Wege in die Moderne im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zeigt Exponate aus den Themenschwerpunkten „Weltausstellung“, „Medien“ und „Musik“ im 19. Jahrhundert.

Online-Zeitungen, Handy, SMS und Twitter, CDs und MP3-Player sind die Nachfahren von Geräten, die im 19. Jahrhundert erfunden wurden und schnell das Leben der Menschen revolutionierten.

Ausstellung: Wege in die Moderne © GNM Nürnberg
Ausstellung: Wege in die Moderne © GNM Nürnberg

Die Ausstellung Wege in die Moderne im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg

Eine Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg veranschaulicht mit ca. 500 Exponaten die Entstehungszeit der heutigen Internetgesellschaft. Fotografien der Weltausstellungen, Chinesisches Porzellan, Grammophone, Schellackplatten und Phonographe, Fernsprechwandapparate und das Aufkommen der Zeitung als Massenmedium begannen das Alltagsbild der Menschen zu bereichern und zu prägen.

  • Ausstellungsdauer: 27. März – 21. September 2014
  • Adresse: Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg
  • Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr; Mittwoch: 10 – 21 Uhr, montags geschlossen
  • Sonderöffnungszeiten: Karfreitag, 18. April: 10 – 18 Uhr; Ostersonntag, 20. April: 10 – 18 Uhr; Ostermontag, 21. April: 10 – 18 Uhr; Donnerstag, 1. Mai: 10 – 18 Uhr; Donnerstag, 29. Mai (Himmelfahrt): 10 – 18 Uhr; Pfingstsonntag, 8. Juni: 10 – 18 Uhr; Pfingstmontag, 9. Juni: 10 – 18 Uhr; Donnerstag, 19. Juni (Fronleichnam): 10 – 18 Uhr
  • Eintritt: 8,- €, ermäßigt 5,- €; Mittwoch ab 18 Uhr: Eintritt frei
  • ca. 500 Exponate

Forschungsgruppe und Exponate

Der Ausstellung Wege in die Moderne ging ein dreijähriges Forschungsprojekt voraus, in dem die Ausarbeitung des Konzepts der Ausstellung im Zentrum stand.

Die Wissenschaftler untersuchten die hauseigenen Spezialsammlungen des Zeitraums von der Französischen Revolution (1789-1799) bis zum Ersten Weltkrieg (1914-1918).

Ausstellung Wege in die Moderne, Blick in den Bereich Weltausstellung © GNM Nürnberg
Ausstellung Wege in die Moderne, Blick in den Bereich Weltausstellung © GNM Nürnberg

Ziel war die Zusammenführung der Objekte in einer Gesamtschau, um den Ausstellungsbesuchern ein umfassendes Bild mit thematischen Schwerpunkten zu bieten.

Die Kuratoren bündelten die Exponate des GNM in die Themenbereiche „Weltausstellung„, „Medien“ und „Musik„.

Hierfür musste das Museum keine großen Leihanträge bei anderen Museen stellen, da es „mit seinen einzigartigen und vielfältigen Sammlungen, die sowohl kunsthistorische als auch kultur- und musikgeschichtliche Objekte beinhalten (…)  prädestiniert“ ist, diese Ausstellung  zu veranstalten. (Generaldirektor Prof. Dr. G. Ulrich Großmann)

Weltausstellungen – Wege in die Moderne im 19. Jahrhundert

Ingenieurswesen, fremde Kulturen und Länder, moderne Kunstwerke und Kunsthandwerk bestimmen den Themenbereich „Weltausstellungen“ in der Sonderschau des GNM.

Eiffelturm und Gaspavillon, 1889 Fotografie, Neurdein Frères, Paris 21,9 x 27,3 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 23
Eiffelturm und Gaspavillon, 1889
Fotografie, Neurdein Frères, Paris
21,9 x 27,3 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 23, © GNM Nürnberg

Die Weltausstellungen waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Massenereignis schlechthin. 1851 eröffnete die erste Weltausstellung in London. Seitdem erfreuen sich die Weltausstellungen bis heute als EXPO eines Besucherstroms in Millionen. Die kommende EXPO findet im Jahr 2015 im italienischen Mailand statt.

Im 19. Jahrhundert wetteiferten die verschiedenen teilnehmenden Nationen in den Disziplinen Technik, Wissenschaft und Kunst miteinander.

Veranstaltungen wie die Documenta in Kassel oder die Biennale in Venedig haben sich aus dem Prinzip der Weltausstellung entwickelt und ihren Fokus auf die Kunst gerichtet. Früher war das Who is Who der zeitgenössischen Kunstszene auf den Weltausstellungen vertreten.

Riesenrad auf der Weltausstellung in Chicago 1893, 1892/93 Fotografie, Graphische Kunstanstalt K. Liebhardt, Esslingen 21,1 x 16,6 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 59
Riesenrad auf der Weltausstellung in Chicago 1893, 1892/93
Fotografie, Graphische Kunstanstalt K. Liebhardt, Esslingen
21,1 x 16,6 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 59, © GNM Nürnberg

Die Weltausstellungen waren immer auf die Jetztzeit und die Zukunft gerichtet. Je größer, bombastischer und außergewöhnlicher die Exponate waren, desto mehr Besucher strömten zu den Ausstellungen.

Im 19. Jahrhundert des übersteigerten Nationalbewusstsein spielte zudem eine politische Komponente mit, die das Ausstellungsgelände zum Schauplatz chauvinistischer Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Nationen werden ließ. Was sich später im Ersten Weltkrieg entladen sollte, wurde hier bereits auf dem Gebiet der Technik, Wissenschaft und Kunst ausgetragen.

In der Sonderausstellung des GNM zeugen historische Fotografien des Pariser Eifelturm aus dem Jahre 1889 vom Zeitgeist der damaligen Zeitgenossen.

Als Symbol der Industrialisierung überragte der Stahlkoloss das Weltausstellungsgelände in Paris um 324,82 Meter. Aufnahmen des stählernen Riesenrads der Weltausstellung in Chicago aus dem Jahr 1893 stehen für die rasant fortschreitenden Technik im Ingenieurswesen.

Gustave Eiffel und Adolphe Salles auf der obersten Plattform des Pariser Eiffelturms, 1889 Fotografie, Neurdein Frères, Paris 26,9 x 21,2 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 21
Gustave Eiffel und Adolphe Salles auf der obersten Plattform des Pariser Eiffelturms, 1889
Fotografie, Neurdein Frères, Paris
26,9 x 21,2 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 21, © GNM Nürnberg

Die Sehnsucht der Besucher nach fremden und exotischen Orten und Ländern wurde durch nachgebaute „Amüsiermeilen“ mit exotischen Straßenzügen und Fake-Dörfern Rechnung getragen. Die Besucher wollten den Eindruck „eines Platzes an der Sonne“ in Europa erleben.

Diese Fernwehe stillten auch Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus fernen Ländern. Der feine Herr von damals galt als weltoffen und gebildet, wenn er seinen Gästen zu Hause chinesische Vasen und Mitbringsel aus fernen Kulturen präsentieren konnte.

Krug mit Echse, um 1873 Hergestellt von: Royal Worcester Porcelain Company 30,5 x 17,5 cm, Durchmesser 16,5 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 221
Krug mit Echse, um 1873
Hergestellt von: Royal Worcester Porcelain Company
30,5 x 17,5 cm, Durchmesser 16,5 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 221, © GNM Nürnberg

Medien – Wege in die Moderne im 19. Jahrhundert

Das Interesse an exotischen Kulturen und fremden Ländern wurde auch mit Hilfe der Massenmedien bedient. Erfindungen wie die Postkarte, der Telegraf und das Telefon verkürzten die Kommunikationswege immens und beschleunigten den Informationsaustausch.

Konservative Zeitgenossen befürchteten die Verdrängung des Briefes und prophezeiten den Verfall der Sprachkultur. Genau wie heute! Die Entwicklung zu einer immer schnelleren Kommunikation hat mit der Erfindung der Email und dem Internet ihren bisherigen Höhepunkt erreicht.

Fernsprechwandapparat, 1881
Hergestellt von: Siemens & Halske, Berlin
Holz
48 x 21 x 23 cm
Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Museum für Kommunikation Frankfurt
Kat. Nr. 265, © GNM Nürnberg

Kautschuk-Typenplatten-Schreibmaschine „Graphic“, um 1895/1905 Hergestellt von: Heinrich Bonnin oder Kindermann & Co, Berlin 9,6 x 31 x 28,5 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kautschuk-Typenplatten-Schreibmaschine „Graphic“, um 1895/1905, Hergestellt von: Heinrich Bonnin oder Kindermann & Co, Berlin, 9,6 x 31 x 28,5 cm, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, © GNM Nürnberg
Honoré Daumier: „Chaud! Chaud!“, 1837 Ausführung: Aubert & Junca, Paris Kreidelithografie 35,9 x 26,8 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 331
Honoré Daumier: „Chaud! Chaud!“, 1837, Ausführung: Aubert & Junca, Paris, Kreidelithografie, 35,9 x 26,8 cm, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Kat. Nr. 331,  © GNM Nürnberg

Nun konnten binnen Stunden Ereignisse aus der gesamten Welt kommuniziert werden. Die tagesaktuelle Berichterstattung aus dem Ausland war geboren.

Das Bild und die Fotografie zogen in die Zeitungen ein und die Werbung wurde zum bestimmenden Faktor. Erfindungen wie Guckkasten, Laterna Magica und Phenakistiskop standen am Anfang der Entwicklung zur Kino- und Freizeitindustrie.

Laterna magica, um 1890/1900 Hergestellt von: Fa. Ernst Plank, Nürnberg Eisen-, Kupfer-, Messingblech, lackiert 31,2 x 26 x 13,5 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 97
Laterna magica, um 1890/1900
Hergestellt von: Fa. Ernst Plank, Nürnberg
Eisen-, Kupfer-, Messingblech, lackiert
31,2 x 26 x 13,5 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 97, © GNM Nürnberg
Ernst Neumann-Neander: Plakat „Wintergarten Saharet“, 1903 Ausführung: Hollerbaum & Schmidt, Berlin Lithografie 139,5 x 94,8 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 383
Ernst Neumann-Neander: Plakat „Wintergarten Saharet“, 1903
Ausführung: Hollerbaum & Schmidt, Berlin
Lithografie
139,5 x 94,8 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 383, © GNM Nürnberg
Carl Stauber: Der Guckkastenmann, 1856 Aus: „Fliegende Blätter“, Bd. 25, 1856, Nr. 580, S. 25 Holzstich 9,8 x 16,2 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 347
Carl Stauber: Der Guckkastenmann, 1856
Aus: „Fliegende Blätter“, Bd. 25, 1856, Nr. 580, S. 25
Holzstich
9,8 x 16,2 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 347, © GNM Nürnberg

Musik – Wege in die Moderne im 19. Jahrhundert

Die Musik entwickelte sich zu einem Medium für die Massen. Dieser Prozess äußerte sich in großen Konzerten und der Gründung von Sängervereinen.

Die Erfindung von Tonträgern revolutionierte im 19. Jahrhundert das Hören. Es war nun möglich mit Hilfe eines Phonographs und Grammophons jederzeit Musik zu hören.

Phonograph mit Wachszylinder, um 1900 Hergestellt von: Pathé Frères, Paris 41 x 26 x ca. 42 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 522
Phonograph mit Wachszylinder, um 1900
Hergestellt von: Pathé Frères, Paris
41 x 26 x ca. 42 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 522, © GNM Nürnberg
Schellackplatte ,,Näher mein Gott zu Dir‘‘, Mai 1912 Erschienen bei: Parlophon, Berlin bez.: „Gespielt von der Schiffskapelle / beim Untergang der ‚Titanic‘ Durchmesser 29,9 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 401
Schellackplatte ,,Näher mein Gott zu Dir‘‘, Mai 1912
Erschienen bei: Parlophon, Berlin
bez.: „Gespielt von der Schiffskapelle / beim Untergang der ‚Titanic‘
Durchmesser 29,9 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 401, © GNM Nürnberg
Grammophon, um 1890 Hergestellt von: Spielwaren-Fabrik Kämmer, Reinhardt & Co., Waltershausen 32,5 x 41,5 x 21 cm Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Kat. Nr. 521
Grammophon, um 1890
Hergestellt von: Spielwaren-Fabrik Kämmer, Reinhardt & Co., Waltershausen
32,5 x 41,5 x 21 cm
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Kat. Nr. 521, © GNM Nürnberg

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