Eine urbane Zukunftswerkstatt öffnet ihre Tore

Q17/Q18 PARTICIPATE – Ab dem 23. September 2017 wird die Industriehalle 18 auf dem AEG-Gelände für einen ganzen Monat von Akteuren der Kreativszene, Kulturschaffenden und dem heizhaus bespielt.

Zahlreiche Veranstaltungen, sowie Projekte rund um Kunst, Wissenschaft, Ökonomie und Soziokultur werden einen interdisziplinären Treffpunkt entstehen lassen, welcher getreu dem Motto Q17/Q18 – PARTICIPATE Menschen aus allen Bereichen einlädt, einen Blick ins Innere zu wagen, teilzunehmen oder sich selbst aktiv einzubringen.

Wir haben uns mit Wanda Leuthe, Maria Trunk und Stefan-Christoph Methner vom heizhaus, getroffen, um ein genaueres Bild von Q17/Q18 zu bekommen.

Kunstnürnberg: Was ist Q17/Q18 und wie ist das ganze Konzept entstanden?

Stefan-Christoph: Wir hatten 2013 das erste Mal Q17/Q18 bei Offen Auf AEG – leitet sich auch ab von den Hallen 17 und 18, Q für Quelle. Damals hieß die erste Ausstellung WORK IN PROGRESS, wo wir bereit in einer Halle gearbeitet haben. 2015 war Q17/Q18 im Raum HEUTE und hieß damals SENSES, da hat man wirklich seine Sinne geschärft.

Durch das HEUTE, was ein klares Offspace-Konzept war, hat sich für uns relativ deutlich herauskristallisiert, wie so ein Offspace-Konzept funktionieren kann. Und da Q17/Q18 ja schon vor dem HEUTE war und ganz viel Innovationspotential gezeigt hat, haben wir das alles schon erprobt.

Wir schaffen eine Infrastruktur auf die man drauf jumpen kann. Wir werden nicht alles totplanen, sondern es als Prozess handhaben, der sich über 6 Wochen erstreckt. 2 Wochen Planungsphase und 4 Wochen in der Halle Auf AEG.

In Jahr 2017 Jahr lautet das Thema PARTICIPATE. Diese Wochen werden wir unsere Sinne ein bisschen schärfen, wenn die KünstlerInnen kommen und dann partizipieren – teilnehmen. Das bedeutet nicht nur, dass man herkommt und ein Event konsumiert, sondern wirklich sagt: Okay, ich gehe als Individuum oder Organisation da mit rein und mache etwas in diesem Raum.Außerdem wird es eine große Openingparty geben.

Kunstnürnberg: Wann findet die Opening-Party statt?

Stefan-Christoph: Die ist am Samstag, den 23.09.2017, zu Offen Auf AEG. Florian Seyberth, Babis Cloud und die Band Code Canary werden spielen, das ist unser kick off.

Darauf folgt dann im Endeffekt ein Monat Offspace, der am 21.10. mit der langen Nacht der Wissenschaften endet, so ist es bis jetzt geplant. Wir haben schon wieder Terminanfragen für danach, das müssen wir noch klären, aber genau das ist es eben: Wir testen Workflows, wir testen Möglichkeiten und Ideen, die wir seit Ewigkeiten mit uns rumtragen. Die werden da einfach mal gelebt! Das heißt, wir bauen einen heterotopen Raum auf mit verschiedenen Ansätzen. Im Endeffekt werden wir ganz viele Ideen zusammen tragen, um dann zu sehen, was hier eigentlich geht und wie was miteinander ein Stück gehen kann.

Maria: Der heterotope Raum ist ja ein Raum, der nicht vordefiniert zugänglich ist. Das zugänglich machen geht so schön mit der Idee des Quellkollektivs zusammen, und unserer generellen Herangehensweise an Projekte und dadurch, dass er nicht da vordefiniert ist, mitgestaltbar und zugänglich, dadurch ist er je nachdem wer sich darin befindet, immer ein anderer Raum und das ist das Schöne.

Wir haben Lust darauf die Projekte oder die Initiativen, die Institutionen, die ja sonst so ihr eigenes Ding an ihrem Ort machen, an einen anderen Ort um zu transferieren. Aus diesem Ortswechsel ergeben sich dann Dinge, die an dem angestammten Ort nicht passieren können und es begegnen sich Menschen, die sich sonst nicht begegnen hätten. So bringen wir Leben in die Stadt.

Kunstnürnberg: In diesem Projekt finden augenscheinlich nicht nur Synergieeffekte statt, sondern auch ein nachhaltiger Mehrwert für die Stadt und ihre Entwicklung?

Stefan-Christoph: … und der Bedarf. Ich weiß, dass ein Bedarf da ist und der wird gedeckt. Wir haben das ja schon zweimal gemacht, und wenn so eine Minimalstruktur bereits steht, dann wächst sie leichter weiter. Ich freue mich auf die Momente, wenn Synergien dann greifen. Aus diesem Grund laden wir Organisationen, KünstlerInnen und Interessierte ein, in unsere Halle auf AEG zu kommen, sie zu bespielen oder ein eigenes Konzept zu verwirklichen, wobei wir sie natürlich gerne unterstützen.

Und es wird richtig interessant werden, wenn die Verschiedenheit der Menschen auf einmal einen absoluten Mehrwert bietet. Es werden Programmierer auf Designer treffen und Architekten und Projektmanager mit akademischen KünstlerInnen zusammenarbeiten.

Wanda: Ein ganz spannender Aspekt bei dem ganzen ist, dass wir eigentlich und auch gerade in der Veranstaltung Q17/Q18 sehr explizit zeigen, was Arbeit 4.0 ist. Der Begriff schwirrt oftmals irgendwo rum und ist interessanterweise auch ein Thema bei der Kulturhauptstadtbewerbung.

Wir gehen Arbeit 4.0 nicht auf dem theoretischen Weg an, sondern wirklich auf dem Praktischen, denn er wird aus uns heraus gelebt. Gerade weil wir den Bedarf für uns erkannt haben, eine Vernetzung entstanden ist und da wir im heizhaus eine Clusterung haben, die daraus resultierenden Synergieeffekte nutzen und eng zusammen arbeiten, bilden wir diesen Kern von Arbeit 4.0 ab. Wenn man sich die Beschreibung von Arbeit 4.0 auf Wikipedia mal durchliest, ist dort ziemlich genau auf den Punkt gebracht, was wir eigentlich schon leben und zeigen.

Kunstnürnberg: Und diesen Begriff Arbeit 4.0 wollt ihr auch bei Q17/Q18 vorleben?

Stefan-Christoph: Ja klar, wir arbeiten genauso bei Q17/Q18. Es handelt sich wirklich um ein komplett freies Projekt. Das HEUTE war komplett frei, weil wir gesagt haben, Kunst darf nicht instrumentalisiert werden. Auch versuchen wir die richtigen Leute an den Tisch zu holen um Synergien zu entwickeln, in Form von Workshops, Vorträgen, auch die Kinder sind willkommen.

Kunstnürnberg: Wir freuen uns da jetzt schon sehr darauf. Es ist auch eine wunderbare Chance im Zuge von Offen Auf AEG zu eröffnen, wo so viele Leute kommen. Vor allem weil Offen Auf AEG bei den Nürnbergern schon so anerkannt ist. Da könnt ihr mal zeigen, was ihr so alles drauf habt.

Stefan-Christoph: Das war bei Q17/Q18 immer so: wir haben ein Experimentierfeld für eine gewisse Zeit, bei dem wir sagen anything goes und jetzt packen wir unsere Utopien auf den Tisch und formulieren sie. Wenn wir sie formuliert haben dann schauen wir mal, ob nicht noch ein paar andere Leute was hinzufügen können. Es hat eigentlich gereicht das alle zwei Jahre zu machen, weil wir noch ziemlich lange davon zerren und leben konnten. Ich glaub vielleicht ist das auch ein kleiner Link zur Kulturhauptstadtbewerbung.

Maria: Es ist fantastisch, das Team von Q17/Q18 bei einem Meeting zu beobachten. Viele haben diese und jene Idee und könnten und würden mal gerne und dann fangen sie an und das geht irgendwie alles zusammen. Man entdeckt dadurch was in den Menschen eigentlich so für Ideen, Wünsche und Umsetzungsbedürfnisse stecken.

Stefan-Christoph: Und Schnittmengen in den Ideen! Obwohl sie eigentlich gerade aus ganz unterschiedlichen Ecken kommen – man merkt den Wunsch nach einem kulturell erfüllten Leben, das sich nicht mit einer ökonomischen Idee oder sozial-politischen Entscheidungen beißt, sondern es geht alles zusammen. Man einigt sich auf etwas und zieht das dann in aller Konsequenz durch.

Wichtig ist jetzt erstmal der Startschuss während der Opening Party. Aber was wirklich wichtig ist, ist sich den Raum nach vier Wochen anzuschauen.

Es macht Spaß dabei zuzusehen, wie das nächste Level erreicht wird und in meinem Fall motiviert das auch, das jedes Mal wieder zu mitzumachen. Obwohl es natürlich auch ein Marathon ist, es wird super anstrengend, aber es kommt so viel zurück und das ist natürlich auch mein Verständnis von einem Festival.

Ich möchte nicht einfach nur irgendwo hingehen und konsumieren, ich möchte mitwirken und ich möchte mit anderen wirken. Wir wollen das gemeinsam durchziehen, eben eine Gemeinschaft bilden mit mehr und mehr Leuten, die dazukommen und ihre Ansätze und Ideen mitbringen und wie das Motto sagt: Teilnehmen!

Kunstnürnberg: Vielen Dank für das Interview!

Wanda, Maria, Stefan-Christoph: Vielen Dank 🙂

INFOBOX

Q17/Q18, 2017 AUF AEG, HEIZHAUS

 

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