Das Portrait gehört seit der Antike zu den Hauptthemen der Malerei. In diesem Artikel wird die Geschichte der Portraitmalerei durch die Jahrhunderte hinweg bis heute skizziert.

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Jeder kennt sie, die langen Ahnengalerien, die uns in alten Schlössern und Museen ehrwürdig von der Wand herab entgegenblicken. Manchmal noch fast wie lebendig, in anderen Fällen schon verdunkelt von der Zeit, schauen wir unseren Vorfahren in die Gesichter.

Wir fragen uns, wer sie waren, was sie erlebten, ob sie dachten und fühlten wie wir. Dank dieser Portraits können wir uns eine kleine Vorstellung davon machen, wir haben Bilder zu den vielen Namen derer, die unsere Geschichte prägten.

Doch was einst in der Hauptsache Königen und Adligen vorbehalten war, ist heute eine Kunst geworden, die für jedermann erschwinglich ist: Portraitmalerei.

Ob im Atelier, auf der Straße und den Brücken, auf Märkten oder Hochzeiten, moderne Portraitmaler bieten ihr Können für viele Gelegenheiten und für jeden Geldbeutel an.

Manche Abbildungen zeigen nur Gesicht und Schultern, andere bilden den Oberkörper mit ab und wieder andere zeigen den ganzen Menschen, sitzend, stehend, zu Pferde, musizierend oder lesend, allein, zu zweit, mit der ganzen Familie oder dem Lieblingshaustier.

Der Kopf kann in der Vorderansicht, im Profil oder gedreht in der Dreiviertelansicht dargestellt sein, je nach Wunsch und thematischer Einbindung. Portraits sind vielseitig und seit jeher beliebt.

Doch woher stammt der Wunsch, das eigene Gesicht oder das eines lieben Menschen um sich zu haben? Gibt es die klassischen Ahnengalerien noch heute? Was hat sich geändert, was ist gleich geblieben?

Das Portrait – eine uralte Kunst

Bereits im alten Griechenland um 500 vor Christus wurde die Kunst des Portraitierens gepflegt, wie wir aus alten Quellen und einigen Beschreibungen aus dieser Zeit wissen. Auch auf italienischem Boden schuf man Bildnisse berühmter Persönlichkeiten. Ein Beispiel dieser Zeit ist das Wandbild der Sappho in Pompeji, einer griechischen Dichterin, die für ihre erotische Lyrik bekannt war und ist.

Im Mittelalter trat der Mensch als Individuum hinter dem Glauben zurück. Damit änderte sich auch der Stil der Portraitmalerei: In die Darstellung biblischer Szenen waren kleine Bildnisse eingefügt, die den jeweiligen Stifter des Kunstwerks, etwa den Papst oder einen Bischof, zeigten. Da das Hauptaugenmerk des Betrachters jedoch auf den christlichen Figuren liegen sollten, sind diese Stifterportraits stets in kleinerem Maßstab gehalten.

Im Übergang zur Renaissance war es beispielsweise der italienische Maler Giotto di Bondone, der solche Auftragswerke für Papst Benedikt XI. und König Robert von Neapel anfertigte.

Vom Bibelbild zur Selbstdarstellung – Portraitmalerei im Mittelalter und in der Renaissance

Ab dem 14. Jahrhundert sind (wieder) die ersten Bildnisse überliefert, die einen Menschen so darstellen, wie wir es heute meistens als Portrait verstehen:

Allein und als Brust- oder Hüftbild. Doch sind es nicht nur Könige und Päpste, die wir auf den Renaissancekunstwerken sehen. Gut betuchte Persönlichkeiten ließen sich ebenfalls malen, etwa Universitätsprofessoren oder reiche Kaufleute.

Von Altichiero da Zevio – Unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2367255

Auch von Künstlern wie Francesco Petrarca, dem berühmten Verfasser des „Canzonieres“, einer wunderschönen Liebesgedicht-Reihe, gibt es Portraitgemälde.

Mit der Renaissance wanderte die Kunst weiter in den Norden und erreichte vor allem Flandern und die Niederlande.

Von Jan van Eyck – Web site of National Gallery, London, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11343084

Hier brachte der Maler Jan van Eyck eine neue Technik ins Spiel: Die Ölmalerei. Mit dieser lassen sich im Gegensatz zu der in Italien gebräuchlichen Temperamalerei die Farben einfacher mischen und so bessere Übergänge schaffen. Das Ergebnis: Die Konturen wirken nicht so scharf und hart.

In der Hochrenaissance entwickelte Leonardo da Vinci daraus eine spezielle Maltechnik, die bewirkte, dass Portraits, wie die berühmte Mona Lisa lebensecht und naturalistisch aussehen.

Damit kommen wir zu den bekannten Portraitmalern wie Hans Holbein dem Jüngeren und Albrecht Dürer.

Die Portraitmalerei hatte sich nunmehr zu einer eigenen Kunst entwickelt, sie war kein bloßes Handwerk mehr. Das neue künstlerische Selbstbewusstsein zeigte sich auch in der Bildkennzeichnung:

Hatten die mittelalterlichen Maler keinerlei Hinweise auf ihre Identität auf den Bildern hinterlassen, signierte Dürer alle seine Werke mit seinem Monogramm AD.

Albrecht Dürer: Portrait des Hieronymus Holzschuhen, 1526, Öl auf Holz, Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Wikipedia Commons

Ganze Werkstätten entstanden für die Höfe. Die Herrscher wollten sich selbst und ihren Erfolg, ihre Siege auf dem Schlachtfeld und ihr hohes Ansehen im Volk dargestellt und für die Nachwelt festgehalten wissen.

Um 1600 kamen kleine Bildnisse hinzu, die für den privaten Gebrauch bestimmt waren, Minibilder würden wir sie heute nennen. Ihr Zweck war ein anderer als der der großen Portraitgemälde für die Ahnengalerie:

Sie zeigten eine geliebte Person, die man bei sich tragen konnte – so wie manch einer heute ein kleines Passbild seines Ehepartners, Freundes oder der Kinder im Portemonnaie dabei hat.

Selbstporträt, 1660, Rembrandt (Rembrandt van Rijn), Niederlande, 1606–1669; Metropolitan Museum of Art, New York, Public Domain

Einige Künstler begannen auch, sich selbst im Portrait darzustellen. Berühmt dafür ist der niederländische Maler Rembrandt van Rijn.

Die Eigendarstellung war teilweise zunächst eine Übung, da man für ein Selbstportrait nichts weiter als einen Spiegel brauchte.

Rembrandt trainierte dabei nicht nur die menschlichen Proportionen, sondern auch Gesichtsausdrücke: Ob lachend, schreiend oder von Angst erfüllt, der Künstler verewigte sich mit diesen Gefühlen und brachte so weiteres Leben in die ernsten und kühlen Gemälde.

Gemalter Pomp und Gloria – Portraitmalerei im Barock

Im 17. und 18. Jahrhundert war das Malen von Portraits in erster Linie Auftragsmalerei:

Ob Könige, Fürsten oder geistliche Würdenträger, das Bildnis gehörte zum absoluten Status Quo der eigenen Machtdarstellung.

Ab dem 18. Jahrhundert kamen zu diesen rein repräsentativen Kunstwerken zunehmend privatere Bildnisse hinzu, die den Herrscher menschlicher erscheinen ließen, etwa indem sie ihn im Kreise seiner Familie zeigten.

Zudem gab es neben den bis dato ausschließlich männlichen Künstlern nun die ersten Malerinnen.

Sie erkämpften sich an den strengen Vorschriften der Zeit vorbei eine Malereiausbildung und durften im Anschluss als Portraitkünstlerinnen tätig sein.

Von Élisabeth Vigée-Lebrun - Art Renewal Center – descriptionold image: from [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=150089
Von Élisabeth Vigée-Lebrun – Art Renewal Center – descriptionold image: from [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=150089

Ein bekanntes Beispiel ist Marie Louise Élisabeth Vigée-Lebrun, die viele europäische Adlige portraitierte und als Hofmalerin der französischen Königin Marie Antoinette unvergessen blieb.

Im 19. Jahrhundert wurden die Bilder zunehmend realistischer. Wo die absolutistischen Hofmaler Anmut und Schönheit, Stattlichkeit und Männlichkeit teilweise „herbeigemalt“ hatten, wurde nun Wert auf Authentizität gelegt.

Das Portrait sollte dem wirklichen Menschen ähnlich sein. Auch die Erfindung der Fotografie änderte daran nichts, gemalte Portraits blieben hoch im Kurs.

Im 20. Jahrhundert dann gingen beide Künste – Malerei und Fotografie – ineinander auf. Portraits werden heute hauptsächlich anhand eines Fotos angefertigt, auch wenn es die Künstler, denen der zu Portraitierende Modell sitzen muss, immer noch gibt.

Moderne Portraitgemälde

Portraitmalerei – von der Antike bis heute, Foto: zafrane.de

Die Vielfalt an künstlerischen und auch technischen Möglichkeiten gestattet es dem modernen Portraitmaler, seine Werke ganz den Wünschen seines Auftraggebers anzupassen.

Der Reiz liegt dabei natürlich in der Kunst:

Kein gemaltes Portrait gleicht dem anderen, wie sich Fotos gleichen können.

Handgemalte Bildnisse zeigen uns, was der Künstler sieht, nicht, was ein Automat abbildet. Selbst ein Portrait vom Foto ist immer eine künstlerische Interpretation, keine mechanische Kopie.

Klassische Ölportraits

Portraitmalerei – von der Antike bis heute, Foto: zafrane.de

Ein klassisches Ölgemälde zielt dabei natürlich trotzdem auf eine möglichst lebensechte Darstellung. Es ist oft den Gemälden der alten Zeiten nachempfunden.

Ob es nun die Freude an diesen alten Kunstformen ist oder der Genuss an der Selbstdarstellung im Gefolge der alten Persönlichkeiten muss jeder, der ein solches Gemälde anfertigen lässt, wohl für sich allein entscheiden.

Da ein derartiges Ölgemälde viel Zeit und Ruhe braucht, um gemalt zu werden, aber die Kundschaft wenig Zeit hat, werden solche Portraits oft anhand eines Fotos angefertigt.

Portraits im Pop-Art-Stil

Das Pop Art Portrait ist in der Intention ganz anders als das klassische Ölgemälde:

Dieser englisch-amerikanische Stil, der um 1950 entstand, nutzt Elemente des Expressionismus‘, um eine Person darzustellen.

Hier wird in den buntesten Farben verfremdet. Ecken, Kanten und Fältchen, alles verschwindet unter dem Regenbogen-Anstrich.

Das Ergebnis ist ein fantasievolles, manchmal geradezu kindlich wirkendes Abbild.

Wer sich im Pop-Art-Stil portraitieren lässt, möchte nicht altehrwürdig, sondern ganz im Gegenteil modern erscheinen.

Leicht und farbenfroh wie das Leben selbst sind diese Portraits, für Dekorationen oder Attribute wie Bücher, Tiere oder Blumen ist kein Platz.

Der Mensch und seine Verfremdung stehen ganz im Vordergrund.

Die Portrait-Illustration

Portraitmalerei – von der Antike bis heute, Foto: zafrane.de

Wem die kräftigen Farben der Pop Art nicht zusagen, der kann sich als Illustration portraitieren lassen.

Dabei zeichnet der Künstler anhand eines Fotos und mithilfe eines speziellen Computerprogramms direkt auf dem Bildschirm ein Portrait, das sich an den Eigenschaften der Buchabbildungen bis hin zum Comic orientiert.

Neben der Freude an der künstlerischen Umsetzung kann solch eine Arbeit auch dazu dienen, ein originelles Abbild für etwa Bewerbungen oder den eigenen Internetauftritt zu erhalten.

Um sich von der Konkurrenz abzuheben oder vielleicht auch, weil man keinen guten Fotografen findet oder sich selbst für nicht besonders fotogen hält, sind Portraits in Form von Illustrationen eine interessante und witzige Alternative.

Auch wer von traditionell starren Formen wie dem obligatorischen Hochzeitsfoto Abstand nehmen möchte, kann sich sein Bild im Nachhinein als Portrait-Illustration umgestalten lassen.

Die Freude am eigenen Bildnis

Portraitmalerei – von der Antike bis heute, Foto: zafrane.de

Abschließend kann festgestellt werden, dass die Lust an der Darstellung der eigenen Person seit der Antike ungebrochen und offensichtlich tief in uns Menschen verankert ist.

Die vielen Formen der modernen Portraitdarstellung sprechen dafür.

Auch erinnern wir uns gern, und Portraits – in welcher Form auch immer – dienen uns dazu, schöne und wichtige Begebenheiten in unserem Leben im Gedächtnis zu behalten und an unsere Nachfolger weiterzugeben.

Vielleicht helfen uns Portraits auch, uns zu sehen, wie wir gern sein möchten. Oder wie wir uns wünschen, dass unsere Mitmenschen uns wahrnehmen.

Der deutsche Schriftsteller Christian Morgenstern bemerkte dazu: 

Einer der seltsamsten Zustände ist das dunkle und unvollkommene Bewusstsein, das wir von der Form und dem Ausdruck unseres eigenen Gesichtes haben. 

Kurz gesagt, ein Foto oder der Blick in den Spiegel können uns erschrecken: Sehen wir wirklich so aus?

Ein Portrait anfertigen zu lassen, welches unsere guten und attraktiven Seiten zum Vorschein bringt, kann also auch eine Ermunterung für den Alltag sein, ein kleiner, gedanklicher Schub, der uns sagt: Nein, es gibt auch Tage, an denen du richtig gut aussiehst.


Der Dichter Christian Friedrich Hebbel drückte es so aus:


Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht, irgendeinem gefällt er.

Sie möchten ein Portrait malen lassen? Besuchen Sie die Webseite unseres Kooperationspartners zafrane.de – Galerie und Kunsthandel.


Text: zafrane.de – Galerie und Kunsthandel

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