitgemäßeren Rahmen schaffen. 1651 wurde das Gemälde in einen Marienaltar im Südquerhaus des Domes integriert, der Formen einer Triumphalarchitektur zeigte.

In der Oberen Pfarre in Bamberg existiert ein Holzrelief, das ebenfalls das Bildthema der Himmelfahrt Marias zeigt. Das Relief auf dem frühen 16. Jahrhundert erinnert an die Schnitzwerke von Veit Stoß.

Es wurde jedoch möglicherweise von Hans Nußbaum geschaffen. Es soll als Vergleichsbeispiel für das Werk Tintorettos dienen, da es nur maximal 50 Jahre früher entstanden ist, jedoch große Unterschiede aufweist. An diesem Vergleich lässt sich eine „epochale Wende“ in der Kunst aufzeigen.

Hans Nussbaum ?: Himmelfahrt Mariä, Obere Pfarre Bamberg, Holzrelief, Foto: Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Hans Nussbaum ?: Himmelfahrt Mariä, Obere Pfarre Bamberg, um 1510, Holzrelief, Foto: Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Das ältere Relief weist Charakteristika eines mittelalterlichen Altarbildes auf. Es wird von einer hieratischen Ordnung und Symmetrie beherrscht. Auffallend ist, dass die Bedeutung  des Wunders der Himmelfahrt Marias im Heilsgeschehen durch den Einsatz von viel Gold dargestellt wurde. Andere künstlerische Mittel standen dem Bildschnitzer nicht zur Verfügung.

Der Venezianer Tintoretto arbeitete die Bedeutung der Himmelfahrt mit künstlerisch völlig verschiedenen Mitteln heraus. Er schuf mit dem monumentalen, 4,50 Meter hohen Altarbild, eine Szenerie, die von Dramatik und Bewegung bestimmt ist.

Die narrative Vorlage für das Bildthema der Mariä Himmelfahrt ist eine mittelalterliche Legende, nach der alle Apostel von Engeln zur sterbenden Maria in Ephesos gebracht worden sind.

Auf Tintorettos Gemälde treffen die letzten Apostel gerade erst hektisch ein. Rechts hat sich ein Jünger erschöpft an den Sarkophag gekauert. Tintorettos Apostel sind einfache Menschen ohne Schuhwerk und mit einem Wanderstab in der Hand, der auf die langen und strapaziösen Missionsreisen der Jünger Christi in aller Herren Länder hinweist. Im spätgotischen Holzrelief sind die Apostel dagegen Würdenträger in kostbarer, zeremonieller Kleidung, die in einer feierlichen Liturgie auftreten.

Tintoretto verwendet erdige Farben und kennzeichnet die Heiligkeit der Apostel nur mit einem schwach leuchtenden Heiligenschein. Für die Verdeutlichung der Handlung genügen dem Venezianer fünf Apostel, während der Rest in den Hintergrund der Wahrnehmung tritt.

In der linken unteren Ecke schreckt ein Jünger auf und weicht von seinem Buch ausladend zurück. Er streckt die Arme aus und wurde dafür von Tintoretto als Rückenfigur entworfen, die den Blick des Betrachters zurück zum Geschehen lenkt. Petrus vor ihm macht die anatomisch gegensätzliche Bewegung und prescht vor zu Maria.

Alle Apostel reagieren verschieden auf das Wunder, das vor ihren Augen geschieht. Stellvertretend für die Betrachter des Gemäldes nehmen sie am Wunder der Himmelfahrt teil. So ist der Apostel Johannes links von Petrus fromm in sich gekehrt während ein anderer seine Arme jubelnd in die Höhe reißt. Jede Figur des gesamten Personals verkörpert so verschiedene emotionale Zuständen der Kirchenbesucher und erhöht die Realität des Wunders im Kirchenraum.

Über den Aposteln vollzieht sich in einer himmlischen Sphäre das Wunder. Maria wird von Engeln in den Himmel gebracht. Sie schafft es nicht aus eigener Kraft und benötigt himmlische Unterstützung. Tintorettos Engel führen waghalsige Bewegungen aus, um die Muttergottes in den Himmel zu tragen.

Die Engel des spätgotischen Holzschnitzers hingehen fungieren nur als „Schleppenträger“.  Tintorettos Maria ist keineswegs ganz klar, was ihr geschieht. Sie hat demutsvoll die Arme ausgebreitet und gibt sich den himmlischen Boten hin. Mühsam löst sie sich von der Erde. Der Aufstieg in den Himmel erscheint nicht als triumphaler Sieg über den Tod. Hier spiegelt sich der durch Epidemien und Kriege bestimmte harte Alltag der Menschen jener Zeit.

Bedeutung für Franken

Das venezianische Gemälde führte eine neue religiöse Kultur in Bamberg ein. Vor Tintorettos Gemälde existierte kein Werk in der Stadt, das „Wirklichkeitssinn, religiöse Leidenschaft und künstlerische Vision“ in diesem Maße vervollkommnete.

Das gängige Bildthema der Himmelfahrt Mariä wurde von Tintoretto mit neuen künstlerischen Mitteln umgesetzt und bezeugt die Neubelebung der katholischen Kirche in gegenreformatorischer Zeit, nach der Kirchenspaltung.

Jacopo Tintorettos Himmelfahrt Mariens gilt als eines der wenigen weitgehend eigenhändigen Werke des Malers und wurde ein Vorbild für die fränkische Barockmalerei. Es verwundert daher, dass das Gemälde erst 1938 wiederentdeckt wurde.

Quellen:

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