Samstag, 4. Juli 2026, Atelier- und Galeriehaus Defet – Gustav-Adolf-Str. 33 – Leopoldstr. 71, Nbg
Ein Haus der Kunst
Eigentlich müssten vor allem sie auf dem Sockel stehen: Marianne und Hansfried Defet. Aber sie sind nicht mehr da. 100 Jahre alt wären beide dieses Jahr geworden, würden sie noch leben. Das 20-jährige Jubiläum des Atelier- und Galeriehauses ist auch ihr Fest: eine Feier der Defets.
Auf dem Sockel stehen nun symbolisch die Kreativen, die das Atelier- und Galeriehaus Defet heute mit Leben füllen, dazu die Köpfe der Stiftung und der da Vinci Künstlerpinselfabrik. Dabei sprechen sie uns – Besucher, Freunde, Förderer, Interessierte – direkt an: mit ihren Ideen, Leitgedanken, Träumen. Die Bilder dieser Performance der Macherinnen und Macher zum 20-jährigen sind ernst und augenzwinkernd zugleich. Da weht ein wenig der Mantel der Geschichte. Da dominiert mit Weiß die Farbe, auf der auch Kunst meist gehängt wird. All das auf einem dieser rechteckigen Gebilde, die in Galerien und Ateliers oft als Bühne für Skulpturen und Installationen dienen – einem Sockel. Auf den, wie gesagt, allen voran die Defets gehören.

Als der junge Hansfried Defet aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, machte ihm seine Mutter umgehend klar, dass er die elterliche Pinselfabrik übernehmen müsse. Der Vater war im Krieg verschollen. Entscheidenden Einfluss auf dem Weg zur Künstlerpinselfabrik hatte die Begegnung mit der Malerei- und Designstudentin Marianne Rottner. Ihre Verbindung zu vielen Künstlerinnen und Künstlern führte auch zur Idee, 1965 eine Privatgalerie zu gründen. »Die Defets« prägten über Jahrzehnte als Unternehmer, Galeristen, Sammler und Mäzene die Kunst- und Kulturszene der Stadt und Region ganz wesentlich mit – von der Initiative zum Symposion Urbanum für zeitgenössische Plastik 1971, über die mehrstufige Schenkung großer Teile ihrer Sammlung an das Neue Museum Nürnberg ab 1999, bis zur Gründung des Atelier- und Galeriehauses Defet 2006. In die ursprünglichen Räume der da Vinci Künstlerpinselfabrik – die in den Neubau im Tilly-Park umzog – konnten zu moderaten Mieten Ausstellungsmacher und Kunstschaffende einziehen. Auch als Hansfried Defet 2011 in Gedenken an seine Frau das zweimal jährlich vergebene Marianne-Defet-Malerei-Stipendium begründete, sprach er vom gemeinsamen Wunsch, junge Positionen zu fördern und der Kunst »etwas zurückgeben zu wollen«. So haben in 20 Jahren Atelier- und Galeriehaus Defet, dessen Begründerin und Begründer 100 werden, auch schon 30 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus dem In- und Ausland unter diesem Dach gearbeitet.

Das Atelier- und Galeriehaus Defet ist zu einem festen Bestandteil des Nürnberger Stadtbilds geworden, zu einem eigenen Leuchtturm des Kunst- und Kulturbetriebs – gerade weil das Haus in einiger Entfernung zum Stadtzentrum steht und man sich dorthin bewusst »auf den Weg machen« muss. Zu verdanken ist das heute besonders denen, die sich seit der Gründung vor 20 Jahren mit Leidenschaft und Begeisterung im Haus engagieren. Hände, die von Anfang dort wirken, verschränken sich mit jenen neuen Mieterinnen und Mieter.

Die Galerien und Institutionen des Hauses – Oechsner Galerie, Institut für moderne Kunst, Fotoszene Nürnberg – prägen das Schaffen ebenso wie das Kinder- und Jugendatelier, das Atelier für künstlerischen Siebdruck, die bildendenden Künstlerinnen und Künstler sowie die anderen Kreativen in den Atelierräumen, ob sie in der Fotografie, dem Design, der Architektur, der Goldschmiedekunst oder der Kulturvermittlung wirken. Sie kooperieren, unterstützen sich gegenseitig, reiben sich auch aneinander. Aber selbst aus der Hitze, die durch Reibung erzeugt wird, entstehen immer wieder Ideen – wie die inzwischen fest etablierte Sommer- und Adventsöffnung, oder das Kunst-Schau-Fenster, das zur Leopoldstraße hin zusätzlichen Einblick bietet.




Am Ende ist die Sockel-Performance der Atelier- und Galeriehaus-Köpfe vor allem Einladung und Aufforderung an das Publikum – auch an die Unternehmer der Metropolregion und die Verantwortlichen der Stadt, in der dieses Haus der Kunst steht: Kommt, geht durch unsere offenen Türen, bringt Eure Freunde mit, begleitet uns weiter – wir brauchen Euch wie Ihr uns braucht, weil Kunst und Kultur gerade in diesen Zeiten des Umbruchs notwendiger sind denn je. Und – auch das hat Hansfried Defet selbst so gesagt – nehmt etwas mit, kauft hier auch Kunst, denn es gibt kaum Schöneres als das Gefühl, ein eben erworbenes Kunstwerk »unter dem Arm nach Hause zu tragen«. Mit Kunst zu leben bereichert, tröstet und spornt an.
Einladung zum 20-jährigen Jubiläumsfest am Samstag, 4. Juli 2026, ab 14 Uhr offene Ateliers und Galerien, mit anschließendem Sommerfest im Hof
Festreden mit dem Stiftungsvorstand und OB Marcus König um 17 Uhr im Hof /
Bar im Hof mit Sarah und Manuel / Musik DJ Stefan Blüml legt Platten auf /
Kaffeebar & Kuchen mit Michaela ab 14 Uhr im 1.OG / Streetfood vom Fladenkönig ab 16 Uhr

Offene Ateliers von 14–20 Uhr
Eva Breitfuß Silke Erdtmann fotoszene nürnberg Angelika Huber Institut für moderne Kunst Nürnberg
Boyong Kim Kinderatelier V. Waffek Markus Kronberger Lisa Lang Marie Luncz Nina Metz Rainer Michely
Oechsner Galerie Harald Raab Jürgen Schabel Martin Turner Verena Waffek und unsere Gastkünstler
Sebastian Kuhn und Kai Strecke

Programm
- Institut für moderne Kunst / Jubiläumsausstellung / ibid. 30 Positionen aktueller Malerei / Eröffnung 14 Uhr
- Verena Waffek / Zauberflötenhäuschen / Silent Opening der Installation ab 14 Uhr
- Kinder- und Jugendatelier V. Waffek / Hauskonzepte / Ausstellungseröffung um 15:30 Uhr
- Oechsner Galerie / Gisela Kleinlein / Wie jetzt? / Einführung mit der Künstlerin um 16.00 Uhr
- Festrede im Hof mit Oberbürgermeister Marcus König um 17 Uhr
- fotoszene nürnberg / Nelly Metzger, Johanna Schütze / ohmformat – 1 / Künstlerinnengespräch um 15 Uhr
- Haus-Gemeinschaftsausstellung / 20×20 / neben der Bibliothek im 1.OG
Atelier- und Galeriehaus Defet
Gustav-Adolf-Str. 33 – Leopoldstr. 71, Nbg



