Ernst Jocher und die Stadtteilgalerie LeonART

Ernst Jocher in seiner Galerie LeonART, Foto: Alexander Racz

Gestern Abend (30.01.2015) machte ich mich in den Nürnberger Stadtteil St. Leonhard auf, wo der Galerist und Fotograf Ernst Jocher seit knapp über einem Jahr die Stadtteilgalerie LeonART führt.

Stadtteilgalerie LeonART, Foto: Ernst Jocher
Stadtteilgalerie LeonART, Foto: Ernst Jocher

Der Galerist Ernst Jocher und sein Projekt Stadtteilgalerie LeonART

Ich kannte die Räumlichkeiten in der Leopoldstraße 24 nur von den Pressefotos der letzten Ausstellung von Tom Schrade und der aktuellen von Reinhard und Elke Zimmermann.

Umso mehr war ich erstaunt, als ich die Galerie betrat: Über 200 m² perfekt inszenierte Ausstellungsfläche für die Kunst! 

Der Galerist Ernst Jocher erzählte mir, dass er oft an den bereits eineinhalb Jahre leerstehenden Räumen eines ehemaligen Supermarktes vorbeilief und nur miterleben konnte, dass sich nichts tat.

Also fragte er bei der Stadt Nürnberg an, ob man die Adresse nicht für eine Zwischennutzung als Galerie renovieren könnte. Die Stadt war positiv gestimmt. Es musste jedoch noch die Eigentümerin des Hauses überzeugt werden.

Nachdem die Grundstückseigentümerin durch die Vorlage des Konzept ebenfalls auf Jochers Seite war, begann er in kompletter Eigenarbeit den leeren Supermarkt in eine Galerie umzubauen. Unterstütz wurde das Projekt durch das Städteförderungsprogramm Soziale Stadt und vom Quartiermanager für St. Leonhard Stefan Boos. Die Materialien für den Umbau finanzierte die Stadt Nürnberg.

Ernst Jocher in seiner Galerie LeonART, Foto: Alexander Racz

Der über 400 m² große Supermarkt wurde von Jocher mit einer eingezogenen Wand zweigeteilt. Im vorderen Teil ist jetzt die Stadtteilgalerie LeonART untergebracht, der hintere Teil wurde nicht verändert und ist auch nur über einen hinteren Zugang betretbar.

Da die Zwischennutzung nur auf ein Jahr ausgelegt war und die Renovierungsarbeiten bereits drei Monate verschlungen hatten, wurde mit der sehr kooperativen Eigentümerin der Immobilie erneut verwandelt: Mit positiven Ergebnis. Die Räume stehen Jocher auf unbestimmte Zeit kostenfrei zur Verfügung.

Dieser Umstand stellt einen riesigen Gewinn für den gesamten Stadtteil dar, der dadurch enorm aufgewertet wird. „Eine 100-prozentige Aufwertung“, so Ernst Jocher, der noch einmal ins Gedächtnis ruft, dass die Räume ungenutzt leer standen.

Die Stadtteilgalerie LeonART ist provisionsfrei

Stadtteilgalerie LeonART, Foto: Ernst Jocher
Stadtteilgalerie LeonART, Foto: Ernst Jocher

 

Ernst Jocher verfolgt ein beachtenswertes Konzept. Er arbeitet ehrenamtlich und verdient mit den Verkäufen der Kunstwerke nichts.

Der Verkauf der Kunstwerke ist für die Künstlerinnen und Künstler provisionsfrei. Normalerweise bekommt eine Galerie 30-50 Prozent des Verkaufspreises, um alle Kosten zu decken. Dies ist auch legitim. Der Galerist muss seine Räume bezahlen, Pressearbeit betreiben, Angestellte bezahlen, Reisen zu Messen finanzieren und Kontakte zu Sammlern aufbauen, etc.

Und genau hier liegt auch das Geheimnis. Ernst Jocher zahlt keine Miete und kann die Galerie recht kostengünstig am Laufen halten.

Die Künstler müssen selber die Pressearbeit übernehmen und eine einmalige Reinigungsgebühr in Höhe von 50 Euro am Ende der Ausstellung tragen.

Beim Einrichten der Ausstellung hilft Jocher selbstverständlich mit.

Mein Fazit

Stadtteilgalerie LeonART, Foto: Ernst Jocher
Stadtteilgalerie LeonART, Foto: Ernst Jocher

Ernst Jocher hat hier etwas ganz großes geleistet. Er bekommt zwar nicht so viel mediale Aufmerksamkeit wie die Künstler der Quelle für ihr Projekt, steht ihnen was das eigene Engagement und die Liebe zur Kunst angeht, jedoch in nichts nach.

Was ich besonders gut finde: Jocher hat in seiner Nachbarschaft etwas gesehen, was ihn gestört hat (den leerstehenden Supermarkt) und hat dann einfach angepackt und gemacht, hat viel Herzblut und Freizeit investiert, um die Situation zu verbessern.

Eigentlich ganz simpel.

Jetzt hat Nürnberg eine weitere wichtige Location für Kunst, in der gerade auch jüngere Künstlerinnen und Künstler willkommen sind.

Die Galerie funktioniert, ich konnte mehrere rote Punkte ausfindig machen und hoffe, dass das Projekt weiter wächst und bekannter wird.

Ausblick bis 2016

Wer selber mal in der Galerie LeonART ausstellen möchte, sollte schnell sein. Die Galerie ist bis Mitte 2016 bereits ausgebucht.

Ab dem 26. Februar bis zum 27. März 2015 beherbergt die Galerie eine Ausstellung der Stadt Nürnberg zum Thema Zwischennutzung mit Workshops, Podiumsdiskussionen und Filmen. Die LeonART ist dafür der perfekte Ausstellungsort, weil sie ja selber ein gelungenes Zwischennutzungsprojekt ist.

In diesem Kontext empfehle ich „Wir kaufen die Quelle e.V.“ auch eine Kontaktaufnahme zu Herrn Jocher.

Anbindung, Öffnungszeiten, Besuch

Die Stadtteilgalerie LeonART ist immer Freitags (16:00 – 20:00 Uhr) und Sonntags (14:00 – 18:00 Uhr) geöffnet und ich empfehle allen Lesern einen Besuch dieser wunderbaren Galerie an einer Stelle, wo man sie kaum erwartet.

Die Webseite der Galerie LeonART ist unter www.leonart24.de online.

Nur einige Minuten von der Ubahn-Haltestelle St. Leonhard entfernt ist die Galerie auch gut angebunden. Mit den Parkplätzen könnte es jedoch schwierig werden in der Leopoldstraße 24, 90439 Nürnberg.

Als geeigneten Termin für einen Besuch erscheint mir z.B. der 15. Februar 2015 in Betracht zu kommen, da an diesem Tag die Finissage der Ausstellung von Reinhard und Elke Zimmermann ist. Wer schon im letzten Jahr die Ausstellung besucht hat, kann getrost noch einmal hingehen. Alle Gemälde von Reinhard Zimmermann wurden ausgetauscht und durch eine rote Serie ersetzt, gemäß dem Motto „Nürnberg sieht Rot“.

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