26.9. bis 18.10.2026 und 14.11.2026 bis 21.2.2027 – Kunstvilla Nürnberg
Im Oktober 2026 wäre Georg Karl Pfahler hundert Jahre alt geworden. Die Kunstvilla im KunstKulturQuartier nimmt das Datum zum Anlass für eine Kabinettausstellung – und das ist mehr als eine Pflichtübung zum runden Geburtstag. Denn die Werke, die dort ab dem 26. September zu sehen sind, gehören der Stadt Nürnberg, hängen aber im Normalfall gar nicht hier: Sie sind Dauerleihgaben im Neuen Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design. Für ein paar Monate kommen sie zurück ins Haus ihres Eigentümers.
Wer sich für die Nürnberger Nachkriegsmoderne interessiert, sollte sich diese Gelegenheit notieren. Sie ist kürzer, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Ein Weißenburger, der Deutschland auf zwei Biennalen vertrat
Pfahler, 1926 in Emetzheim bei Weißenburg geboren, studierte an den Kunstakademien in Nürnberg und Stuttgart, in Stuttgart bei Willi Baumeister. Die Biografie liest sich danach wie eine Ausnahmekarriere: 1970 vertrat er die Bundesrepublik auf der Biennale von Venedig, gemeinsam mit Heinz Mack, Thomas Lenk und Günther Uecker. 1981 folgte die Biennale von São Paulo – nach Angaben der Kunstvilla als erster deutscher Künstler. Dazu der Kunstpreis der Nationalgalerie Warschau, Ausstellungen in den USA, in der Schweiz und in Japan, 1992 die Kunstpreise der Städte Stuttgart und Weißenburg, 1996 der Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Von 1984 bis 1992 lehrte er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und prägte dort eine jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstlern. 2002 starb er an seinem Geburtsort. Zwischen Emetzheim und Emetzheim liegen sechsundsiebzig Jahre, in denen ein mittelfränkischer Maler zum bedeutendsten deutschen Vertreter der Hard-Edge-Malerei wurde. Jener Stilrichtung, die sich durch klare Konturen und eine betonte Flächigkeit auszeichnet.
Die eigentliche Geschichte ist eine Geschichte des Weglassens
Interessant an Pfahler ist weniger die Preisliste als der Weg dorthin – und der verlief über konsequente Reduktion.
Am Anfang stand die Auseinandersetzung mit der informellen Malerei, also mit dem Gestischen, Ungeplanten, Materialbetonten, das die 1950er Jahre in Deutschland beherrschte. Ab 1959 entwickelte Pfahler daraus die Serie „Formativ“: abgegrenzte Formen, eine auf wenige Farben reduzierte Komposition. In den Jahren danach vereinfachte er die Formen immer weiter. So lange, bis sie nichts anderes mehr waren als Träger der Farbe. Aus blockhaften Gebilden wurden klar abgegrenzte Farbflächen mit teils abgerundeten Ecken.
Das klingt nach formaler Spielerei, ist aber das Gegenteil. Pfahler hat der Farbe schrittweise alles genommen, was sie erklären oder abstützen könnte: keine Geste, keine Erzählung, keine Textur, die vom Ton ablenkt. Was übrig bleibt, muss die Farbe allein tragen. Und sie trägt, wie die Kunstvilla hervorhebt, bis in den Raum hinein: Es sind die „besonderen optischen Raumwirkungen“, die Pfahler von anderen Farbfeldmalern unterscheiden und die den Ausstellungstitel „Farbe ist Form und Raum“ begründen.
Wie ernst das international genommen wurde, zeigt der Blick nach New York: Ab Mitte der 1960er Jahre wurde Pfahler dort in einem Zusammenhang mit Ellsworth Kelly und Kenneth Noland wahrgenommen; sein New Yorker Debüt in der Fischbach Gallery 1966 kuratierte Barnett Newman.
„Espan Nr. 43″ – warum ein einzelnes Bild eine Karriere erzählt
Gezeigt werden Arbeiten aus den Serien „Espan“ und „Fra Firenze“. Ein Werk davon hat eine eigene Geschichte: „Espan Nr. 43″ war 1981 in São Paulo zu sehen und hängt jetzt in der Kunstvilla.
Pfahler hat nicht alle paar Jahre das Thema gewechselt, um interessant zu bleiben. Er hat ein einziges Bildproblem – das Verhältnis von Farbe, Form und Raum – über Jahrzehnte durchgearbeitet und die Ergebnisse in klar benannten, durchnummerierten Serien organisiert: „Formativ“, „Tex“, „West-Ost-Transit“, „Espan“, „Leda“, „Fra Firenze“, „Floridella“.
Pfahlers Arbeiten werden neben Nürnberg heute auch in den Sammlungen des MoMA und des Centre Pompidou aufbewahrt und der Nachlass international von Galerien betreut wird, hat sicher zuerst mit der Qualität der Bilder zu tun.
Praktisch: zwei Laufzeiten, eine Lücke im Herbst
Ein Detail, das man leicht überliest: Die Kabinettausstellung läuft in zwei Etappen – vom 26. September bis 18. Oktober 2026 und dann wieder vom 14. November 2026 bis 21. Februar 2027.
Kunstvilla im KunstKulturQuartier, Blumenstraße 17, 90402 Nürnberg. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise stehen auf kunstvilla.org.
Leiterin der Kunstvilla ist Dr. Andrea Dippel, Sammlungskurator ist Alexander Steinmüller M.A.
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