Jazz:pa ist ein gern gehörter Radiohost und DJ in der Feier- aber auch Kunstszene der Stadt Nürnberg.

Er mixt Hip Hop in Kombination mit verschiedenen Stilrichtungen wie Soul, Jazz, Funk und Bassmusik und versetzt so die Plattenteller Frankens und Deutschlands in Schwingung.

Fatma, Vecihe und Ayse Yavuz KUNSTNÜRNBERGS Hip-Hop Expertinnen, haben mit ihm ein Interview geführt, das zum Eintauchen in die Beats und Sounds der Stadt einlädt.

Hier kannst du dir jazz:pa’s Auftritt auf der Fusion 2015 anhören:

 

KUNSTNÜRNBERG: Wie läuft es gerade im Nürnberger DJ-Business?

jazz:pa : Haha…DJ-Business. Wenn ihr damit meint, dass man sich für Freigetränke die Nächte um die Ohren schlägt: Das läuft ganz gut.

Ich hab Anfang des Jahres ein bisschen langsamer gemacht mit Auflegen und mich eher aufs Radio konzentriert.

Momentan spieel ich wieder mehr. Und immer mal wieder auch außerhalb von Nürnberg. Jetzt am Wochenende war ich in Hamburg auf der ByteFM-Geburtstagsparty. Das war super!

Wir waren verschiedene DJs mit recht unterschiedlichen Musikgeschmäckern, aber das ist supergut zusammengegangen.

Nächstes Wochenende ist dann das Tieffrequenz Festival in Berlin, da freu ich mich auch drauf.

Ende November dann das dotBass-Festival hier im Z-Bau mit Mungos Hifi und Kutmah. Und dann im Dezember wieder Beat Thang. Danach kommt auch schon der Weihnachtsmann.

KUNSTNÜRNBERG: Wie bist du auf den Namen jazz:pa gekommen?

jazz:pa, Foto: Dirk Pudwell
jazz:pa, Foto: Dirk Pudwell

jazz:pa : Ich habe, glaub ich, mit 16 nach einem DJ Namen gesucht. Damals hat irgendwie jeder diesen Film „Kids“ gekuckt.

Und da hieß eine der Hauptfiguren „Casper“. Und in der Zeit hab ich mich auch das erste Mal für Jazz interessiert.

Aus der Kombi entstand dann jazzpa. Eigentlich hat mich da ein Schulfreund draufgebracht.

Naja, und mit der Zeit hat sich dann halt noch ein Doppelpunkt eingeschlichen. Und jetzt ist es eben jazz:pa. Ich mag den Namen, er hat nen coolen Flow.

KUNSTNÜRNBERG: Würdest du sagen, dass eine deiner Veranstaltungsreihen – Beat Thang – hauptsächlich für Kenner ist?

jazz:pa : Kenner klingt ein bisschen elitär. Was schon stimmt ist, dass wir musikalisch eher so in den Randbereichen von HipHop unterwegs sind.

Wobei das auch nicht so ganz stimmt. Wenn ich Flo und Matze beim Auflegen zuhöre, dann leuchten immer meine Augen.

Die bauen halt so krasse Rutschen aus schrägen Nightslugs-Nummern und eingängigen Beyonce-Songs zum Beispiel. Das ist supercool.

Naja, aber eigentlich machen wir uns da garnicht so den Kopf.  Also wie anspruchsvoll das Ganze sein soll.

Momentan ist es eh so, dass wir alle in ganz Deutschland verteilt leben. Und da ist Beat Thang eher sowas wie ne Homecoming-Feier.

Und wir freun uns dann immer wie kleine Kinder, wenn wir uns wiedersehen. Und wir freuen uns natürlich auch drüber, wenn ein paar hundert Leute kommen und sich mit uns freun.

KUNSTNÜRNBERG: Du hast bei einer Vernissage im Kunstpalais Erlangen und erst kürzlich bei der consumART aufgelegt. Es war eine fette Party. Wie gefällt dir die Kombination Musik-Kunst und wie war dein Eindruck von der Kunstszene?

jazz:pa : Für mich gehört Kunst und Musik eh zusammen. Hip Hop ohne Graffiti geht ja gar nicht.

Aber auch abseits von HipHop ist diese Kombi spannend. Mir hat jetzt am Wochenende ein ByteFM-Kollege erzählt, dass Björk grade ’ne Ausstellung im MoMA hat.

Ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Und da gibt’s ja auch noch viele andere, die Beides verbinden. Teebs zum Beispiel aus Los Angeles oder Kutmah aus London.

Wir versuchen ja auch bei Beat Thang beides zusammen zu bekommen. Visuals sind da ein wesentlicher Teil der Party.

Was mir aber beim Kunstpalais und jetzt auch auf der consumART aufgefallen ist: Die Menschen sind viel öfters auf mich zugekommen und haben nach Songs oder so gefragt.

Man hat irgendwie mehr Feedback bekommen als sonst. Ob das nun was Spezielles an der Kunstszene ist weiß ich nicht…aber das ist mir aufgefallen.

KUNSTNÜRNBERG: Auf der Fusion bist du ein gern gesehener und gehörter DJ. Seit wann legst du dort in der Räuberhöhle auf und wie bist du dazu gekommen?

jazz:pa : Ja, Fusion ist immer super. Und es ist natürlich auch ne Ehre, da spielen zu dürfen.

Ich hab 2014 das erste Mal dort aufgelegt. Ich glaub zwei Monate vorher hatte ich ’ne Mail von den Räubern im Postfach, ob ich Bock hab in der Räuberhöhle zu spielen.

Da muss man natürlich nicht lange überlegen. Ja, und dieses Jahr wurde ich halt wieder gefragt und hab’s natürlich auch wieder gemacht.

Fusion ist immer fett, weil da alle so auf nem hardcore Hedonismus-Film sind. Und das kommt einem als DJ ziemlich entgegen, weil man eigentlich machen kann was man will.

Aber ich mag halt vor allem auch die Räuber. Sie sind ein Kollektiv aus Berlin, die neben der Räuberhöhle auf der Fusion und einem Club in Berlin auch ganz wichtige politische Arbeit machen.

Sie bringen Themen wie Gentrifizierung, Antifaschismus und natürlich auch die Refugee-Thematik in die Feierkultur. Ich finde das super, wie sie Hedonismus mit Aktivismus verbinden.

KUNSTNÜRNBERG: Auf deinem Schreibtisch liegt die Biografie von Fela Kuti. Fertig gelesen? Wie ist dein Eindruck?

jazz:pa : Ehrlich gesagt hab ich grade erst damit angefangen. Bin noch gar nicht weit. Ich hab mich vor 5 Jahren ziemlich für Jazz und Funk aus Äthiopien interessiert.

Das ist dann aber irgendwie wieder versackt. Und jetzt im Sommer war ein guter Freund aus Kapstadt zu Besuch und hat mich mit ganz viel Afrobeats von der Elfenbeinküste und aus Nigeria versorgt. Und das hat mich dann zu Fela Kuti gebracht.

Und ich mag Musikerbiografien eh. Irgendwie versteh ich dann nochmal mehr, was die Künstler mit ihrer Kunst meinen.

Ich kann übrigens jedem Hip Hop-Head die Autobiographie des Schlagzeugers der Roots empfehlen: Questlove von Ahmir Khalil Thompson (Affiliate Link).

Der ist natürlich ein Hip Hop Superstar, aber in erster Linie immernoch ein rießen Musikfan. Und das macht das Buch sehr inspirierend. Sollte in keinem Haushalt fehlen.

Es gibt so ein paar Künstler, mit denen sollte man sich auf jeden Fall mal über die Musik hinausgehend beschäftigen.

Fela Kuti und Miles Davis zum Beispiel, oder Prince und natürlich Dilla. Und wahrscheinlich auch Sun-Ra. Aber zu Sun-Ra fehlt mir noch irgendwie der Zugang, das ist mir oft zu schräg. Ich hoffe das ändert sich irgendwann bei mir.

KUNSTNÜRNBERG: Auf was können sich die Nürnberger in Zukunft freuen?

jazz:pa : Ja, ich werde meine laufenden Projekte erstmal weiter machen. Beat Thang sowieso. Da machen wir im Dezember gemeinsame Sache mit Shinzen.

Eigentlich ganz witzig, wir hatten mit Shinzen ja mal Beef vor zwei Jahren, weil sie uns im Curt gedisst haben.

Jetzt mögen wir uns aber alle wieder und machen ne gemeinsame Feier am 12.12.2015! Das wird super. Shinzen hat den Rapper Eloquent gebucht und wir den französischen Beatmaker Onra.

Außerdem hoffe ich, dass wir im Rahmen der Rockit! Konzertreihe in der Desi bald wieder mehr Livekünstler einladen. Da haben wir als nächstes am 14.11. Yarah Bravo mit Band zu Gast.

Ja und natürlich gibt’s alle zwei Wochen meine Radioshow Beat Repeat auf ByteFM und alle zwei Monate Limbo auf Radio Z.

Außerdem brüte ich grade mit Looshyaw über ’nem neuen Partykonzept für nächstes Jahr. Steckt aber alles noch in den Kinderschuhen.

KUNSTNÜRNBERG: Du bist ja glücklicherweise nicht so festgefahren wie wir Oldschool-Heads und legst auch zwischendurch den heißen Scheiß der heutigen Zeit auf. Bevorzugst du eher New oder Oldschool? Was reizt dich an den Stilen?

jazz:pa : Hmmmm… in meinem Kopf gibt’s eigentlich diese Einteilung nach Oldschool und Newschool gar nicht so richtig. Das hängt ja eh alles zusammen.

Ich stell mir das immer wie so ein Kontinuum vor. Und auf dem Kontinuum gibt’s dann Knotenpunkte.

Im HipHop ist zum Beispiel Dilla so ein Knotenpunkt. Wenn man von Dilla nach hinten kuckt, dann ist man schnell zum Beispiel bei den Jackson5 oder den Isley Brothers.

Und wenn man sich die Drums von Dilla anhört und nach vorne kuckt, dann landet man bei Flying Lotus, Max Graef oder Kendrick Lamar.

Und da gibt’s ja hunderte von diesen Knotenpunkten. Nicht nur im HipHop. Ein Techno-DJ wird ja über Ricardo Villalobos zwangsläufig irgendwann bei Fela Kuti und Tony Allen landen.

Und das ist halt auch für’s Auflegen spannend. Weil man dann Songs nicht mehr nur deswegen zusammenmixt, weil sie ähnliche BPMs haben und im Plattenladen in der gleichen Genre-Kiste stehen, sondern weil sie auf ’ner anderen Ebene zusammengehören.

KUNSTNÜRNBERG: Da du ziemlich tief in der Hip Hop Szene steckst, würden wir gerne mal wissen, ob du auch schon deine eigenen Beats gemacht hast bzw. können wir uns in Zukunft auf funky jazz:pa Beats freuen?

jazz:pa : Ich hab eigentlich immer wieder auch Beats gemacht, aber nie wirklich intensiv.

Und meistens waren das auch nur Skizzen, die ziemlich Kacke geklungen haben.

Mir fehlt einfach die Zeit, deshalb liegt das Projekt Beatmaking eigentlich auch seit zwei Jahren auf Eis.

Aber ich spechte grade nach ’ner Roland SP-404 [Sampler, Anm. d. Red.]. Mal sehen, vielleicht schraub ich damit ja dann was. Aber wie ich mich kenne, werde ich am Ende damit nur irgendwelche Sirenensamples beim Auflegen rausfeuern.

KUNSTNÜRNBERG: Wie schaffst du es, die feinen Konzerte, deine Radiosendung bei ByteFM und die Partys mit Beat Thang unter einen Hut zu kriegen?

jazz:pa : Das klappt eigentlich meistens ganz gut, wobei es halt schon ne Herausforderung ist.

Ich hab natürlich auch noch nen normalen Job und deshalb auch nicht unendlich Zeit für Musik.

Momentan stecke ich viel Zeit ins Radio und ins Auflegen, die Konzerte kommen etwas kurz. Und ich hab keinen Fernseher, das hilft ungemein.

Die Interviewfragen stellten
Fatma, Vecihe und Ayse Yavuz, die Hip Hop Expertinnen von KUNSTNÜRNBERG.

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