Das zumikon ist ein Kunst- und Kulturhaus in der Großweidenmühlstraße 21 im Stadtteil St. Johannis in Nürnberg.

Im zumikon werden Wechselausstellungen regionaler und überregionaler zeitgenössischer Künstler gezeigt.

Außerdem ist das Gebäude vom Bauhaus-Künstler und einem der wichtigsten Vertreter der Zürcher Schule der Konkreten, Max Bill, entworfen worden und somit auch architektonisch wichtig für die Kunst- und Kulturlandschaft in Nürnberg.

Das zumikon nutzt zwei Bereiche für regelmäßig stattfindende Ausstellungen: das studio und die lounge.

Im studio präsentiert das Institut für moderne Kunst in Nürnberg seit dem Jahr 2003 Wechselausstellungen zeitgenössischer, überregionaler Kunst.

In der lounge werden von der künstlerischen Leiterin des zumikons, Verena Waffek, in Wechselausstellungen von regionalen Künstlern sowie Studierenden der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg präsentiert.

Die Ausstellungstätigkeit begann mit der Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 1999 und im Auftrag von Volker Koch und seiner kochinvest Unternehmensgruppe.

Nach Plänen des Künstlers und Architekten Max Bill wurde das Gebäude direkt am Pegnitzufer in für die Stadt Nürnberg einzigartigen Bauhausformen errichtet.

Zum Konzept des zumikons

zumikon in Nürnberg, Foto: Alexander Racz
zumikon in Nürnberg, Foto: Alexander Racz

Volker Koch, der Geschäftsführer der kochinvest Unternehmensgruppe, hat erkannt, dass sich eine Region und ihre Gesellschaft nur entwickeln können, wenn sie sich im kulturellen Bereich weiterentwickelt.

Um diese Weiterentwicklung zu gewährleisten und zu fördern müssen Unternehmen ihren Beitrag leisten.

Sie investieren in die Gesellschaft und fördern so ihren eigenen Standort, wovon sie und alle beteiligten profitieren.

In Nürnberg gibt es nicht viele Unternehmen und im Speziellen deren smarte Führungskräfte, die kulturelle Prozesse aktiv fördern und im Kunstgeschehen omnipräsent sind – obwohl es viele finanzkräftige Unternehmen und Führungskräfte im Großraum Nürnberg gibt.

Anders als z.B. in den USA, ist die Idee des privaten Mäzenatentum hier bei uns noch nicht wirklich angekommen bzw. verloren gegangen.

Oft herrscht noch der Glaube, der Staat bzw. die Stadt solle sich um kulturelle Belange kümmern –  dafür zahle man ja steuern.

Sieht man sich Nürnbergs Finanzlage an, wird schnell klar, dass dies so nicht gut funktionieren kann. Als Resultat suchen sich junge, aufstrebende Künstler andere Wohnorte, wo ihre Kunst besser gefördert wird.

zumikon in Nürnberg, Fassade, Foto: Alexander Racz

Um noch einmal auf die Verbindung von Mäzenatentum, kulturellen Förderung und unternehmerischen Erfolg zurückzukommen:

Unter anderem waren es diese drei Standortfaktoren, die Nürnberg im Spätmittelalter zu einer Kunstmetropole gemacht haben, die Künstler wie Albrecht Dürer hervorbrachte und Künstler wie Veit Stoß in die Reichstadt zog.

Finanzkräftige Patrizier haben ihre Kunst gefördert und gekauft. Von diesem glücklichen Umstand zehrt die Stadt in Sachen Tourismus und Bekanntheit in der Welt noch heute – 500 Jahre später.

Die Argumentation ist deutlich. Nürnberg braucht neben dem bemerkenswerten Engagement der Stadt auch eine starke private Kunst- und Kulturförderung.

Als Beispiel für alle Unternehmer, die sich im Kunst- und Kulturbereich engagieren wollen, verweise ich gerne auf Volker Koch und seine kochinvest Unternehmensgruppe, die

  • seit Jahrzehnten kulturelle Prozesse in Nürnberg unterstützt
  • persönliches Engagement in kulturellen Organisationen zeigt
  • regionale Künstler direkt fördert
  • Stipendien und Preise verleiht
  • Kunst kauft
  • einen Kunstort geschaffen hat: das zumikon im Stadtteil St. Johannes.

Aus diesem Grund fördert die Unternehmensgruppe zeitgenössische Kunst:

„Kreativität, also die Fähigkeit, offen und neugierig zu sein, sich immer wieder neue Seh- und Denkweisen zu erschließen und Vernetzungen herzustellen, ist für die kochinvest Unternehmensgruppe wichtigster Erfolgsfaktor. Kulturelles Leben, vor allem zeitgenössische Kunst, ist Quelle und permanente Schule dieser Kreativität.“

(http://www.zumikon.de/konzept.html)

zumikon in Nürnberg, Ostseite, Foto: Alexander Racz
zumikon in Nürnberg, Ostseite, Foto: Alexander Racz

Mit dem zumikon wurde ein Ort und Forum für Künstler und Kunstfreunde geschaffen, an dem seit nun über 16 Jahren Ausstellungen gezeigt werden und der für den Kunstdiskurs in der Stadt wichtig ist.

Wie eingangs erwähnt, nutzt das Institut für moderne Kunst in Nürnberg, neben dem Defet-Haus in Nürnberg, auch das zumikon für Ausstellungen überregionaler Künstler. Außerdem sind große Partien des zumikons an Medien- und Werbeschaffende vermietet.

Die Architektur des zumikons  – Bauhaus in Nürnberg

zumikon in Nürnberg, Foto: Alexander Racz
zumikon in Nürnberg, Foto: Alexander Racz

Das zumikon wurde in einem sachlich-funktionalen Stil erbaut, der sich aus der Bauhausschule ableitet.

Diese Verbindung zum Bauhaus wurzelt in der Vita des 1994 verstorbenen Künstlers Max Bill.

Nach dem Tod von Max Bill im Jahr 1994, setzte ein schweizerisch-deutsches Architektenteam den Entwurf für das Gebäude in Nürnberg um.

Neben den architektonischen Formen des zumikons leitet sich auch der Name selbst aus Max Bills Lebenslauf ab.

Der Architekt lebte zuletzt im schweizerischen Ort Zumikon im Kanton Zürich. Die Übertragung des Ortsnamen auf das Ausstellungshaus in Nürnberg ist folglich eine Hommage an das Wirken des bedeutenden Architekten und Künstlers Max Bill.

Auch die Verbindung von Ausstellungsräumen und deren Finanzierung über die Vermietung an Medien- und Werbeschaffende im gleichen Gebäude ist funktional und bauhausimmanent.

zumikon in Nürnberg, Pegnitzseite Foto: Alexander Racz
zumikon in Nürnberg, Pegnitzseite Foto: Alexander Racz

Ich möchte hier auf eine längere Beschreibung der Architektur verzichten, da die sachlich-klaren Formen und Linien selbstredend sind.

Um die Bedeutung des Hauses zu erkennen, ist aber ein kurzer Blick auf den Architekten Max Bill wichtig.

Schnell wird klar, dass das Gebäude und die Architektur des zumikons in Nürnberg einmalig sind.

Der Architekt Max Bill

Max Bill war ein Schweizer Architekt, Künstler und Kunsttheoretiker.

Er wurde am 22. Dezember 1908 im schweizerischen Winterthur geboren und machte zunächst in Zürich eine Ausbildung zum Silberschmied.

In den Jahren 1927 bis 1928 zog es ihn an das Bauhaus nach Dessau, wo er auf die dort lehrenden Künstler Wassily Kandisky, Paul Klee, Josef Albers, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer traf.

Die Zeit in Dessau im zarten Alter von um die zwanzig war für Max Bill prägend gewesen, konnte er doch Einflüsse der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts aufnehmen und in seine künstlerische Entwicklung einfließen lassen.

Bereits 1929 agierte Bill als Architekt und erweiterte seinen künstlerischen Radius ab 1932 auf die Bildhauerei, Malerei und Graphik.

Im Zuge dieser Ausrichtung definierte der Künstler 1936 seine Vorstellung von Konkreter Kunst und avancierte zu einem der wichtigsten Vertreter der Zürcher Schule der Konkreten. Diese schweizerische Kunstströmung entwickelte sich im Umfeld Max Bills an der Kunstgewerbeschule Zürich (heute: Zürcher Hochschule der Künste).

Im Ausstellungskatalog zur Zürcher Konkreten Kunst definierte Max Bill 1949 seine Vorstellung von konkreter Kunst:

„konkrete kunst nennen wir jene kunstwerke, die aufgrund ihrer ureigenen mittel und gesetzmässigkeiten – ohne äusserliche anlehnung an naturerscheinungen oder deren transformierung, also nicht durch abstraktion – entstanden sind. konkrete kunst ist in ihrer eigenart selbständig. sie ist der ausdruck des menschlichen geistes, für den menschlichen geist bestimmt, und sie sei von jener schärfe, eindeutigkeit und vollkommenheit, wie dies von werken des menschlichen geistes erwartet werden muss. konkrete malerei und plastik ist die gestaltung von optisch wahrnehmbarem. ihre gestaltungsmittel sind die farben, der raum, das licht und die bewegung (…) konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem mass und gesetz. sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben… sie erstrebt das universelle und pflegt dennoch das einmalige. sie drängt das individualistische zurück, zugunsten des individuums.“

Max Bill starb am 9. Dezember 1994 in Berlin. Seine Asche wurde von seiner Frau an der Pavillon-Skulptur in Zürich verstreut, nachdem die Stadt Zürich den Wunsch einer Beisetzung der Urne in der Skulptur abgelehnt hatte.

Die begehbare Skulptur aus Granit wurde 1983 von Max Bill geschaffen und an der Ecke Bahnhofstrasse / Pelikanstrasse in Zürich aufgestellt. Sie gilt als Hauptwerk der Zürcher Konkreten Kunst. Die Pavillon-Skulptur markiert mit ihren klaren Linien und ihrer ruhigen Ordnung einen Gegenpol zur hektischen Bahnhofstraße.

Volker Koch konnte Max Bill glücklicherweise überzeugen den Entwurf für das Nürnberger Kunsthaus anzufertigen.

Es sollte das letzte Bauwerk des Künstlern werden, der bereits seit 20 Jahren die Architektentätigkeit ruhen gelassen hat.

Allein schon dieser Fakt macht das zumikon so einzigartig: Am zumikon setzte Max Bill Ideen seiner letzten zwanzig Lebensjahre um, die so an keinem anderen Gebäude des Künstlers zu finden sind.

zumikon in Nürnberg, Westseite, Foto: Alexander Racz
zumikon in Nürnberg, Westseite, Foto: Alexander Racz

Am sinnvollsten ist ein Besuch des zumikons bei einer Ausstellungseröffnung, z.B. wenn das Institut für moderne Kunst kuratiert. So kann man erst den Außenbau betrachten und dann anschließend auch die Innenräume im Erdgeschoss, also die lounge und das studio ansehen.

Besucherinformationen zumikon

  • Adresse: zumikon, Großweidenmühlstraße 21, 90419 Nürnberg
  • Tel: +49/911/935253-0

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