Kunst Galerie Fürth zeigt die Biennale der Zeichnung 3

Heike Ruschmeyer und Kirill Schröder stellen in Fürth aus!

Heike Ruschmeyer: Schwarz auf Weiß - Köln, September 1977, 2014
Heike Ruschmeyer: Schwarz auf Weiß - Köln, September 1977, 2014

Die kunst galerie fürth zeigt im Rahmen der Biennale der Zeichnung 3 ab dem 10. Mai 2015 die Künstler Heike Ruschmeyer und Kirill Schröder. Der Galerist Hans-Peter Miksch erklärt in diesem Artikel die Kunst der Zeichnung von Ruschmeyer/Schröder.

Die Städtische Galerie Fürth zeigt die Biennale der Zeichnung 3

Kirill Schröder, ohne Titel, Grafit und Tusche auf Papier, 80x120cm, 2014
Kirill Schröder, ohne Titel, Grafit und Tusche auf Papier, 80x120cm, 2014

Zum dritten Mal kooperieren fünf Kunstinstitutionen der Metropolregion Nürnberg und zeigen ein breites und spannendes Spektrum an zeitgenössischer Zeichnung.

Die Auswahl der Aussteller verantwortet jede Institution selbst. Die einzige Spielregel für die Schau im Jahr 2015 ist, an jedem Ausstellungsort Positionen jüngerer und älterer KünstlerInnen miteinander zu konfrontieren.

Die städtische Galerie von Fürth hat die Berliner Malerin und Zeichnerin Heike Ruschmeyer und den Zeichner Kirill Schröder eingeladen. Jede der beiden Positionen ist unverwechselbar. Vielleicht wäre die Alliteration „Ahnungen und Ängste“ keine schlechte Wahl für einen Titel für diese Doppelausstellung.

Kirill Schröder – Junge Malerei und Zeichnung

Kirill Schröder ist Jahrgang 1986 und ein junger Maler und Zeichner, der einen Kosmos entwirft aus fantastischen Figuren zwischen Hieronymus Bosch und Underground-Comix, zwischen Max Ernst und David Lynch: Radiergummimännchen, surreale Menschmaschinenwesen, wie zu Kaisers Zeiten im Nacken ausgescherte Bürohengste, zweibeinige Bockwürstchen, dazwischen junge, tough gekleidete Menschen, Urgroßmütter mit Dutt und Pellerine, Nackte zwischen beflissenen Hybriden, manche in anscheinend anstößigen Posen, Mops-Menschen, karnevaleske Stachelwesen, dackelähnliche Dreigesichter, halbbekleidete oder schwalbenschwänzige Würdenträger, lakaienhafte Ku-Klux-Klan-Gestalten, archaisch anmutende Androiden, fröhlich grinsende Lachköpfe, Skelettartige oder Ministranten oder Zwergenhafte, das sind nur einige wenige Möglichkeiten, die miteinander agierenden, über die großen, polyperspektivischen Blätter defilierenden Figuren zu charakterisieren.

Kirill Schröder, der aus St. Petersburg stammt, Meisterschüler bei Ralph Fleck in Nürnberg war und heute bei München lebt, beschwört ein eigenartiges Klima einander widerstreitender Ahnungen herauf. Natürlich bleibt alles vage, manches reizt zum Lachen, anderes wirkt so bizarr, dass die Betrachter sich vielleicht weitere Fantasien versagen.

Die Zeichnungen (bevorzugt mit Graphit und Tusche) sind keine Storyboards, auch wenn der eine und andere Charakter auf verschiedenen Blättern auftaucht. Man fühlt sich gar nicht weit weg von den beklemmenden Welten eines Henry Darger oder dem menschlichen Tiergarten eines Blalla W. Hallmann.

Die Figurenkonstellationen oder -konstruktionen Schröders sind eine Art von Interdependenzgeflecht, dessen ästhetisches Programm vielleicht auch mit einer Zeile eines Gedichts von Cees Nooteboom auf den Punkt gebracht werden könnte:

„Wer das Anschauen / nicht bricht / sieht nichts.“ (Das Gesicht des Auges, 1989).

Kirill Schröder – Vita

  • geb. 1986 Sankt Petersburg
  • lebt und arbeitet bei München
  • seit 2014 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München
  • 2013 – 2014 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien
  • 2008 – 2014 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
  • 2012 Ernennung zum Meisterschüler
Ausstellungen (Auswahl):

2014

  • Junge Kunst XI, Kunstverein Kirchzarten, Kirchzarten
  • Meister, Schüler und Meisterschüler, Kulturzentrum Schloss Bonndorf, Bonndorf
  • The Painting Class of Ralph Fleck at the Academy of Fine Arts Nuremberg 2003-14, Purdy Hicks Gallery, London
  • +Absolventen, Ausstellungshalle der Akademie, Nürnberg
  • MOË Sauvignon, mo.ë contemporary, Wien
  • Blaue Nacht Nürnberg, KREIS – e.V. am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg
  • monads with windows, Künstlerhaus Held, Leipzig
  • Das konspirative Drittel, KREIS – e.V. am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg
  • Die verlorene Form, Friday exit, Wien
  • Kunststücke, Neue Akademie Galerie, Nürnberg
  • Raum.Bitte.Danke., Semperdepot, Wien

2013

  • Wir klatschen in die Hände, F14, Dresden
  • Meisterschüler | Klasse Fleck, Ausstellungshalle der Akademie, Nürnberg
  • All hands on deck, nachtspeicher23, Hamburg

2012

  • Vorhang auf … , Neues Museum, Nürnberg
  • About the yellow bird and the headless bunnies, nachtspeicher23, Hamburg
  • Kern – die Frage nach dem Wesentlichen, nachtspeicher23, Hamburg
  • Tollkirsche; Belladonna, Akademie Galerie, Nürnberg

2011

  • Kummer/Poli Maramotti/Schröder/Skringer/Vierbacher, Galerie Schuermer, Karlsruhe
  • B:EAST, Nordostpark, Nürnberg
  • Klasse Fleck, Maximilianeum, München
  • Schwarzmalerei, Akademie Galerie, Nürnberg

Preise und Stipendien:

  • 2014 Materialpreis, ADBK Nürnberg
  • 2013 Klassenpreis, ADBK Nürnberg
  • 2012 lfa Förderkalender Bayern
  • 2010 Oskar-Karl-Forster-Stipendium

Öffentliche Ankäufe:

  • Sparkasse Nürnberg

Heike Ruschmeyer in Fürth

Heike Ruschmeyer, 2014
Heike Ruschmeyer, 2014

Heike Ruschmeyer, ziemlich genau 30 Jahre älter als Schröder, hat sich mit ihren Bildern von Toten in die jüngere deutsche Kunstgeschichte eingeschrieben. Es sind keine Ahnungen mehr, es sind Ängste, die die Bilder und Zeichnungen von Heike Ruschmeyer wecken. Sie malt seit ihrer Akademiezeit, also seit mehr als dreißig Jahren, Bilder von Gestorbenen und von Gewaltopfern.

Dass sie nicht unbedingt nur mit Zeichnungen in Fürth vorgestellt wird, die der tradierten Definition von Zeichnung entsprechen (u.a. Arbeiten auf Papier), erklärt sich mit ihrer Malweise. Die Berliner Zeitung schrieb in einer längeren Rezension (Anita Wünschmann im Jahr 2000), dass in den Bildern nach Fotos aus der Zeitung oder der Gerichtsmedizin die Linie dominiere. Die Zeichnung als lineares Geschehen ist also offensichtlich ein vorherrschendes Merkmal sogar der Bilder.

Heike Ruschmeyer lässt gelegentlich auch das Raster stehen, das sie verwendet, um die Motive der Fotovorlagen auf ihren Leinwänden zu vergrößern. Wobei dieses Stilmittel angesichts ihrer Themen hilft, sich ein kleinwenig zu distanzieren von den Bildinhalten, eine analytische Position einzunehmen, wie das ein professioneller Betrachter von Tatortbildern aus Gründen des Selbstschutzes tut.

In großen Bildern, die in dieser Zeichnungsausstellung nicht gezeigt werden, wird ein stupendes malerisches Können sichtbar, das gleichermaßen dazu dient, die harten Sujets etwas erträglich zu machen, das Interesse an den Bildern aber nicht abflachen zu lassen. Dadurch erklärt sich auch die unterschiedlich nachhaltige Wirkung der dokumentarischen Fotovorlagen und der Werke der Künstlerin.

In den delikaten Farbflächen wie in den subtilen Schraffuren oder den differenzierten Schwarztönen liegt eine tiefe Melancholie, die durch die lesbaren Partien der Zeichnungen oder Bilder natürlich bestätigt wird.

Fantasie ist für Heike Ruschmeyer keine Inspirationsquelle. Ihren Stoff findet sie überreichlich in Polizeiberichten u.ä. Familienalben geben ihr nicht den Anlass für kleine oder große Sentimentalitäten, von Verklärung unbeeindruckt, weist die Malerin und Zeichnerin auf die einebnende Gewalt der Zeit hin.

Noch in ihren menschenleeren Tatortbildern schwingt der Augenblick der zerstörerischen Gewalt nach wie ein nicht zu überhörendes Echo. Heike Ruschmeyer steht in der Tradition der Berliner Kritischen Realisten (Großgörschen 35, Peter Sorge, Ruschmeyers Lehrer Wolfgang Petrick u.a.m.).

Der Wucht ihrer Zeichnungen und Bilder vermag sich kaum ein Betrachter zu entziehen. Während der junge Kirill Schröder mit seinen Blättern befremdliche Schwingungen auslöst, überschreitet Heike Ruschmeyer da und dort die Grenze zum Traumatischen.

Text und Copyright: Hans-Peter Miksch, Galerist der städtischen Galerie Fürth.

Heike Ruschmeyer: Schwarz auf Weiß - Köln, September 1977, 2014
Heike Ruschmeyer: Schwarz auf Weiß – Köln, September 1977, 2014

Heike Ruschmeyer – Vita

  • 1956 geboren in Uchte (Niedersachsen)
  • 1976-79 Studium an der HBK Braunschweig bei Emil Cimiotti und
  • Alfred Winter-Rust
  • 1977 Rudolf-Wilke-Preis der Stadt Braunschweig
  • 1979-82 Studium an der HdK Berlin bei Wolfgang Petrick; Meisterschülerin bei Wolfgang Petrick
  • 1983 Bernhard-Sprengel-Preis für bildende Kunst
  • 1985 Nachwuchsförderstipendium für bildende Kunst an der HdK Berlin
  • 1988 Niedersächsisches Künstlerstipendium
  • 1993 Bernward-Preis für Malerei
  • 2005 Marianne Werefkin-Preis des Archiv Verein der Berliner Künstlerinnen

Heike Ruschmeyer lebt und arbeitet in Berlin.

Arbeiten in öffentlichem Besitz

  • Sammlung Ludwig, Aachen
  • Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins, Berlin
  • Berlinische Galerie, Berlin
  • Erinnerungsort und Geschichtslabor am Eichborndamm 238, Berlin
  • (ehemalige Städtische Nervenklinik für Kinder 1941 – 1945), Land Berlin
  • Graphothek, Berlin
  • Willy-Brandt-Haus, Berlin
  • Mönchehausmuseum, Goslar
  • Kunsthalle Hamburg
  • Sprengel Museum, Hannover
  • Kunstsammlung Jutta und Manfred Heinrich, Maulbronn

Kunst Galerie Fürth

  • Ausstellungsdauer: 10. Mai bis 14. Juni 2015
  • Öffnungszeiten: Mittwoch – Samstag: 13-18 Uhr, Sonntag und Feiertage: 11-17 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen
  • kunst galerie fürth, Königsplatz 1, 90762 Fürth
  • info@kunst-galerie-fuerth.de
  • Webseite

 

 

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