Die Ausstellung Miracle Macho der Künstler Michael Ullrich und Marco Stanke läuft vom 15.09. bis 10.11.2017 im BÜHLERS in Fürth.

Michael Ullrich und Marco Stanke: Malerei – Fotografie – Objekte

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Bislang kennen wir eine Zusammenarbeit von euch zwei vor allem aus dem Bereich Musik und der Band POLIZEI. Wie kam es nun zu eurer Kollaboration in Sachen Kunst und der Ausstellung Miracle Macho im BÜHLERS in Fürth?

Michael Ullrich: Marco und ich haben uns in der Nürnberger Kunstakademie kennengelernt, aber unsere ersten gemeinsamen Projekte spielten sich zunächst mit den Hartjungs und unserer neuen Band POLIZEI im Feld der Musik ab. Wir machen schon lange Musik zusammen und haben währenddessen auch über unsere Arbeiten gesprochen.

Also Marco mit mir über meine Fotografien und ich mit ihm über seine Malereien und hatten dabei immer einen irre guten Austausch. Wenn man zusammen Musik macht, baut man auch ein bestimmtes Vertrauen zueinander auf. Das konnten wir für unsere Arbeit sehr gut nutzen. Für mich war es spannend einen Maler zu haben, der sich zu meinen Fotografien äußert, und andersherum ebenso. Der Austausch erweitert einfach den eigenen Horizont.

Marco und ich haben auch bereits die Ausstellung „Boys on Aphrodite“ in der Akademie Galerie in Nürnberg zusammen gemacht. In dieser Ausstellung haben wir beide unser Medium komplett verlassen und sind neue Wege gegangen. Wir haben mit Hilfe einer Videoarbeit in Verbindung mit Sound die Akademie Galerie zu einem Techno-Club umgewandelt.

Jetzt haben wir hier im BÜHLERS erneut die Gelegenheit zusammen auszustellen und erstmals unsere Malereien und Fotografen zusammenzubringen. Während des Aufbaus haben wir gemerkt, wie wunderbar das funktioniert und wie viele extreme Überschneidungspunkte wir haben.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch in Bezug auf Farbe, Form und bestimmte Bezugspunkte.

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Was man auch gut an der Hängung der Werke in der Ausstellung sehen kann. Die Arbeiten funktionieren wunderbar in den Räumen. 

Michael Ullrich: Genau. Und es passt sogar raumübergreifend. Wenn man von einem Raum in den nächsten geht, erkennt man den Bezug zum vorherigen Raum, aus dem man kam. Wir wollten die Ausstellung als großes Gesamtobjekt kreieren.

Die einzelnen Arbeiten funktionieren für sich selbst sehr gut, sie sollen aber auch im Großen und Ganzen, dem Gesamten funktionieren.

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Marco, deine Rahmenbilder haben den Schritt von der Wand in den Raum genommen und werden zu Objekten. Welche Idee steckte am Anfang hinter den Bildern und welche Spielräume bleiben dir jetzt noch offen?

Marco Stanke: Meine Ursprungsidee war das Verlassen der klassischen, rechteckigen Grundfläche. Ich habe aus einer zunächst figürlichen Malerei heraus angefangen mit diesen Bildobjekten zu arbeiten, die dann zwangsläufig auch immer stärker in den Raum hineingerutscht sind.

Daraus hat sich für mich eine Art Spielsystem entwickelt. Die Arbeiten werden immer wieder neu im Raum und an der Wand kombiniert, wodurch sie letztendlich zu einem unendlichen Bild werden. Es hat kein Ende und keinen Anfang.

In gewisser Weise ist das ein recht demokratischer Umgang mit den eigenen Werken, weil keines wichtiger ist als das andere.

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Das sieht man sehr gut an deiner großen, wandgreifenden Arbeit im BÜHLERS, die in den Raum hineingreift und sich teilweise komplett von der Wand löst.

Marco Stanke: Bislang waren meine Arbeiten sehr streng entlang der Vertikalen und Horizontalen gehängt. Davon habe ich mich nun gelöst und das Ganze ist chaotischer geworden. Die Arbeit greift in ihrer Form auch ein Bild von Michi auf, das im gleichen Raum hängt.

Parallel zu den frei gehängten Teilen des ‚Kollektiv‘ gibt es die „Tupel“. Das sind in sich geschlossene Arbeiten aus einer festen Anzahl an Einzelteilen, die innerhalb eines festgelegten Rahmens immer wie neu angeordnet werden können. In gewisser Weise eine Rückbesinnung an das konventionelle Bildformat, jedoch in Verbund mit der Vorstellung einer stets variablen Fläche.

Ansonsten möchte ich den Raum ganzheitlicher erfassen. Bisher konnte ich nur Raumteile bearbeiten, aber mein längerfristiges Ziel ist es eigentlich, ganze Räume zu bespielen.

 

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Michael, die Ausstellung zeigt auch Werke, die wir bereits von dir gesehen haben. Die älteste Arbeit ist das Bild, auf dem du nackt in einer Sonnenbank liegst und die vor zwei Jahren auf der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg zu sehen war.

Siehst du die Ausstellung als eine Gesamtschau der letzten Jahre und quasi als ein Vorspiel für die Absolventenausstellung im Oktober 2017, wo du auch teilnimmst und damit die Fotoklasse beendest?

Michael Ullrich: Meine Arbeit ist wie eine große Serie, weshalb ich neue, genauso wie alte Bilder in der Ausstellung zeige. Ich behandele sie auch gleich und versuche eine Gesamtatmosphäre zu kreieren. Da gehören die älteren Bilder genauso dazu, weil sie meinen Werdegang und meine Entwicklung zeigen.

Ich sehe die Ausstellung nicht so sehr als Vorbereitung für die Absolventenausstellung, weil wahrscheinlich keine einzige Arbeit bei der Absolventenausstellung gezeigt wird. Da wird etwas ganz neues passieren. Ich zeige das deswegen hier so, weil ich die letzten Jahre in Nürnberg und auch oft hier war und es einfach Bezüge zu diesem Ort und Nürnberg an sich gab. Es ist irgendwie schon eine Art Gesamtschau, aber auch ich bin ja eine Gesamtschau von mir selbst. Das zeige ich sehr gern.

Ich habe auch neue Arbeiten dabei, die 2017 entstanden sind und möchte alles mixen. Da bin ich nicht so dogmatisch. So punkmäßig zusammengeschmissen finde ich es super!

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Und ist diese Serie nun beendet?

Michael Ullrich: Nein, die geht immer weiter. Das ist eine lifelong-Serie und hat deshalb auch den Titel „you and I“. Der Titel ist zwar simple, aber auch sehr einnehmend. Ich werde öfters gefragt, wo der Zusammenhang zwischen meinen Bildern ist.

Es gibt schon Zusammenhänge zwischen den Bildern, aber der große Zusammenhang bin ich selbst. Ich bin die Schnittstelle zwischen allen meinen Bildern. Ich bin die Person und das Medium, das die Personen und die Orte vereint, was alles zusammenhält. Das macht mich auf eine Art und Weise zum Mittelpunkt meiner Arbeit. Ist zwar nicht ego-clean, aber das ist mir egal.

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Marco Stanke: So gestaltet es sich auch mit meinen Arbeiten, weil es sich bei mir nicht um die einzelnen Bilder dreht, sondern um ein großes Konglomerat aus Arbeiten, das mit mir wächst. Was ich vor drei Jahren gemacht habe, spielt die gleiche Rolle wie neue Arbeiten.

Michael Ullrich: Wir sind ja auch die Summe aller unserer Erfahrungen. Deswegen sind wir jeden Tag auf eine Art und Weise ein neuer Mensch. Ich finde es schön, das in der Arbeit darzustellen: Wie wir waren, wie wir sind und wie wir sein werden.

Marco Stanke: Im Laufe der Zeit blickt man auch mit einem anderen Auge auf ältere Sachen und so entstehen neue Blickwinkel.

Michael Ullrich: Die Arbeiten entdecken sich selbst neu. Wenn sie neu kombiniert werden, werden sie zu neuen, frischen Arbeiten und ich finde es auch spannend, wie eine Arbeit an sich selbst wachsen kann und neue Zusammenhänge entstehen.

Kunstnürnberg: Gerade bei den Fotografien erhält man einen Einblick in deine Biografie. Und das ist eine Idee, die du immer weiter verfolgst oder durchspielst?

Michael Ullrich: Genau ja. Bei der Kollektivarbeit zum Beispiel merke ich, wie sich die Größe darstellt und Zweige abspalten und immer wieder neue Parallelstränge entstehen, die ein ähnliches Prinzip vereinen aber auch mehr für sich stehen.

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg: Ihr zeigt Malerei und Fotografie, aber auch Objekte. Welche Rolle spielen Objekte, die ja nicht unbedingt zum klassischen Repertoire eurer Fächer Fotografie und Malerei gehören, in der Ausstellung und welchen Stellenwert haben Objekte allgemein in eurer Arbeit?

Marco Stanke: Bei mir ist es ja tatsächlich so, dass meine Malerei recht offensichtlich mit dem Begriff des Objekts behaftet ist. Was für mich sogar (fast) spannender ist, sind meine die Siebdruckarbeiten, bei denen das druckgrafische Spektrum über das Objekthafte bis hin sogar zum Sound erweitert wird. Letztlich mündet das in einer Arbeit von mir, bei der eine täuschend echt wirkende, siebgedruckte Schallplatte auf einem Plattenspieler liegt und einen Ton abgibt.

Kunst und Medien haben das Potential, in andere Medien hinüberzugleiten. Kein Medium kann an sich eindeutig sein. Ich glaube nicht, dass es hundertprozentige Fotografie oder Grafik geben kann, weil alles ein Stück weit in andere mediale Bereiche abdriftet. Druckgrafik kann malerisch sein, kann aber auch Fotografie darstellen, Malerei kann Objekt sein – und umgekehrt. Es löst sich auf und ist fließend. Deswegen lösen auch wir die Grenzen auf, indem wir Fotografie, Malerei, Druckgrafik und Objekte in einem Ausstellungsort zusammen stecken.

 

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Michael Ullrich: Ich bewege mich auch im Bereich des Objektes, weil ich aufgeladene Objekte mag. Beispielsweise ist ein Skateboard als Objekt mit einem Lifestyle behaftet und das zu transformieren und in Kombination mit Fotografien zu zeigen, lässt eine neue Atmosphäre entstehen.

Die Objekte in Form eines  bronzefarbenen Asthmasprays zeigen die Schwere, das Massive, was die Fotografie nicht komplett zeigen kann. Ein Foto ist die Umformung der Materialität, das Gesehene oder die Realität wird in ein geprintetes Bild geformt. Anders ist es aber, wenn ein Asthmaspray aus Plastik in Bronze umgeformt wird, eine Art Materialspiel und es wird eben aufgeladen und steht dadurch für sich selber als Objekt. Ich benutzte auch diese für mich biografischen und aufgeladenen Objekte und setzte sie in einen anderen Kontext.

Kunstnürnberg: Das Skateboard, was bewegt und schnell ist, wird aus dem Kontext genommen und ist nun fest und fixiert. Dem Asthmaspray wird die Leichtigkeit genommen und es wird mit einer Schwere behaftet. 

Michael Ullrich: Ich habe beiden Objekten die Funktion genommen. Das Skateboard ist in einen Betonblock gegossen und heißt Excalibur of Youth. Excalibur als Anspielung auf das mächtige Schwert, welches nur einer auserwählten Person vorbehalten ist, es aus dem Stein zu ziehen. So ist es eben beim Skateboard fahren auch, du gehst alleine auf die Straße und es ist dein Ding. Es verleiht dir deine eigene Macht.

Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich
Miracle Macho, Michael Ullrich und Marco Stanke, Malerei, Fotografie, Objekte, 15.09. – 10.11. 2017; Foto: Michael Ullrich

Kunstnürnberg Was erwartet uns in nächster Zeit von euch?

Michael Ullrich: Ich mache jetzt noch das Grafikdesigndiplom zum Meisterschüler dazu. Fotografie ist an sich grafisch und ich möchte noch Schrift, Plakate und Layout machen. Ich denke Musik, Fotografie und Grafik geht an sich extrem gut zusammen. Zusätzlich spielen wir die Tour mit der Polizei und sind nächste Woche mit der Polizei in der Galerie Lisa Kandlhofer in Wien.

Marco Stanke: Ich mache nächstes Jahr meinen Abschluss und ein halbes Jahr später ebenfalls in München, wo ich parallel studiere. Ansonsten bewerbe ich mich schon mal für den Posten des Bademeisters 😀

Kunstnürnberg Habt ihr einen Ausstellungstipp für die Kunstnürnberg-Leser?

Michael Ullrich: Auf jeden Fall die Tate Modern in London. Und jedes POLZEI-Konzert. Und natürlich den Kunstverein Edel Extra.

Kunstnürnberg: Super! Vielen Dank für das Interview!

Marco und Michael: Sehr gerne und vielen Dank!

INFOBOX

Hier können Sie einen Kommentar hinterlassen:

Please enter your comment!
Please enter your name here